Keine Kostenübernahme für Lia Hortkosten für behinderte Tochter: Emsland lehnt Widerspruch ab

Von Wilfried Roggendorf

Wenig begeistert schaut Andrea Salomon in den Widerspruchsbescheid des Landkreises Emsland. Foto: Wilfried RoggendorfWenig begeistert schaut Andrea Salomon in den Widerspruchsbescheid des Landkreises Emsland. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Andrea Salomon möchte, dass der Landkreis Emsland ihren Anteil für die Hortbetreuung ihrer behinderten Tochter Lia nicht höher festsetzt, als es bei einem nicht behinderten Kind der Fall wäre. Doch der Landkreis hat Salomons Antrag ebenso abgelehnt wie ihren Widerspruch gegen diese Entscheidung.

Andrea Salomon möchte nicht mehr, aber auch nicht weniger, als Eltern von Kindern ohne Behinderung für die Hortbetreuung ihrer Tochter zahlen. Der Buchhändlerin geht es in erster Linie um Inklusion, die Gleichbehandlung von Menschen mit und ohne Behinderung. Und das Beste für ihre Tochter Lia, die Salomon nachmittags nach dem Besuch der Matthias-Claudius-Grundschule im Hort Trinitatis gut betreut weiß.

Entscheidung unbegreiflich

Warum sie dafür monatlich 550 Euro mehr zahlen soll, als andere Eltern, ist Salomon unbegreiflich. Deshalb hat sie gegen den ablehnenden Bescheid des Landkreises Emsland ihres Antrags auf Übernahme der Mehrkosten für eine spezielle Betreuungskraft im Hort Widerspruch eingelegt. Begründet hat Salomon diesen mit der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Hinweis, dass in der Region Hannover Eltern diese Mehrkosten nicht tragen müssten. Doch pünktlich zum Osterfest ist jetzt die Zurückweisung des Widerspruchs im Briefkasten von Salomon gelandet.

Enttäuscht und ratlos

Die Mutter ist ebenso enttäuscht wie ratlos. „Darauf, wieso in der Region Hannover auf Grundlage der gleichen Gesetze anders gehandelt wird als im Emsland, geht der Bescheid des Landkreises nicht richtig ein“, sagt die 40-Jährige. Sie und Lias Vater könnten den geforderten Betrag auf Dauer nicht aufbringen, erklärt Salomon und überlegt, was sie jetzt machen soll, um die Betreuung ihrer siebenjährigen Tochter sicherzustellen.

Entscheidung noch in diesem Schuljahr

„Wir müssen noch in diesem Schuljahr eine Entscheidung treffen – eine gute für Lia“, erläutert sie den Zeitdruck, unter dem sie jetzt steht. Wenn sie eine Ferienbetreuung wolle, müsste sie ihre Tochter in einer Klasse der Mosaikschule anmelden. „Doch dies widerspricht doch gerade dem Gedanken der Inklusion und der freien Schulwahl für Menschen mit Behinderung“, sagt die Mutter. Eine Nachmittagsbetreuung würde Lia trotzdem benötigen. Im Hort kann sie bis 17.30 Uhr bleiben. An der Mosaikschule dauert der Unterricht montags bis donnerstags bis 15 Uhr, freitags nur bis 13 Uhr. „Das für Lia gezahlte Pflegegeld geht schon für die Zeiten drauf, die auch der Hort nicht abdeckt“, erläutert die Lingener Buchhändlerin.

Verantwortung für die Mitarbeiter

„Als Selbstständige kann ich meine Arbeitszeit nicht einfach reduzieren“, sagt Andrea Salomon. Sie habe auch eine Verantwortung für die Mitarbeiter ihrer Buchhandlung. Eine Buchhandlung, mit der Salomon nicht nur einen Traum verwirklicht hat, sondern die neben drei Vollzeit- und vier Teilzeitarbeitsplätzen noch zwei Ausbildungsstellen bietet. Bei ihr ist zudem auch eine behinderte Frau auf einem Außenarbeitsplatz des Christophorus-Werks angestellt.

Sozialdezernentin verweist auf Rechtsweg

Nun bleibt der 40-Jährigen nur noch die Hoffnung, dass es „auf einen Härtefall und eine schnelle Einzelfallentscheidung rausläuft“. Eine Hoffnung, die sich wohl nicht erfüllen wird: Auf Nachfrage unserer Redaktion verweist die emsländische Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis auf den Salomon offen stehenden Rechtsweg.

Dank für die Unterstützung

Andrea Salomon dankt ausdrücklich allen, die sie bei ihren Bemühungen um das Beste für Lias Inklusion unterstützt haben. „Ich freue mich, dass der Lingener Stadtrat in einer an Land und Landkreis gerichteten Resolution gefordert hat, Kinder mit und ohne Behinderung in Betreuungseinrichtungen gleich zu behandeln.“ Darüber, was sie jetzt machen wird, denkt Salomon jetzt nach. Doch egal, ob es auf einen Prozess, eine Petition oder etwas anderes herausläuft – „Ich befürchte, für meine Lia kommt eine rechtliche Klärung der Situation zu spät“, sagt Salomon.