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Investor Klaas kritisiert Stadt Verkauf des Sparkassengebäudes am Markt in Lingen geplatzt

Der geplante Verkauf des Gebäudes der Sparkasse auf dem Lingener Marktplatz ist geplatzt. Investor Hermann Klaas verzichtet. Foto: Wilfried RoggendorfDer geplante Verkauf des Gebäudes der Sparkasse auf dem Lingener Marktplatz ist geplatzt. Investor Hermann Klaas verzichtet. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Der geplante Verkauf des Gebäudes der Sparkasse auf dem Lingener Marktplatz ist geplatzt. Das hat die Sparkasse Emsland am Donnerstag unserer Redaktion mitgeteilt. Investor Hermann Klaas hat die Sparkasse darüber informiert, dass er von einem Erwerb Abstand nimmt.

Durch die Entscheidung von Klaas, dem unter anderem die Einkaufszentren Lookentor in Lingen und die Emsgalerie in Rheine gehören, lassen sich Planungen der Stadt Lingen, am Markt Süd Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie unterzubringen, bis auf Weiteres nicht realisieren.

Geplant war Einzelhandel, Dienstleistung, Gastronomie

In der Immobilie Am Markt 4-6 findet derzeit das Kundengeschäft der Sparkasse statt. Das alte Sparkassengebäude Am Markt 2 zwischen Bauerntanzstraße und Lookenstraße nutzt die Bank in der oberen Etage als Büroräume, während sich im Erdgeschoss Geschäfte befinden. Den Planungen zufolge sollten im Gebäude Am Markt 4-6 künftig im Erdgeschoss Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie unterbracht werden, während für die Obergeschosse eine Dienstleistungs- und Wohnnutzung vorgesehen war. Die Sparkasse sollte zuvor in das bis dahin komplett sanierte alte Gebäude und dann neue Kundenservice-Center Am Markt 2 umgezogen sein.

Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet

Doch nun habe der Investor die Sparkasse darüber informiert, dass er die Gespräche beende und von einem Erwerb Abstand nehme, heißt es in der Mitteilung der Bank. Grundlage dieser Entscheidung sei, dass sich die innerstädtischen Rahmenbedingungen verändert hätten. So sei geplant, dass an einem anderen Standort in der Stadt Lingen zusätzliche Einzelhandelsflächen in einer nicht unbedeutenden Größenordnung entstehen sollen. Dadurch sehe der Investor, so die Sparkasse, die Tragfähigkeit seines Vorhabens als nicht mehr gewährleistet an. „Die Sparkasse Emsland bedauert diese Entwicklung außerordentlich. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass sie an einer zukunftsorientierten Weiterentwicklung unter Einbeziehung einer modernen Sparkassen-Filiale in Lingen am Markt interessiert ist“, heißt es in der Erklärung abschließend.

Kritik an Stadtverwaltung

Auf Anfrage unserer Redaktion kritisierte Investor Hermann Klaas die Lingener Stadtverwaltung. Dem Einzelhandel in Lingen schade diese mit ihrer Entscheidung, außerhalb der Innenstadt eine Ausdehnung von Einzelhandelsflächen zu ermöglichen. Konkret nannte Klaas das Einrichtungshaus BvL an der Lindenstraße. Das Lingener Familienunternehmen van Lengerich möchte den Fortbestand des Unternehmens sichern und plant schon seit Längerem direkt am Einrichtungshaus die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes .

„Ausfleddern des Einzelhandels“

Den Worten von Klaas zufolge sind die Planungen an der Lindenstraße nun weit gediehen. Er sprach von 700 bis 800 Parkplätzen. Dabei gehe es am Ende nicht nur um einen Lebensmittelmarkt, sondern eben auch um innenstadtrelevante Sortimente. „Damit erweist die Verwaltung der Innenstadt einen Bärendienst; das Ganze hat mich sehr stark verunsichert“, begründete er seinen Kaufverzicht für das Sparkassengebäude am Markt. Es werde zu einem „Ausfleddern des Einzelhandels“ kommen. Seine Befürchtung sei, dass die sehr erfolgreiche Politik für die Innenstadt der letzten Jahre unter Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring und Oberbürgermeister Heiner Pott nun Schaden nehme. Gleichwohl wollte er seine Entscheidung auch als eine Chance für andere Investoren sehen: „Ich bin ja nicht allein auf der Welt“.

Stadt weist Kritik zurück

Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen äußerte sich am Donnerstagabend „sehr verwundert“ über die Kritik von Klaas. Die Pläne von BvL zur Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes seien seit über drei Jahren bekannt. In diesem Zusammenhang gebe es auch eine klare Vereinbarung, dass der Anteil innenstadtrelevanter Waren an diesem Standort nicht erhöht werden solle. Alles Weitere werde in einem Bebauungsplanverfahren zu entscheiden sein. „Wir bedauern den Rückzug des Investors sehr“, sagte Altmeppen und verwies auf gute Gespräche mit ihm in der Vergangenheit. „Wir waren auf einem sehr guten Weg und werden nun gemeinsam mit der Sparkasse überlegen, wie es weitergehen kann“, betonte der Erste Stadtrat.

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