Nicht nur Briefmarken als Leidenschaft Ulrich Loch aus Lingen plädiert für den geschriebenen Brief

Von Melanie Schoppe


mela Lingen. Für Ulrich Loch heißt es: „Briefe schreiben ist eine Beziehungstat.“ Er ist der Zweite Vorsitzende des Vereins Lingener Briefmarkensammler und schreibt auch in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht weniger Briefe als früher.

„Rund zehn Personen erhalten zurzeit regelmäßig einen Brief von mir“, erklärt Loch. „Manche Kontakte bestehen seit über 15 Jahren, während andere nach wenigen Jahren einschlafen.“ Dabei antworte er am liebsten so schnell wie möglich. „Ein, zwei Tage, länger lasse ich die Post nicht liegen.“ Vom Mehrwert des Briefeschreibens ist er überzeugt. „Schon das Schreiben, das Benutzen des Papiers macht mir immer wieder Spaß.“

Schnell antworten

Doch leider schreiben nicht nur immer weniger Leute Briefe, auch die Philatelisten, die sich leidenschaftlich mit der Briefmarkenkunde auseinandersetzen und dafür natürlich dringend Briefschreiber benötigen, haben Mühe Nachwuchs zu finden. Schon im Jahr 1840 sei die erste offizielle Marke in Großbritannien ausgegeben worden. Früher hätte das Porto direkt an den Schalterbeamten gezahlt werden müssen, erzählt Loch. Das Sammeln dieser kleinen „Quittung“ sei sehr spannend gewesen und „ist es auch heute noch“. Sie stellten damals, als die Welt noch nicht so „eng“ war, auch eine Verbindung zu fernen Ländern dar. Wobei er, wie alle seine Sammlerfreunde, leider nie in den Besitz einer Blauen Mauritius gelangt sei. Dann wäre er heute ein sehr reicher Mann, schmunzelt Loch. Und nun sitze ein kleiner Kreis von leider nur älteren Herren alle 14 Tage bei Klaas-Schaper zusammen, um ihr Hobby im Verein der Lingener Briefmarkensammler wieder aufleben zu lassen.

Sammlerfreunde

„Das Schreiben eines Briefes erfordert in der heutigen Zeit mehr Aufwand als der Griff zum Smartphone“, stellt Loch fest. Dafür würden ja Papier, Umschläge und Briefmarken benötigt und vor allem eines, was immer häufiger fehle: Zeit. Ob ein Brief eher kurz und hastig bleibe oder ob es sich um seitenlange „Romane“ handele, das liege letztendlich an der persönlichen Beziehung zwischen Absender und Empfänger. „Einen Brief zu schreiben dauere eben länger, als sich zum Beispiel per E-Mail zu verständigen. „Für das Schreiben eines doppelseitigen Briefes benötige ich mindestens eine halbe bis dreiviertel Stunde. Der Empfänger soll ja auch lesen können, was ich geschrieben habe.“

Mehr Aufwand

„In einer Zeit, in der das, was heute noch interessant ist, morgen schon zu Altpapier wird, sind Briefe persönliche und oft schöne Erinnerungen, die einen lange Zeit begleiten.“ Den ältesten Brief, den er versucht habe zu lesen, sei von etwa 1870 gewesen, erinnert sich Loch.

Schöne Erinnerungen

Briefe wurden aufgehoben, wenn es sich beispielsweise um Korrespondenz aus Kriegszeiten gehandelt habe, welche die Soldaten nach Hause geschickt hätten oder um Liebesbriefe, die mitunter sogar parfümiert im Briefkasten gelegen hätten, lächelt Loch. „Vielleicht können Menschen sich in Briefen besser mitteilen, haben weniger Hemmungen als im persönlichen Gespräch“, meint er. Besonders aufregend sei doch auch immer das Warten auf eine Antwort. Wenn es sich dann noch um einen schön aufgemachten Brief, zum Beispiel mit Sondermarken handele, erfreue das auch das Herz eines passionierten Briefmarkensammlers, gesteht Loch.

Parfümierte Briefe

Bei den modernen Kommunikationsmitteln sehe er auch das Problem, immer eine schnelle Antwort geben zu müssen. Bei dem Verfassen von handgeschriebenen Briefen würden die Leute sich bewusst Zeit nehmen, um auf das Gelesene einzugehen. Wie allerdings die Jugend künftig mit diesem Thema umgehen werde, das könne nur die Zukunft zeigen, meint Loch. „Briefe sind und bleiben immer etwas sehr Persönliches, mitunter sogar ein handgeschriebenes Geschenk zu besonderen Anlässen“, bricht Ulrich Loch eine Lanze für den Brief und seine Marken.


0 Kommentare