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22.03.2017, 17:45 Uhr KRITIK AN VORGEHEN IN LINGEN

Abholzaktion in Wachendorf: Verständliche Verärgerung

Kommentar von Thomas Pertz

Rund elf Hektar Nadelholzbestand sind bei einer Fällaktion in Wachendorf entfernt worden. Auf der Fläche soll die frühere Heidelandschaft wieder hergestellt werden. Foto: Ludger JungeblutRund elf Hektar Nadelholzbestand sind bei einer Fällaktion in Wachendorf entfernt worden. Auf der Fläche soll die frühere Heidelandschaft wieder hergestellt werden. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Die Untere Naturschutzbehörde in Lingen hat es versäumt, das Fällen von elf Hektar Wald in Wachendorf vorher den Fachbehörden und der Öffentlichkeit gegenüber zu erläutern. Ein Kommentar.

Elf Hektar Wald wurden platt gemacht für den Naturschutz: Eine solche Maßnahme erschließt sich demjenigen, der davon zum ersten Mal hört, auch auf den dritten Blick nicht. Muss es auch nicht, denn dafür gibt es ja neben den politischen Vertretern im Rat die Fachbehörden, die diese Vorhaben einordnen und beurteilen können. Wenn sie denn informiert werden.

Genau das hat die Untere Naturschutzbehörde im Lingener Rathaus aber nicht getan. Schlimmer noch: Sie hat offenbar auch einen Verfahrensfehler begangen, weil sie den Wald ohne Genehmigung gerodet hat. Denn beim Landkreis als Untere Waldbehörde lag kein schriftlicher Antrag vor. Auch das Forstamt in Ankum, das als sogenannter Träger öffentlicher Belange zu allen den Wald betreffenden Maßnahmen Stellungnahmen abzugeben hat und über die Fällaktion ebenfalls nicht in angemessener Form informiert worden ist, wird dieses Vorgehen zu Recht als Brüskierung empfinden.

Ein Tagesordnungspunkt in der Sitzung des Umweltausschusses im Februar war das Thema ebenfalls nicht. Auch wenn es grundsätzlich einen Konsens über die ökologische Bedeutung der Heideflächen in Wachendorf gibt, hätte die Verwaltung in der Sitzung ruhig von sich aus mitteilen können, dass die Fällaktion bevorsteht. Diese Information kam erst aufgrund einer Nachfrage aus dem Ausschuss.

Treibende Kraft des Projekts in Wachendorf ist Karin Schreiner als Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde in Lingen. Ihre Fachkenntnis ist unbestritten, doch der von ihr durch die „akademische Brille“ betrachtete und umgesetzte Naturschutz erschließt sich nicht jedem. Deshalb ist es wichtig, dass solche massiven Eingriffe wie die in Wachendorf, neudeutsch formuliert, besser „kommuniziert“ werden. Anders ausgedrückt: Vorher darüber reden ist besser als hinterher. Und dass eine Genehmigung dafür vorliegt, darf auch erwartet werden.


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