Festakademie im LWH Verschiedenheit der Konfessionen nur Thema für Theologen?

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Lingen. Der Todestag von Bismarck-Gegenspieler Ludwig Windthorst am 14. März 1891 ist alljährlich Anlass für eine Festakademie im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) in Lingen-Holthausen. Die gleichnamige Stiftung hat Dienstagabend unter dem Motto „der hoffnungsvolle Blick nach vorn – das ökumenische Projekt 500 Jahre nach Luther“ zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft begrüßt.

Zu Beginn der Festakademie hatten der katholische Weihbischof Johannes Wübbe und die evangelische Landessuperintendentin Petra Bahr einen ökumenischen Gottesdienst in der Kapelle des LWH zelebriert. „Wir sind dankbar dafür, ein katholisches Fest miteinander zu feiern“, betonte Protestantin Bahr. „Wir freuen uns, das Reformationsjubiläum gemeinsam zu begehen“, entgegnete Katholik Wübbe. Allein der gute Wille werde für die Ökumene aber nicht reichen, es bedürfe des Segens von oben, ergänzte er in seinen Eröffnungsworten. Durch die Gebete, Lesungen und Gesänge des Gottesdienstes zogen sich die Themen Entzweiung und Trennung und die Bitte um Einigkeit. Den Gottesdienst begleiteten Dekanatskirchenmusikdirektor Jochen Diedrichs an der Orgel sowie Steffi Heider auf der Flöte.

Neuland in der Ökumene

Gesprächspartner von Bahr auf dem Podium waren der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, sowie Michael Reitemeyer, Direktor des LWH, als Moderator. „Ich habe den Eindruck, dass wir nach Jahren des Stockens in der Ökumene Neuland betreten“, leitete dieser den Gedankenaustausch hoffnungsvoll ein. Seine erste Frage an die beiden Konfessionsvertreter galt deren ganz persönlichen Erfahrungen mit anderen Glaubensrichtungen. „‘Profichristen‘ beschäftigen sich anders mit der Trennung, als die Menschen es durch Begegnung mit anderen Menschen, Musik etc. es tatsächlich erleben“, war Bahr überzeugt. Sternberg empfand den Austausch mit seinem „ökumenischen Gesprächspartner“ stets bereichernd und Vorurteile abbauend.

Wunsch nach gemeinsamem Abendmahl

Wichtig war beiden, die Gemeinsamkeiten zu betonen. „Wir haben dreiviertel unserer Geschichte gemeinsam“, meinte Sternberg, was Bahr durch den Satz: „Die evangelische Geschichte beginnt nicht erst 1517“ ergänzte. Ein zentrales Thema der Ökumene ist der Wunsch vieler Christen nach einem gemeinschaftlichen Abendmahl. Das Problem hierbei sei nicht die Verschiedenheit der Sakramente, sondern das der unterschiedlichen Amtsverständnisse, so Sternberg. „Lehramtlich muss nachgezogen werden, was vor Ort praktiziert wird. Konfessionsverschiedene Paare gehen gemeinsam zum Abendmahl“, war Bahr sicher. „Lebensrealität ist doch, dass viele Menschen inzwischen gar nichts mehr von der Verschiedenheit der Konfessionen wissen, während die Theologen Debatten darüber führen“, spitzte sie es zu. „Dürfen nur Menschen mit einem gewissen theologischen Grundwissen zur Eucharistie?“, fragte sich der Katholik Sternberg selbstkritisch.

Schuh drückt ganz woanders

„Für wen machen wir diese Versöhnung eigentlich? Bei den Menschen drückt der Schuh ganz woanders“, stellte Protestantin Bahr als These in den Raum. Gemeinsamkeit erreiche man am besten durch gemeinsames Tun in der Diakonie, so die Überlegung Sternbergs. Als Beispiel nannte er das gemeinsame Handeln in der Flüchtlingsarbeit. Den Auftrag Gottes an die Kirche zusammen umsetzen würde Ökumene voranbringen. Dieser Auftrag sei, als Christen einen antifatalistischen Impuls in die Welt zu bringen, fasste Bahr ihre Überlegungen zusammen.

Beide Diskutanten gaben sich durchaus selbstkritisch. Ob Kirche gar Antworten auf Fragen gebe, die keiner gestellt habe, warf Bahr in den Raum. „Die Sprache der Kirche sollte nicht künstlerisch, aber präzise sein. Die Menschen sollten nicht den Eindruck bekommen, als liefe dort eine Parallelsprache“, wünschte sich Sternberg.

Ein Spontanchor unter der Leitung von Diedrichs, zu dem sich unter anderem der Erste Kreisrat Martin Gerenkamp gesellte, untermalte den Abend mit geistlichen Gesängen.

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