Olaf Nießing nimmt Abschied Neujahrskonzert bringt Operettenglanz nach Lingen

Von Peter Löning


Lingen. Bestens aufgelegt, in Hochform und mit spürbar großer Spiellust hat das Lingener Kammerorchester am Sonntag seinen Gästen im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe ein überaus genüssliches Neujahrskonzert beschert. Mit ihrem Programm „Unter südlicher Sonne“ zeigten die Lingener Musiker eine beachtliche Leistung.

In zarten Klängen starteten die Musiker mit einem schmeichelnden Gruß aus dem winterlichen Wien, mit Johann Strauß‘ „An der schönen blauen Donau“. Hinterher und nicht weniger genussvoll kam der „Tanz der Stunden“ aus „La Gioconda“ von Amilcare Ponchielli.

Moderation von Olaf Nießing

In seinen Moderationen wies der Dirigent Olaf Nießing recht angenehm auf so einige ungeahnte wie amüsante Hintergründe der vorgetragenen Werke hin, so zum Beispiel, dass Dmitri Schostakowitschs „Tahiti Trott“, eine Bearbeitung des Musical-Hits „Tea for Two“, als Ergebnis einer gewonnenen Wette innerhalb von 45 Minuten entstanden sei.

Solisten Meike Leluschko und Kevin Dickmann

Als Gesangssolisten waren sehr bereichernd Meike Leluschko und Kevin Dickmann mit auf der Bühne, mit denen es auf eine reizvolle Reise durch die weite Welt des Musiktheaters gehen sollte. Beginnend mit Georges Bizets feuriger Oper „Carmen“ – die Habenera ein Traum! – ging es über Franz Lehars Operette „Giuditta“ zu Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“. Sehr bald zeigten sich die beiden Sänger als im Duo unschlagbar. Lehars „Rio de Janeiro“ brachte bei aller Exotik und Dramatik letztlich betörend schönen Operettenglanz nach Lingen, Bernsteins herrliches „Tonight“ war ergreifend mit spürbar gesteigertem Puls.

Imposante Kostüme bei der Bacchanale

Imposant bildreich wurde es in der „Bacchanale“ aus „Samson und Delilah“ von Camille Saint-Saëns. Hier umrahmten vier Damen, gehüllt in golden beflügelte Kostüme, den Solotanz von Caroline Lemm (Laetizia), was dem archaisch anmutenden Werk sehr entgegen kam.

Olaf Nießing mit Professur in Chile

Ein sehr beglückendes und bereicherndes Konzert, das – so erfuhren die Zuhörer am Ende – den Abschluss einer nun elfjährigen Zusammenarbeit markieren sollte. Wie Rudolf Kruse, der Leiter des Fachdienstes Kultur der Stadt dem Publikum mitteilte, wird Olaf Nießing eine Professur in Chile antreten und damit nicht nur das Orchester verlassen, sondern mitsamt seiner Familie aus dem Emsland weggehen. Ein großer Verlust in vielerlei Hinsicht, wie er mit einiger Rührung betonte. Kurzen Dankesworten von Sabine Eilers als Orchestervorstand („Du hast immer an uns geglaubt…“) folgte ein sehr bewegender Abschied mit stehenden Ovationen aus dem Saal.

„Radetzky-Marsch“ als Zugabe

Natürlich konnte man das so nicht stehen lassen und so gab es noch ein paar Zugaben mit innigen Gesangsduetten aus der „Fledermaus“ und der „Lustigen Witwe“. Den Abschluss aber – wie kann es anders sein – machte der eine, der einzig wahre „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss (Vater).