Tag des Artenschutzes Liste der bedrohten Tiere und Pflanzen im Emsland ist lang

Von Johanna Lügermann

Der Steinkauz galt im Emsland lange als vom Aussterben bedroht, heute wird er noch als gefährdet eingestuft. Foto: Anke SchneiderDer Steinkauz galt im Emsland lange als vom Aussterben bedroht, heute wird er noch als gefährdet eingestuft. Foto: Anke Schneider

Lingen. Kiebitze gehören zu den absoluten Verlierern, sagt Jutta Over vom Nabu Emsland/Grafschaft Bentheim. Sie sind im Jahr 2017 im Emsland kaum noch zu sehen und stehen wie fast die Hälfte der 140 Brutvogelarten auf der Liste der gefährdeten Arten. Over hat für unsere Redaktion zum heutigen Tag des Artenschutzes eine Liste bedrohter Tiere und Pflanzen im Emsland erstellt.

Es gibt noch einige Kiebitze in der Region, die Tiere haben eine lange Lebensdauer – doch sie haben keinen Brutererfolg mehr, sagt Jutta Over, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle. „Leider muss man sagen, dass die Zahl der bedrohten Arten zunimmt“, fasst Over das Ergebnis ihrer Liste zusammen.

Von den 140 Brutvogelarten im Emsland seien fast die Hälfte auf der Roten Liste Niedersachsens als gefährdet eingestuft, sieben davon sogar vom Erlöschen bedroht. Hervorzuheben seien die Arten der Agrarlandschaft, wie Rebhuhn, Wachtel und Feldlerche sowie Insektenfresser, die im Winter in den Süden ziehen. Dazu gehören unter anderem die Rauch- und Mehlschwalben. Akut gefährdet und mit vielen Arten auf der Roten Liste vertreten seien außerdem Rastvögel, die auf ungestörte Rastgebiete angewiesen sind.

Unwissenheit und Unachtsamkeit

Bei den Säugetieren würden besonders die Fledermausarten den Naturschützern große Sorgen machen. Im Emsland gebe es 15 Arten, die alle gefährdet seien. „Besonders bedroht sind Arten, die an Gebäuden leben, wie die Zwergfledermaus und Breitflügelfledermaus“, sagt Over. Das liege an vielen Gebäudesanierungen. Zwar dürften ihre Quartiere nur mit Ausnahmegenehmigung beseitigt werden, da die Arten streng geschützt sind, dennoch passiere dies häufig durch Unwissenheit oder Unachtsamkeit. Die in Wäldern lebenden Arten seien durch verstärkte Einschläge in Altholzbeständen bedroht.

Rückläufig sei auch das Vorkommen der Reptilien und Amphibien. Durch Verfüllung von Feuchtgebieten und Straßenbau werde den Tieren die Lebensgrundlage entzogen. Negativ würden sich auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Einflüsse des Tourismus auswirken. Zu den gefährdeten Arten im Emsland zählen zum Beispiel Bergmolch, Ringelnatter und Kreuzotter.

291 gefährdete Pflanzen

Bei den Insekten fehle den Naturschützern ein Überblick, sagt Over. „Zahlreiche Libellenarten dürften dazugehören“, führt sie aus. Außerdem würden viele gefährdete Käfer in Altholzbeständen leben. Gefährdete Muschelarten wie die Malermuschel seien in Ems und Hase zu finden.

Während die Liste der Tiere unvollständig sei, gebe es bei den Pflanzen einen guten Überblick: Der Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen weise gefährdete Pflanzenarten aus, 291 Arten aus dem Emsland stehen darauf. Sechs davon, wie das Sumpfherzblatt und der langblättrige Sonnentau, seien akut vom Aussterben bedroht. Unter den 65 stark gefährdeten Arten seien etliche Pflanzen der Moore und Feuchtgebiete zu finden. Vier Orchideenarten gehören laut Over ebenfalls zu den bedrohten Arten. Zusätzlich zur Zerstörung des Lebensraumes komme in diesem Fall das Problem des „Pflanzenklaus“ hinzu.

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Steinkauzpopulation gewachsen

Doch es gebe auch positive Beispiele: Der Biber galt in Niedersachsen 1993 als ausgestorben, konnte jedoch erfolgreich wieder angesiedelt werden und der Steinkauz, der 2007 noch als akut vom Aussterben bedroht galt, wird seit 2015 „nur“ noch als gefährdet eingestuft. „Dies kann durchaus als Erfolg des ehrenamtlichen Naturschutzes angesehen werden, da man dieser kleinen Eule gezielt durch Niströhren passende Lebensräume geschaffen hat“, ergänzt Over.

Für jede Art müsse nach individuellen Hilfen gesucht werden, sagt die Naturschützerin. So gebe es für Schwalben ein Projekt, das Hausbesitzern Aufklärung und Unterstützung beim Bau von Nisthilfen anbiete. „Mit Toleranz und guten Willen lässt sich schon viel erreichen“, sagt Over und macht zugleich deutlich, dass auch die Zusammenhänge bedacht werden müssen. Die Nahrungskette müsse gesichert sein, um eine Art dauerhaft zu schützen.


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