Eröffnung 2018 Museum für Rosemeyer und Beinhorn in Lingen geplant

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Lingen. Der Lingener Bauunternehmer Heinrich Liesen plant, in der Burgstraße ein „Bernd-Rosemeyer-und-Elly-Beinhorn-Museum“ zu eröffnen.

Wie Liesen auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte, soll das Museum in den Räumen des jetzigen Elektrogeschäftes Spiegelberg und den ehemaligen Räumen des Seniorenvereins Gelingen (vormals Bäckerei Hollenkamp) in der Burgstraße 20 entstehen. Der Unternehmer sagte, dass er diese beiden Ladenlokale erworben habe. Das Elektrogeschäft Spiegelberg schließt am 28. Februar.

Mehrteilige Ausstellung

„In ruhiger Atmosphäre soll auf 250 Quadratmetern Grund- und 1000 Quadratmetern senkrechter Stellfläche eine mehrteilige Ausstellung entstehen“, erklärte Liesen, der seit vielen Jahren Fan des 1938 tödlich verunglückten Rennfahrers Bernd Rosemeyer ist. Er wolle sowohl die Geschichte des Hauses Burgstraße 20 dokumentieren, als auch die Lebensgeschichten von Bernd Rosemeyer und dessen Ehefrau, der Fliegerin Elly Beinhorn. „Hinzu kommt eine künstlerische Wechselausstellung, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Berliner Museen gestaltet wird“, erläuterte Liesen weiter.

Erste Rennmaschine Rosemeyers wird gezeigt

Viele Exponate würden dem neuen Museum von Bernd Rosemeyer junior als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt, sagte Liesen. Mit ihm wolle er bei der Konzeption des Museums eng zusammenarbeiten. Unter den Ausstellungsstücken sei auch die erste Rennmaschine von Bernd Rosemeyer, betonte Liesen. Auf einem Monitor würden Filmausschnitte von Rennen in aller Welt gezeigt, die Rosemeyer gefahren sei.

Diskussion wegen SS-Mitgliedschaft

Liesen beklagte, dass Lingen bislang Rosemeyer, der in anderen deutschen Städten und im Ausland mehr als in seiner Geburtsstadt gewürdigt werde, nicht gerecht werde. Dass es Diskussion um seine Pläne wegen der SS-Mitgliedschaft Rosemeyers geben wird, ist dem Unternehmer bewusst. „Man sollte sich einer gewissen Konfrontation stellen“, sagte Liesen. Man solle nicht anfangen, die Geschichte zu verschönern. „Ich finde, die SS-Mitgliedschaft Rosemeyers und die Hakenkreuze auf seinen Rennautos gehören dazu“, erklärte Liesen. Er betonte, nicht in irgendeine Richtung politisieren zu wollen. „Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass Bernd Rosemeyer unpolitisch war, würde ich mich nicht so engagieren“, stellte der Unternehmer klar.

Liesen: Chance für die Burgstraße

Eröffnen möchte Liesen das Museum 2018. „Ein Wunschtermin von Bernd Rosemeyer junior ist der 28. Januar, der 80. Todestag seines Vaters“, sagte Liesen. Doch er ist aus baulichen Gründen nicht sicher, ob sich dieser Termin realisieren lässt. Die Öffnungszeiten sollen die gleichen wie die des nur wenige Häuser weiter gelegenen Lingener Emslandmuseums sein. In dem neuen Museum sieht Liesen auch eine Chance für die Burgstraße. „Wir haben dann dort zwei Museen, zwei Schmuckgeschäfte und ein Hotel. Da kann man doch was draus machen“, glaubt Liesen. Er möchte auch mit der Stadt über eine mögliche Zusammenarbeit sprechen. So könnte das „Bernd-Rosemeyer-und-Elly-Beinhorn-Museum“ beispielsweise in Stadtführungen eingebunden werden.

Stadt nimmt Pläne „zur Kenntnis“

Die Stadt Lingen nehme das Vorhaben des Unternehmers Heinrich Liesen, in Lingen eine Dauerausstellung zu Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer einzurichten, zur Kenntnis, heißt es auf Anfrage in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung. „Unabdingbar gilt die Prämisse, dass die Ausstellung alle Facetten der beiden Persönlichkeiten darstellt.“ Insofern dürfe nicht allein der Sportler Bernd Rosemeyer im Vordergrund stehen, sondern die Ausstellung muss auch sein politisches Umfeld beleuchten, so die Verwaltung.


Bernd Rosemeyer und Elly Beinhorn

Bernd Rosemeyer, geboren am 14. Oktober 1909 in Lingen, war ein erfolgreicher Motorrad- und Autorennfahrer. 1933 trat er in die SS ein und wurde nach mehreren Rennerfolgen zum SS-Hauptsturmführer, dies entspricht dem Rang eines Hauptmanns, befördert. Als Werksfahrer der Auto Union errang er 1936 den Europameistertitel. Zugleich stellte Rosemeyer mehrere Geschwindigkeitsweltrekorde auf. Als erster Rennfahrer der Welt durchbrach er 1937 die Grenze von 400 Kilometern pro Stunde. Bei einem weiteren Rekordversuch am 28. Januar 1938 auf der Reichsautobahn Frankfurt-Darmstadt, der heutigen A5, wurde Rosemeyers Wagen nahe der Ausfahrt Langen-Mörfelden bei einer Geschwindigkeit von fast 430 Kilometern pro Stunde von einer Windböe erfasst und überschlug sich mehrfach. Der Rennfahrer starb bei diesem Unfall.

Im Juli 1936 hatte Rosemeyer Elly Beinhorn geheiratet. Die Eheleute galten damals in Deutschland als das „Glamour-Paar“ der zu Ende gehenden 1930er-Jahre. Aber auch die herrschenden Nationalsozialisten spannten Rosemeyer und Beinhorn vor den Karren ihrer Propaganda.

Die 1907 geborene Beinhorn war eine deutsche Flugpionierin. 1932 umrundete sie im Alleinflug die Welt. Einen Rekordflug über zwei Kontinente innerhalb von 24 Stunden absolvierte die Fliegerin 1935. Am 12. November 1937 wurde Bernd Rosemeyer Junior geboren. Elly Beinhorn verstarb am 28. November 2007 im Alter von 100 Jahren in Ottobrunn bei München.

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