Polizei stellt Kriminalstatistik vor Einbrüche bereiten der Polizei im Emsland weiterhin Sorgen

Leitender Polizeidirektor Karl-Heinz Brüggemann (rechts) und Kriminaloberrat Heinz Defayay präsentierten die Kriminalstatistik 2016 der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim. Foto: Wilfried RoggendorfLeitender Polizeidirektor Karl-Heinz Brüggemann (rechts) und Kriminaloberrat Heinz Defayay präsentierten die Kriminalstatistik 2016 der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Trotz eines leichten Anstiegs der Straftaten 2016 im Vergleich zum Vorjahr ist die Polizei im Emsland zufrieden. Sechs von zehn Straftaten konnten im Vorjahr aufgeklärt werden.

19.083 Straftaten hat die Polizei 2016 im Emsland registriert, 755 mehr als 2015. Inspektionsweit stieg die Zahl auf 27.819 (2015: 26.637). „Doch über einen Zehn-Jahres-Zeitraum betrachtet ist die Zahl der Straftaten kontinuierlich rückläufig“, erklärte Brüggemann jetzt bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2016.

Zahl der Wohungseinbrüche konstant hoch

Sorgen bereiten dem Leitenden Polizeidirektor und Kriminaloberrat Heinz Defayay die nach wie vor hohe Zahl der Wohnungseinbrüche. Zwar stehen in der Statistik mit 641 Taten weniger als 2015 (722). Doch dies täusche, erklärte Brüggemann. „Wir haben noch rund 100 Fälle in der Bearbeitung, die in der Statistik nicht auftauchen. Ein „guter Täter“ benötige zehn bis 15 Sekunden, um in ein Haus einzudringen. „Braucht ein Täter mehr als fünf Minuten, um in eine Wohnung zu kommen, gibt er in der Regel auf“, sagte Brüggemann. Er appellierte an jeden Wohnungsinhaber, sich in seinem eigenen Bereich umzuschauen und Präventionsmaßnahmen gegen einen Einbruch zu ergreifen. Viele Einbrecher stammten aus Osteuropa, was die Ermittlungen erschwere. Im Schnitt der letzten zehn Jahre wurde laut Statistik im Bereich der PI nur rund jeder vierte Wohnungsdiebstahl aufgeklärt.

Problem Alkohol

„Jung, männlich und besoffen“ – so bezeichnete Brüggemann den typischen Täter bei den 2488 Fällen von Körperverletzung. 38,2 Prozent der Tatverdächtigen hätten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden und 35,7 Prozent seien zwischen 18 und 30 Jahre alt gewesen. 30 Prozent aller Körperverletzungen in Meppen ereigneten sich rund um das „Bermuda-Dreieck“ genannte Meppener Kneipenviertel, die Hälfte davon nachts. „Auch in Lingen gibt es einen polizeilichen Brennpunkt bei Körperverletzungen. 20 Prozent davon ereignen sich, ausnahmslos nachts, bei der Diskothek Joker“, erläuterte Brüggemann. Defayay sagte, dass man sich angesichts dieser Zahlen der Diskussion über eine Sperrstunde stellen müsse.

Alkohol ist auch ein Problem, wenn es um Widerstand gegen Polizeibeamte geht. „Bei 105 Fällen standen dreiviertel der zu 90 Prozent männlichen Täter unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.“ Das „polizeiliche Gegenüber“ könne oder wolle in diesem Zustand die Beamten nicht mehr verstehen.

300 Sexualstraftaten

25 Straftaten gegen das Leben weist die Kriminalstatistik 2016 für den Bereich der PI aus. 23 davon konnten aufgeklärt werden. „Bei zwei nicht geklärten Mordversuchen handelt es sich um Fälle, bei denen von Brücken Gegenstände auf Autos geworfen wurden“, sagte Brüggemann. Zudem verzeichnet die Statistik 300 Sexualstraftaten. Brüggemann verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die PI eine Vereinbarung mit den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim treffen wolle, nach der jeder haupt- oder ehrenamtlich bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen Tätige ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müsse.

Anstieg von häuslicher Gewalt

Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt ist von 786 im Jahr 2015 auf 937 gestiegen. Brüggemann fragte sich, ob es wirklich mehr Fälle gebe, oder ob mehr Fälle aus dem Dunkelfeld ans Licht kommen würden. Gemeinsam mit dem SKM gebe es im Altkreis Lingen ein Projekt der Täterberatung. „Denn viele der fast ausnahmslos weiblichen Opfer wollen ihren Kerl nicht loswerden, sondern, dass er sich ändert“, drückte Brüggemann denn Ansatz des Projektes aus. Die Täter würden sich einer sechsmonatigen Therapie unterziehen, die sich auch strafmildernd auswirken könne. In den nächsten vier bis sechs Wochen sei die Ausweitung des Projektes auf das gesamte Gebiet der PI geplant, erklärte der Leitende Polizeidirektor.

Straftaten von und gegen Flüchtlinge

Seit 2015 würden Straftaten durch beziehungsweise gegen Flüchtlinge gesondert erfasst, erläuterte Brüggemann. Bei 918 Straftaten seien Flüchtlinge als Tatverdächtige ermittelt worden. Dies entspreche einem Anteil von 7,3 Prozent aller Tatverdächtigen. Unter den Taten 2016 seien 399 Diebstähle (insgesamt in der PI 10.636), davon 231 Ladendiebstähle (insgesamt 1365) gewesen. 121 Körperverletzungen, vornehmlich untereinander, habe es gegeben. Bei 129 Betrugsfällen habe es sich 17 mal um Sozialleistungsbetrug, beim Rest überwiegend um Schwarzfahren, gehandelt. 19 Sexualdelikte (insgesamt 300 im Bereich der PI) wurden 2016 Flüchtlingen zur Last gelegt. Dabei handele es sich in vier Fällen um sexuelle Nötigung und ebenso oft um sexuellen Missbrauch von Kindern. Der Rest seien „Grabschattacken“ gewesen, bei denen die Opfer überwiegend ein europäisches Aussehen gehabt hätten. Insgesamt seien 77 Straftaten gegen Flüchtlinge, bei denen der Täter nicht ebenfalls Flüchtling sei, registriert worden, sagte Brüggemann. Darunter seien 21 Diebstähle, 23 Körperverletzungen und zwölf Sachbeschädigungen. „Die Taten waren nicht zwingend politisch motiviert“, betonte Brüggemann.


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