Frau muss in Haft Wohnmobil für 40.000 Euro in Salzbergen unterschlagen

Eine 46-Jährige hat ein Wohnmobil unterschlagen, das sie in Salzbergen mietete. Das Amtsgericht verurteilte sie zu einem Jahr und drei Monaten Haft. Foto: Manuel GlasfortEine 46-Jährige hat ein Wohnmobil unterschlagen, das sie in Salzbergen mietete. Das Amtsgericht verurteilte sie zu einem Jahr und drei Monaten Haft. Foto: Manuel Glasfort

Lingen Eine 46-Jährige hat ein Wohnmobil unterschlagen, das sie in Salzbergen mietete. Das Amtsgericht Lingen verurteilte sie zu einem Jahr und drei Monaten Haft ohne Bewährung.

Mit einer zutiefst rührenden Geschichte wartete die Frau auf, der das Amtsgericht letztlich aber keinen Glauben schenkte: Ein Jahr und drei Monate Haft ohne Bewährung wegen Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung und in Tatmehrheit mit Unterschlagung lautete das noch nicht rechtskräftige Urteil gegen die aus Bosnien stammende und in Deutschland nicht vorbestrafte Angeklagte, die bereits seit rund fünf Monaten in U-Haft in der JVA Vechta einsitzt.

Wohnmobil hat einen Wert von 40.000 Euro

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die 46-Jährige im September 2016 in Salzbergen unter Vorlage eines gefälschten Ausweises ein Wohnmobil im Wert von rund 40.000 Euro für neun Tage angemietet und für Miete und Kaution rund 2000 Euro bar bezahlt hat. Nach einem freundlichen Winken fuhr sie mit dem Gefährt davon. Die privaten Vermieter warteten zunächst vergeblich auf die in einem schriftlich festgehaltenen Mietvertrag vereinbarte Rückgabe. Schließlich entdeckten sie ihr Wohnmobil für 36.200 Euro zum Verkauf stehend im Internet. Über einen von der Polizei organisierten falschen Ankäufer wurde die Angeklagte zwei Wochen später mitsamt dem Wohnmobil bei Bonn gefasst.

500 Euro für einen Gefallen

„Das war das erste und das letzte Mal“, beteuerte die 46-jährige unter Tränen vor Gericht, ihre Worte wurden von einem vereidigten Dolmetscher übersetzt. Ihr Verteidiger verlas eine Erklärung, der zufolge sie als alleinerziehende Mutter und angelernte Näherin mit zwei kleineren Kindern in ärmlichen Verhältnissen in Bosnien lebe. Eine ältere Tochter wohne in Belgien, diese sei schwer an Krebs erkrankt. Als Mutter habe sie ihr Kind dort besuchen wollen, um sie während der Chemo-Therapie zu unterstützen.

Für 50 Euro habe sie es mit dem Reisebus aus Bosnien aber nur bis nach Köln geschafft. Dort sei sie zunächst bei einer ihr aus der Heimat bekannten Familie untergekommen, in einem Kölner Café habe sie ganz zufällig einen Landsmann kennengelernt, dem sie von dem Schicksal ihrer Tochter und ihrer Geldnot erzählt habe. Der habe ihr daraufhin 500 Euro versprochen, wenn sie ihm einen Gefallen täte. „Weit mehr als ein üblicher Monatsverdienst in Bosnien“, unterstrich der Verteidiger. Der unter verschiedenen Namen agierende Landsmann habe ihr zugesichert, mit dem von den Besitzern im Internet angebotenen Mietwohnmobil  sei alles geklärt. Er habe ihr aber auch nahegelegt, zu dem Treffen falsche Papiere zu verwenden.

Tat professionell durchorganisiert

„Nie wieder werden wir so leichtgläubig sein“, verwiesen die geschädigten Wohnmobilbesitzer darauf, dass die Angeklagte durch einen äußerst charmanten jungen Mann telefonisch angekündigt worden sei. Während der Einweisung in die technischen Raffinessen des imposanten Reisegefährts habe sie sich auffällig gut ausgekannt. Das Wohnmobil befinde sich nunmehr wieder in ihrem Eigentum, das Inventar fehle allerdings nahezu komplett. Bei ihren privaten Recherchen seien sie bei Trier auf einen nahezu identischen Betrugsvorfall mit einem Wohnmobil gestoßen. „Da steckt System dahinter“, zeigten sich nicht nur die Opfer überzeugt, sondern auch das Schöffengericht, das mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte. Der vorsitzende Richter betonte abschließend: „Diese Tat war megaprofessionell durchorganisiert und die Angeklagte war darin kein kleines Licht.“


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