Glücklichmachendes Klangerlebnis Junge Virtuosen in der Lingener Kunsthalle

Im Rahmen der Reihe „Junge Virtuosen“ gastierte das Duo Aliada in der Lingener Kunsthalle. Foto: Sebastian von MelleIm Rahmen der Reihe „Junge Virtuosen“ gastierte das Duo Aliada in der Lingener Kunsthalle. Foto: Sebastian von Melle

mel. Lingen. Es gibt Klänge, die glücklich machen. Was die jungen Virtuosen Michał Knot (Saxofon) und Bogdan Laketic (Akkordeon) mit eigenen Arrangements auf ihrer Debüt-CD „New Colours of the Past“ in die Lingener Kunsthalle zauberten, war viel mehr.

Das könnte vielleicht sogar 130 gebannt Lauschende süchtig machen. Lauter Verbündete fanden sich unter den Bildern des Lingener Kunstpreisträgers 2016 Éder Oliveira zu einem Konzert der Extraklasse. Die beiden Musiker, Knot aus Polen, Laketic aus Serbien, haben sich in Wien den Namen „Aliada“ gegeben: „Verwandte, Alliierte“. Ihre Instrumente stammen aus der einen Familie der Holzbläser und entfalten ihren ähnlichen Klang mit Wind, der das Rohrblatt in Schwingung bringt. Verbündet haben sie sich auch gegen den folkloristisch vorbelasteten Ruf, Saxofon und Akkordeon seien nichts für die E-Musik.

Verwandter Klang, ebenbürtige Dynamik

Soll man die beiden virtuosen Jungs bedauern, dass die Barock-Meister nichts für sie komponieren konnten, weil ihre Instrumente erst im vorletzten Jahrhundert erfunden wurden, oder sind die Großen der klassischen Musikgeschichte im Nachteil, nie so etwas Wunderbares gehört zu haben? Verwandter Klang, ebenbürtige Dynamik und eine nicht zu bändigende Spielfreude, Knot und Laketic ließen den Wind herein in ihre Klanggeräte und vor allem in die Ohren und Herzen des disziplinierten Publikums.

Stücke aus alter und neuer Zeit

Eigene Arrangements gab es für Stücke aus alter und neuer Zeit. Das Akkordeon übernahm mal das Continuo, mal den Orchesterpart, mal die Kunstfertigkeit einer ausgereiften Klavier- oder Gitarrenbegleitung. Durchaus eigene Hauptstimmen waren dem Mann mit den tausend Knöpfen vergönnt. Sein Gegenüber schlüpfte mit großem Atem und perfekter Blastechnik in die Rolle der Solisten, mal Flöte, mal Klavier, mal Klarinette, mal sogar eine Frauenstimme. Wie gut, dass dieses Polnisch alle im Saal verstanden!

Neu, prachtvoll, anmutig

Ernsthaft und sorgfältig, aber gleichzeitig frisch und leicht präsentierten die seit 2013 als Duo konzertierenden Virtuosen ihre Adaptionen von Händel, Vivaldi, Grieg über Penderecki, Falla und Bartók bis zu Piazzolla. Griegs Holberg-Suite im alten Stil klang neu, prachtvoll, anmutig und sehr norwegisch.

Stücke des zwanzigsten Jahrhunderts

Auch im zweiten Teil des Abends mit Stücken des zwanzigsten Jahrhunderts traf das Duo Aliada den Nerv sowohl der Atonalität eines Krzysztof Penderecki als auch der tänzerischen Bewegung. Die sieben spanischen Volkslieder von Manuel de Falla wurden so unterschiedlich charakterisiert, wie es sonst nur mit Kastagnetten, Schellenkranz oder Handtrommel und eben der menschlichen Stimme möglich ist. Das bekannteste Werk, Béla Bartóks „Rumänische Volkstänze“, gewann an Intensität nicht nur durch die neue Instrumentierung, sondern auch durch eine absolut präzise und auswendig interpretierte Artikulation.

Ob der Night-Club-Tango von Astor Piazzolla im Halbdunkel oder die serbische Zugabe mit einem wilden, burlesken Ritt und abrupten Ende, von diesen beiden noblen Wilden werden wir hoffentlich noch viel hören.


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