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02.02.2017, 19:00 Uhr HOLOCAUST-ÜBERLEBENDE IN BRAMSCHE

Jeder Einzelne ist gefordert

Kommentar von Thomas Pertz

Groß war das Interesse in Bramsche am Vortrag der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Foto: Elisabeth TonderaGroß war das Interesse in Bramsche am Vortrag der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. Holocaust-Überlebende wie Erna de Vries haben aus persönlich erlittenem unerträglichen Leid eine Stärke gezogen, die bewundernswert ist und höchste Anerkennung verdient. Ein Kommentar.

Holocaust-Überlebende wie Erna de Vries haben aus persönlich erlittenem unerträglichen Leid eine Stärke gezogen, die bewundernswert ist und höchste Anerkennung verdient. Ihre Worte sind außerdem eine Verpflichtung für jeden Zuhörer, auch über 70 Jahre nach dem Ende des Naziterrors stets wachsam zu bleiben und Rückgrat zu zeigen, wenn wieder Menschen in der Gesellschaft ins Abseits gestellt werden. Ausgrenzung ist nichts Abstraktes, sie kann schon im persönlichen Umfeld beginnen, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz. 

Der staatlich organisierte Massenmord an Millionen Juden im Dritten Reich war auch deshalb möglich, weil der Staat damals nicht mehr von Parteien getragen worden ist, die für gemeinsame Werte und Rechtsstaatlichkeit standen. Vor dem Hintergrund der verabscheuungswürdigen Äußerungen des Thüringer AfD-Fraktionschefs Björn Höcke zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und zum Berliner Holocaust-Mahnmal ist deshalb jeder Einzelne gefordert, gegen rechtsextreme Tendenzen anzugehen, auf allen Ebenen. Zum Beispiel durch eigenes politisches Engagement, mindestens aber durch die Beteiligung an Wahlen.

Äußerungen, wie sie nicht nur von Höcke in der AfD verbreitet werden, sind wie schleichendes Gift, das sich in den Köpfen festsetzen kann. Dagegen ist derjenige am besten gewappnet, der sich gut informiert, auch und gerade über historische Zusammenhänge und menschliche Schicksale wie das von Erna de Vries.


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