60 Jahre alter Forst Elf Hektar Wald in Lingen für Naturschutz abgeholzt

Von Johanna Lügermann


Lingen. Elf Hektar Forst sind in Wachendorf abgeholzt worden – für eine Naturschutzfläche, erklärt Karin Schreiner von der Unteren Naturschutzbehörde in Lingen.

Zwergstrauchheide soll dort wachsen, wo bis vor einigen Tagen Lärchen und Fichten standen. Die Bäume sind Anfang der 1960er Jahre gepflanzt worden, um die Sanddünen zu festigen und Holz zu gewinnen. Diese Sanddünen sollen nun wieder freigelegt werden, denn die noch in Teilen vorhandene kulturhistorische Heidelandschaft im Ortsteil Altenlingen/Wachendorf soll erweitert werden. Die Heidelandschaften seien bereits im Mittelalter durch Beweidung von Schafen, Kühen und Schweinen entstanden, sagt Karin Schreiner von der Unteren Naturschutzbehörde. Dank der Bauernhöfe in Wachendorf, die zum Teil bis in die 1980er Jahre einen eigenen Schäfer beschäftigten, seien die seltenen Lebensräume lange erhalten geblieben.

Bis nach Schwartenpohl

Anfang des 20. Jahrhunderts habe sich, so Schreiner, die Heidelandschaft bis über die Stadtgrenze in Richtung Schwartenpohl erstreckt. 1995 sind davon noch drei Inseln geblieben: Die Krähenbeerendüne sowie die Naturschutzgebiete „Wacholderhain Wachendorf“ und „Wacholderheide Wachendorf“ . Um den Rest dieser Kulturlandschaft zu sichern, investiere die Stadt seit Jahren Kompensationsgelder für Ausgleichsflächen sowie Förderungen in die Entwicklung einer großräumigen Heidelandschaft in Wachendorf, sagt Lingens Stadtbaurat Lothar Schreinemacher.

Seltene Arten sind auf die sandigen Biotope angewiesen

Ziel sei es, Lebensraum für seltene Arten zu schaffen und so die biologische Vielfalt zu stärken. „Hier lebt zum Beispiel der seltene Ziegenmelker, eine Vogelart, und Reptilien wie die Zauneidechse“, berichtet Schreiner. Auch die Falterart Heidekraut-Bodeneule sowie der Steppengrashüpfer seien auf diese sandigen Biotope angewiesen. Um diese zu schaffen, sei bereits 1995 mit dem Fällen von Kiefern in den verbuschten Heiderestgebieten begonnen worden, sagt Schreiner. Damals waren die Flächen insgesamt 30 Hektar groß. Zwei Jahre später sei wieder ein Schäfer mit der Beweidung beauftragt worden. Seitdem hätten 100 Hektar für die Vergrößerung des Naturschutzgebietes gewonnen werden können.

Ziel: ein großes Mosaik

Es gibt auch Waldentwicklungsflächen. Auf diesen sollen Laubbäume sich selbst überlassen werden oder durch Waldweide zu Hutewäldern werden. Die abgeholzten Bäume würden jedoch nicht in das Konzept passen, sagt Schreiner, da Lärchen zum einen eine gebietsfremde Art sind und zum anderen durch den dichten Bewuchs keinen Lebensraum für die Heidepflanzen bieten. Die einzelnen Flächen sollen ein großes Mosaik mit Sandtrockenrasen, Zwergstrauch- und Wacholderheiden, offenen Binnendünen, Mooren, nährstoffarmen Stillgewässern sowie Hute- und naturnahen Wäldern ergeben.

Der Natur freien Lauf lassen

Bis die nun gerodete Fläche den Zielvorstellungen entspricht, werden noch etwa zehn Jahre vergehen. Nur wenige hundert Meter weiter ist das Ergebnis der gleichen Maßnahme von vor 15 Jahren zu sehen. Zunächst müssen jedoch die Baumstümpfe entfernt und die etwa zehn Zentimeter hohe Rohhumusschicht mit einer Raupe abgefahren werden, wobei die Dünen erhalten bleiben. An den Rändern der Fläche, an denen noch Bäume zum Schutz stehengelassen wurden, sollen die Reste zu einem Wall aufgetürmt werden. Dann könnten die Planer der Natur freien Lauf lassen, erklärt Schreiner. Die Samen der Heidepflanzen seien noch in der Erde. „Nur alle paar Jahre müssen dann noch Birken entnommen werden“, ergänzt sie. Die Fläche soll schon ab Herbst von Schafen beweidet werden.

Touristischer Anziehungspunkt

Die Stadt versucht, die einzelnen Gebiete in Wachendorf miteinander zu vernetzen, um einen dauerhaften Austausch zu ermöglichen. Dafür soll zunächst im April eine zwei Hektar große Ackerfläche zu Sandtrockenrasen beziehungsweise Zwergstrauchheide entwickelt werden. Die Heide sei nicht nur für den Naturschutz wertvoll, sondern auch ein touristischer Anziehungspunkt, sagt Schreiner.