Welches Wickelsystem ist besser? Beraterin aus Nordhorn von Stoffwindel überzeugt

Welche Windel darf es sein? Die kleine Jule entscheidet sich für die Stoffwindel mit Muster aus Füchsen, Blumen und Bäumen. Foto: Caroline TheilingWelche Windel darf es sein? Die kleine Jule entscheidet sich für die Stoffwindel mit Muster aus Füchsen, Blumen und Bäumen. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Wegwerf- oder Stoffwindeln, einmal oder mehrfach benutzbar? Mit der Frage, welches Produkt grundsätzlich vorzuziehen ist, haben sich schon viele Eltern beschäftigt. Argumente gibt es für beide.

Durchschnittlich benötigen Kinder zweieinhalb Jahre, um trocken zu werden. Genug Zeit, um viele Windeln zu füllen. Rund 5000 Mal werden die Windeln in dieser Zeit gewechselt, manche Statistiken gehen sogar von bis zu 10.000 Stück aus. Darüber, welche Windeln am besten für das Kind, die Umwelt und den alltäglichen Gebrauch sind, gehen die Meinungen auseinander. Die einen sagen, dass Stoffwindeln in jeder Hinsicht unschlagbar sind, die anderen treten mit gleichgroßer Überzeugung für die Einwegwindel ein.

Vorteile von Stoffwindeln

Kerstin Germann ist Stoffwindelberaterin aus Nordhorn und berät Eltern aus der Grafschaft und dem Emsland. Nachdem sie bei ihrer ersten Tochter zunächst Wegwerfwindeln genutzt hatte, änderte sie bald die Wickelmethode und ist seither überzeugt von der Alternative aus Stoff. „Der Anschaffungspreis der Stoffwindeln ist natürlich deutlich höher als bei Papierwindeln,“ räumt sie ein. Doch der Preisnachteil werde mit jedem Monat geringer, da die Einwegwindeln ständig nachgekauft werden müssen. Bei jedem weiteren Kind mache sich die Anschaffung der Stoffwindeln erst recht bezahlt. Und: „Man kann Stoffwindeln meist für rund 70 Prozent des Anschaffungspreises weiterverkaufen.“

Einfach wie Einwegwindeln

„In der Anwendung sind viele Wickelsysteme genauso einfach wie Einwegwindeln,“ ist sie überzeugt. Für die nötige Tragesicherheit sorgen Klett- oder Druckverschlüsse. Sie ermöglichen auch das „Mitwachsen“, sodass nicht so viele verschiedene Windelgrößen erforderlich sind. Kinder, die allergisch auf Einwegwindeln reagieren, kommen oftmals besser mit Stoffwindeln zurecht, so auch die 18 Monate alte Tochter Jule von Kerstin Gersmann. „Ich finde keine Wegwerfwindel, die Jule verträgt. Immer hat sie einen roten Po.“ So bleibt für sie nur die Windel aus Stoff. Eltern und Schwiegereltern hatte sie auch schnell überzeugt, dass ihr Wickelsystem keinen signifikanten Mehraufwand bedeutet. Ab 1. April geht es für die Kleine in den Kindergarten. Doch auch da ist sich die Mutter sicher, dass es mit den Erzieherinnen in Sachen Windeln keine Probleme geben wird. Ob am Ende Kinder, die mit Stoffwindeln gewickelt wurden, früher trocken sind, kann die Beraterin noch nicht bestätigen. Immerhin brauchte die große Tochter nach zwei Jahren und drei Monaten tagsüber keine Windel mehr.

Vorteile von Wegwerfwindeln

„Ganz sicher keine Stoffwindel“ hat Anne Bremenkamp, sechsfache Mutter aus Emsbüren, bei ihrem Nachwuchs verwendet. „Ich habe gesehen, wie das bei meiner Schwägerin mehr schlecht als recht funktionierte und bei meinen Kindern erst gar nicht damit angefangen.“ Für die erfahrene Mutter geht „nichts über Wegwerfwindeln“. Wegwerfwindeln seien nicht nur für den Gebrauch zu Hause besonders praktisch, sondern auch für unterwegs. Im Unterschied zu Stoffwindeln können sie einfach entsorgt werden. Und auch Großeltern, Tanten, Onkel, Nachbarn oder die Tagesmutter, die beim Windelwechsel einspringen, kommen besser mit den leicht anzulegenden Produkten klar. Wenn in der Urlaubsunterkunft keine Waschmaschine zur Verfügung steht, kann es bei Stoffwindeln problematisch werden.

Als besonders praktisch erweisen sich die Einwegwindeln gerade in den ersten Lebenswochen des Säuglings, wenn sich alle erst an den Umgang mit dem Baby, die neuen Abläufe und Handgriffe gewöhnen müssen: Die Handhabung ist unkomplizierter und das Wechseln geht bedeutend schneller.


Viele Eltern fürchten, die Umwelt mit Einwegwindeln übermäßig zu belasten. Nach Schätzungen entstehen pro Kleinkind insgesamt circa 1000 Kilogramm Windelmüll. Acht Millionen Wegwerfwindeln wandern täglich in Deutschland in den Müll, und es dauert Jahrhunderte, bis sie abgebaut sind. Außerdem wird bei der Herstellung des Zellstoffs von Einwegwindeln viel Wasser verbraucht. Bei dieser Rechnung muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Stoffwindeln regelmäßig gewaschen werden und dabei ebenfalls große Mengen Wasser verbraucht werden. So müssen am Ende die Eltern entscheiden, welches System in ihrem Lebensalltag das jeweils beste für ihr Kind ist.

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