Größere Projekte Handwerk: Gute Auftragslage im südlichen und mittleren Emsland

Von Thomas Pertz

Gesprächspartner der Redaktion im Haus des Handwerks (von links): Andreas Nünemann, Horst Hagemann und Georg Kall. Foto: Thomas PertzGesprächspartner der Redaktion im Haus des Handwerks (von links): Andreas Nünemann, Horst Hagemann und Georg Kall. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Gut gefüllte Auftragsbücher, aber auch Sorgen, wie es langfristig um die Fachkräfte im Unternehmen steht, kennzeichnen die aktuelle Lage der Betriebe im südlichen und mittleren Emsland.

Darauf wiesen der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Emsland Mitte-Süd, Horst Hagemann, der Vorsitzende Kreishandwerksmeister Andreas Nünemann (Haren) und Kreishandwerksmeister Georg Kall (Thuine) hin.

Die Kreishandwerkerschaft hatte Ende 2016 rund 800 von 950 Mitgliedsbetrieben angeschrieben. Die Rücklaufquote betrug nach Angaben von Hagemann durchschnittlich 13 Prozent, im Bauhaupt- und Baunebengewerbe 16 bis 20 Prozent. Das Zahlenmaterial sei somit aussagekräftig, sagte der Hauptgeschäftsführer.

Den inzwischen ausgewerteten Daten zufolge schätzen rund 75 Prozent der Betriebe ihre wirtschaftliche Lage als „gut“ (60 Prozent) bis „sehr gut“ (14,7) ein, sieben Prozent mehr als im Vorjahr, als die allgemeine Konjunkturlage bereits ebenfalls als insgesamt positiv eingeschätzt worden war.

Größere Projekte

Bei 26 Prozent der Betriebe reicht der Bestand an Aufträgen für mehr als acht Wochen. Bauunternehmer Nünemann erläuterte in diesem Zusammenhang, dass die Projekte der Unternehmen größer geworden seien. Es sei natürlich noch das klassische Einfamilienhaus dabei, aber eben auch größere Objekte wie Mietwohnungen. Unterschiede, was die Auftragsbücher anbelangt, gibt es aber bei einem Blick auf einzelne Branchen. So erwarten 28,5 Prozent der Dachdeckerbetriebe, dass sich ihre Auftragslage in den nächsten drei Monaten verschlechtern werde. Als einen möglichen Grund verwies Kall, Bauunternehmer wie sein Harener Kollege Nünemann, darauf, dass Zimmerleute auch Dachdeckerarbeiten übernehmen dürfen.

Hohe Ausbildungsbereitschaft

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe im südlichen und mittleren Emsland sei insgesamt hoch, sagte Hagemann. Das Problem bei fast einem Drittel der Betriebe ist ein anderes: Sie finden keine geeigneten Lehrlinge. Der Fachkräftemangel wird immer deutlicher spürbar. 83 Prozent beantworteten diese Frage mit Ja, 75 Prozent waren es letztes Jahr.

Hagemann wies darauf hin, dass im Altkreis Lingen 2016 insgesamt 472 Ausbildungsverträge unterzeichnet worden seien. 541 waren es 2015, 515 ein Jahr davor und 585 im Jahr 2013. „Unser Ziel ist es, weiter für die duale Ausbildung (Betrieb und Berufsschule) zu werben.“ Hauptschüler hätten zum Beispiel mit dem Bestehen der Gesellenprüfung den Realschulabschluss in der Tasche und wenn die Noten stimmten, bei einer bestimmten Fächerkombination, auch den erweiterten Realschulabschluss. Darüber werde in Schulen aber nicht so informiert, weil diese ihre Schüler lieber behalten wollten, mutmaßte Kall. Erfreulich sei, so Hagemann, die sehr gute Nachfrage in den Meisterkursen. Häufig würde diese Zusatzausbildung von den Betrieben selbst gezahlt.

Allenfalls langfristig könnten, was die Besetzung freier Ausbildungsstellen angelangt, aus anderen Staaten der Welt geflohene Menschen zur Behebung des Nachwuchsmangels in den Betrieben beitragen. Über die Hälfte der Betriebe bejahte die Frage, ob sie bereit seien, Geflüchtete auszubilden, einzustellen oder einen Praktikumsplatz zur Verfügung zu stellen. Entscheidend seien neben anderen Faktoren ihre sprachlichen Kenntnisse.

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