„Veränderungen anstoßen und managen“ Pastoraltag der emsländischen Dekanate in Lingen

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Im Gespräch über Veränderungen in der Kirche (von links): Thomas Dienberg, Professor für Theologie der Spiritualität, Generalvikar Theo Paul und der stellvertretende LWH-Direktor René Kollai. Foto: Johanna LügermannIm Gespräch über Veränderungen in der Kirche (von links): Thomas Dienberg, Professor für Theologie der Spiritualität, Generalvikar Theo Paul und der stellvertretende LWH-Direktor René Kollai. Foto: Johanna Lügermann

Lingen. Was kann die Kirche aus Veränderungen in der Arbeitswelt, im Sport oder im Gesundheitswesen lernen? Hauptberufliche in der Pastorale der emsländischen Dekanate ließen sich bei einer Tagung in Lingen von Erfahrungen anderer gesellschaftlicher Bereiche inspirieren.

Was für Voraussetzungen sind notwendig, um Wandel zu gestalten? Dieser Frage gingen Mitarbeiter der emsländischen Dekanate während des Pastoraltages im Lingener Ludwig-Windhorst-Haus nach. „Kirche lebt davon, dass alle Beteiligten ihr Vertrauen hineinsetzen“, sagte Generalvikar Theo Paul bei einer abschließenden Podiumsdiskussion. Eine weitere wichtige Voraussetzung sei Begeisterung, erklärte Thomas Dienberg, Professor für Theologie der Spiritualität. „Ich sehe zu selten die Freude am Evangelium“, bedauerte er. In 14 Workshops sprachen die Teilnehmer über Wandel in anderen gesellschaftlichen Bereichen und wie die Kirche aus diesen Prozessen lernen kann.

Menschen mit Berufung

Flächendeckende Erosionen gebe es auch in Unternehmen, sagte die Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Emsland Maria Borgmann. Unternehmen hätten ebenso mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, wie die Kirche. Doch die Institution, die sie als „erfolgreichstes Unternehmen aller Zeiten“ bezeichnete, habe einen entscheidenden Vorteil: „Kirche hat Menschen mit Berufung, das wünschen wir uns auch öfter.“ Es mache ihnen die Arbeit leichter. Doch die Kirche müsse sich stärker bei weltlichen Themen positionieren und – wie ein Unternehmen – den Menschen mehr in den Mittelpunkt stellen.

Jugend als zentraler Faktor

Diese Ansicht vertrat auch Generalvikar Theo Paul: „Wir müssen Kirche ein Gesicht geben.“ Die traditionelle Form-Kraft der Kirche falle faktisch weg. Es brauche Frauen und Männer, die bereit seien, Wandel zu gestalten. Die Institution könne lediglich den Rahmen dafür bieten. „Die Herausforderung wird sein, Offenheit zu leben und auf der anderen Seite Profil zu zeigen“, fasste Paul zusammen. Als zentralen Faktor für einen erfolgreichen Wandel nannte er die Jugend. Die Kirche habe in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, dass sie viel ändern könne. Der Ausbau von Beratungsdiensten sei ein Beispiel für Bewegung in die richtige Richtung. „Aber wenn wir den Draht zur Jugend verlieren, verlieren wir die Zukunft“, appellierte der Generalvikar. Die Kirche brauche eine liturgische Ausdrucksform der Jugend. „Es muss nicht alles auf den Gottesdienst konzentriert sein, aber ohne geht es auch nicht“, ergänzte er. Auch in diesem Bereich gebe es bereits positive Entwicklungen, wie die wachsende Katholische Landjugendbewegung. Paul betonte, die Neugier der Jugendlichen müsse wieder geweckt werden. „Ein Rezept gibt es aber im Moment nicht“, gab er zu.

Spirituelle Reife

Heiko Roehl, zu dessen Arbeitsschwerpunkten Veränderungsmanagement gehört, erklärte, dass eine Perspektive der Kirche in der Persönlichkeitsentwicklung von Menschen liege. Die Institution müsse ihre Rolle im spirituellen Reifeprozess wiedererlangen. Roehl warnte davor, dem Zeitgeist hinterherzulaufen. Die Kirche solle den Menschen „nicht geben, was sie wollen, sondern was sie brauchen“.

Am Ende der Tagung zog Teilnehmerin und Dekanatsreferentin Frauke Neuber ein positives Fazit. Die Gespräche seien sehr interessant gewesen. „Ich hätte nur gerne mehr Zeit gehabt.“


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