Kritik an Plänen bei BvL Einzelhändler in Lingen sehen Entwicklung mit Sorge

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Der Marktplatz in Lingen bietet eine hohe Aufenthaltsqualität. Foto: Johanna LügermannDer Marktplatz in Lingen bietet eine hohe Aufenthaltsqualität. Foto: Johanna Lügermann

Lingen. Die inhabergeführten Geschäfte in der Lingener Innenstadt sehen die geplante Entwicklung beim Einrichtungshaus BvL an der Lindenstraße mit Sorge. Darauf wies Martin Grabein, Inhaber der „Strumpf Wäsche Galerie“ in der Lookenstraße, in einem Gespräch mit der Redaktion hin.

Der Planungs- und Bauausschuss der Stadt Lingen hatte in der letzten Woche mit breiter politischer Mehrheit die Pläne von BvL im Grundsatz abgesegnet. Danach wird das erste und zweite Obergeschoss des Einrichtungshauses in Wohnungen umgewandelt. Die Einzelhandelsnutzung ist im Erd- und Untergeschoss vorgesehen, wobei sich die zentrenrelevanten Sortimente um 650 Quadratmeter reduzieren. In etwa gleicher Größe (680 Quadratmeter) kommt ein Drogeriemarkt (DM) hinzu. Im Gebäudeteil entlang der Kurt-Schumacher-Brücke soll ein Edeka-Markt auf 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche angesiedelt werden.

Grabein machte in dem Gespräch deutlich, dass sich der inhabergeführte Einzelhandel in der Innenstadt in einer schwierigen Lage befände. Dieser wolle beim Thema BvL nicht den „Schwarzen Peter“ haben und in die Rolle eines Buhmanns geraten. Es gehe der Kaufmannschaft auch nicht um den Lebensmittelmarkt oder Drogeriemarkt alleine. Nach den Worten von Grabein ist es vielmehr die Summe der „Baustellen“, die dem Einzelhandel in der Innenstadt Sorgen bereiteten. Auch ein Supermarkt wie Edeka könne in kleinem Umfang innenstadtrelevante Sortimente aufnehmen. Da genüge ein Blick Richtung Famila an der Rheiner Straße, was dies alles sein könne. Kunden aus der Innenstadt werde auch das Möbelhaus Berning nach Fertigstellung der Erweiterungsmaßnahmen anziehen. Als weitere „Baustellen“ nannte Grabein in der Innenstadt die Situation in der Großen Straße nach der Schließung der Huesmann-Geschäfte und die offene Frage, wie es mit dem Sparkassen-Gebäude auf dem Markt und einer späteren Umnutzung weitergehen soll. „Das einzelne Projekt tut nicht so weh, wie die Summe von allen“, sagte der Lingener Kaufmann. Der wachsende Online-Handel und künstliche Einkaufsgebilde wie in Ochtrup drücken die Umsätze nach seinen Worten zusätzlich. Grabein befürchtet deshalb, dass noch weitere Geschäfte „auf der Strecke bleiben werden, weil unter dem Strich nicht mehr Geld ausgegeben wird“.

Trotz der schwierigen Situation würden die Einzelhändler in der Innenstadt aber weiterhin alles daran setzen, den Kunden ein interessantes und abwechslungsreiches Einkaufserlebnis zu bieten, betonte Grabein. Die Stadt habe nach wie vor eine Menge zu bieten. Verantwortlich dafür seien insbesondere die inhabergeführten Geschäfte und nicht die austauschbaren Ketten. Zum Einkaufserlebnis gehöre neben der Qualität der Produkte ein guter Service und Beratung. Der Geschäftsmann appellierte in diesem Zusammenhang aber auch an die Kunden, dann auch in der Stadt einkaufen zu gehen, „und sich nicht in der Stadt die Beratung holen, um dann zu Hause online bestellen.“

Was Leerstände in der Innenstadt anbelangt, forderte Grabein, auch einmal andere Wege zu gehen. Wenn sich eine bestimmte Fläche auf längere Zeit nicht mehr vermieten lasse, dann sei sie eben keine Handelsfläche mehr und es gelte zu überlegen, sie auf andere Weise für die Besucher der Stadt interessant zu nutzen. „Querdenken“ sollte man Grabeins Worten zufolge auch, was die Erreichbarkeit von Geschäften in Randlagen der Innenstadt anbelangt. „Wir könnten doch mal darüber nachdenken, die Burgstraße vom Kreisverkehr bis etwa zur Höhe des Amtsgerichtes für Pkw zu öffnen“, schlug der Einzelhändler vor.

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