Lingen und die Sünderin Verkauf der Kivelingszeitung beginnt am Ostersamstag 2017

Von Wilfried Roggendorf

Die Lingener Kivelinge (von links) Roman Hoffmann (Sektion Emspiraten), Kommandeur Nils Deymann, Marketenderin Frauke Determann und Wachoffizier Sebastian Hecht (Sektion Welfen) präsentieren die Kivelingszeitung 2017. Foto: Wilfried RoggendorfDie Lingener Kivelinge (von links) Roman Hoffmann (Sektion Emspiraten), Kommandeur Nils Deymann, Marketenderin Frauke Determann und Wachoffizier Sebastian Hecht (Sektion Welfen) präsentieren die Kivelingszeitung 2017. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Warum hat das Bundesverwaltungsgericht 1954 einen Beschluss des Lingener Stadtrates gekippt? Und was hat dies mit dem von vielen zu seiner Zeit als Skandalfilm empfundenen Streifen „Die Sünderin“, in dem Hauptdarstellerin Hildegard Knef Sekunden nackt zu sehen war, zu tun? Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefert die „Kivelingszeitung 2017“, deren Verkauf am Ostersamstag beginnt.

„Kivelingszeitung“ – diese Bezeichnung hat Tradition für ein Werk, das die Kivelinge immer vor ihrem Fest verkaufen. Doch diese „Zeitung“ bietet längst mehr: „Auf diesmal 292 Seiten präsentieren wir ein Magazin im Buchformat, das halt einfach Zeitung heißt“, sagt Thomas Schneider, der als Redakteur bei der Erstellung mitgewirkt hat. Schon ein Jahr nach dem letzten Kivelingsfest im Jahr 2014 hätten sich die Verantwortlichen des Lingener Bürgersöhneaufzuges Gedanken darüber gemacht, welche Themen Einzug in die Kivelingszeitung 2017 halten sollen.

Breites Spektrum an Themen

„Herausgekommen ist ein breites Spektrum an Themen, die für jeden Leser etwas bieten“, hofft Schneider. Eine Hoffnung, die ein Blick unserer Redaktion in ein druckfrisches Exemplar der Kivelingszeitung bestätigt. Neben einem Rückblick auf das letzte Kivelingsfest und einer Vorschau auf das an Pfingsten 2017 vom 3. bis 5. Juni stattfindende Kivelingsfest, hat die Kivelingszeitung so einiges mehr zu bieten.

Von Raubmord und Folter

Sie stellt das „alte Lingen“ vor und berichtet von einem Raubmord an einem Lingener Professor – nicht auf dem heutigen Campus, sondern im Jahre 1742. „Dass möglicherweise auch religiöse Wahnvorstellungen den Mörder zur Untat getrieben haben“, klingt leider 275 Jahre später mehr denn aktuell. Und wer heutzutage das Pech hat, auf der Anklagebank des Lingener Amtsgerichtes zu landen, erfährt aus der neuen Kivelingszeitung, wie gut er es in unserem Rechtsstaat hat. „Auch in Lingen gehörten Folter und Körperstrafen bis hin zum Todesurteil einst zum Justizalltag“, erfährt der Leser der Kivelingszeitung in einem Beitrag über Zeiten der „kurzen Prozesse“.

Bauruinen und Rücktrittsforderungen

Aber auch die „jüngere Geschichte“ der Stadt Lingen kommt nicht zu kurz. Aktuell ist der Bericht über die Geschichte der ehemaligen Tankstelle an der Bernd-Rosemeyer-Straße. Lange lag sie als denkmalgeschützte Bauruine im Dornröschenschlaf, bevor sie nun eingehaust und in ein neues Gebäude integriert wird. Und auch wer wissen möchte, warum es am 5. Mai 1960 zu einer Lingener Ratssitzung kam, die europaweit verfolgt und für hunderte Zuhörer auf den Lingener Marktplatz übertragen wurde, wird in der neuen Kivelingszeitung fündig. Der Leser erfährt, warum es Rücktrittsforderungen gegen den damaligen CDU-Bürgermeister Robert Koop, den Großvater des heutigen Stadtratsmitglieds der Bürgernahen, gab, und welche wohl nicht ganz so gute Rolle die Lingener Tagespost dabei in einer auf lokaler Ebene ausgetragenen Episode des „Kalten Krieges“ spielte.

Kivelinge und die Neurobiologie

Dies sind nur einige der Themen der neuen Kivelingszeitung. Rubriken wie „Lingen heute“ und Berichte über die Kivelinge selbst runden das Werk ab, das auch einen internationalen Touch hat. Wer bislang noch nicht weiß, dass mit Stephan Lammel ein ehemaliger Kiveling eine Professur für Neurobiologie an der renommierten US-amerikanischen Berkeley-Universität hat, erfährt es jetzt aus der Kivelingszeitung 2017.

Kein Nacktbild von Hildegard Knef

Nils Deymann, Kommandeur der Kivelinge, ist überzeugt, dass die Kivelingszeitung 2017 „etwas für das Bücherregal ist“. Dem stimmt Björn Roth, der ebenfalls in der Redaktion mitgearbeitet hat, zu: „Das ist keine klassische Vereinszeitung. Da blättert man immer wieder einmal gerne drin.“ Eine Einschätzung, die unsere Redaktion nach einem ersten Durchblättern teilt: Die Kivelingszeitung 2017 ist für jeden lesenswert, es sei denn, er hofft auf ein Nacktbild von der eingangs erwähnten Hildegard Knef als „Sünderin“. Das ist zu Recht das Einzige, womit die Kivelingszeitung 2017 nicht dient. Sie klärt jedoch darüber auf, dass das Bundesverwaltungsgericht ein vom Lingener Stadtrat beschlossenes Aufführungsverbot des Films kippte. Das Urteil ist über 60 Jahre später noch als Beispiel für die Bewertung der Kunstfreiheit in juristischen Lehrbüchern zu finden.

Verkauf an zahlreichen Stellen

Die Kivelinge werden ihre Zeitung zum Preis von 5 Euro am Karsamstag auf dem Lingener Marktplatz am Rande des Wochenmarktes erstmals zum Kauf anbieten. Gleichzeitig sind dann bis Pfingsten auch die folgenden Verkaufsstellen eröffnet: Bürobedarf Nottbeck (Burgstraße), Buchhandlung Holzberg (Clubstraße), Buch+Kunst Blanke (Burgstraße), Geschäftsstelle der Lingener Tagespost (Schlachterstraße), Lingen Wirtschaft+Tourismus (Verkehrsbüro), Blumen Simon (Oberhofstraße), Stadtkiosk Julius Frilling (Lookenstraße), Kiosk Schwedenschanze, Presse & Tabak Skubich (Rheiner Straße) und die Geschäftsstelle der Kivelinge neben dem Kivelingshaus. Auch über die Internetpräsenz des Kivelingsvereins unter www.kivelinge.de kann die Kivelingszeitung zuzüglich der Versandkosten bestellt werden.