Noch kein konkreter Standort Muslime in Lingen suchen einen weiteren Gebetsraum

Von Thomas Pertz

Der Gebetsraum im Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück. Foto: dpaDer Gebetsraum im Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück. Foto: dpa

Lingen. Einen konkreten Standort für einen weiteren Gebetsraum für Muslime in Lingen gibt es derzeit nach Informationen unserer Redaktion nicht. Die politischen Gremien und die Verwaltung beschäftigen sich aber intensiv mit dem Thema.

Wer die Tür in der Große Straße 17 in Lingen öffnet, steht unmittelbar im Gebetsraum von Jibril Ali. Der Imam der Masjid-Arrahma-Moschee, der die deutsche und jordanische Staatsbürgerschaft hat, betreibt dort außerdem ein Geschäft, in dem man orientalische Dinge wie Öle, Gewänder und Kopftücher kaufen kann, auch religiöse Bücher zum Thema Islam. Inzwischen sind die Schaufenster verhängt.

Der Grund liegt womöglich in der deutlich vergrößerten Fläche des Gebetsraums, der anders als vor Jahren nun fast die gesamte ehemalige Ladenfläche einnimmt. Rund 100 Muslime treffen sich dort nach Angaben von Polizeioberkommissar Andreas Hüsken zum Freitagsgebet. Er arbeitet innerhalb der Polizeiinspektion Emsland-Grafschaft Bentheim bei der Abteilung Staatsschutz.

Suche nach alternativem Gebetsraum

Nach eigenen Angaben gehört Ali zu den Muslimen, die sich streng an der Lehre des Propheten orientieren. Vorwürfe, er würde den Islam radikal vertreten, hat er in der Vergangenheit zurückgewiesen . Gleichwohl gibt es in der Stadt Lingen seit der Eröffnung des Geschäftes von Ali verstärkte Bemühungen, als Alternative zu der Moschee in der Großen Straße anderswo Räumlichkeiten zu finden, wo Muslime ihre Religion ausüben können. Einen konkreten Standort für einen weiteren Gebetsraum gibt es derzeit in der Stadt nach Informationen unserer Redaktion nicht. Die politischen Gremien und die Verwaltung beschäftigen sich aber intensiv mit dem Thema. Auch Bürger wie Tanja Christiansen-Hamdi, die sich seit vielen Jahren als Integrationslotsin für Migranten in der Stadt einsetzt. Die Lingenerin ist seit 2012 mit dem Tunesier Issam Hamdi verheiratet, der sich in seiner neuen Heimat wohlfühlt und bei einem Lingener Industrieunternehmen arbeitet.

Schon in der zweiten und dritten Generation in Lingen

Nach ihren Angaben hat sich vor etwa einem Jahr eine Gruppe von Muslimen in Lingen gebildet, die den Wunsch nach einem solchen Raum äußert. Und für viele Flüchtlinge, die hier Halt suchen, wäre dieser auch eine „Alternative zur Großen Straße“, sagte Christiansen-Hamdi. Sie kennt zahlreiche Menschen muslimischen Glaubens, die teilweise schon in der zweiten und dritten Generation hier leben und arbeiten, „die Lingener Bürger sind“, wie sie in einem Gespräch mit unserer Redaktion erklärte. Für diese Muslime sei es einfach wichtig, dass sie einen Raum bekommen, um ihren Glauben zu leben. Sie selbst sei als Christin ein religiöser Mensch. Deshalb könne sie es auch nachvollziehen, dass Menschen anderen Glaubens ebenfalls nach Möglichkeiten suchten, um ihre Religion auszuüben. Warum dies in Lingen in all den Jahren auch vor der Flüchtlingsbewegung nicht schon realisiert worden sei, könne sie nicht verstehen.

Aufgeregtheit in sozialen Netzwerken

Der Wunsch nach einem weiteren Gebetsraum für Muslime in Lingen ist aber nicht ihr einziger. Die Aufgeregtheit in den sozialen Netzwerken über Flüchtlinge und Muslime stört sie sehr. Es werde mehr über diese gesprochen als mit ihnen. Sie habe unter all den Migranten, die sie in den vergangenen Jahren in Lingen kennengelernt habe, nicht einen einzigen getroffen, der radikal wäre. Natürlich seien es Menschen, keine Engel, und „Schlitzohren“ gebe es auch unter ihnen. „Aber wir können nicht höhere moralische Anforderungen an sie stellen als an uns selbst“. Je mehr wir Ängste geschürt würden, desto mehr Ausgrenzung finde statt und extreme Gruppierungen hätten Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Der Islam für sich sei nicht böse, nur solche Menschen, die ihn für ihre Zwecke auslegen würden.

Gegen „Panikmacherei“

Ängste vor einem zweiten Gebetsraum für Muslime in Lingen, wenn es sie gibt, sollten Bürgern deshalb genommen werden, sagte Christiansen-Hamdi. Überhaupt sprach sie sich gegen die „Panikmacherei“ aus, wie sie insbesondere in sozialen Netzwerken geschürt werde. „Wir haben in Lingen keine Grapscher, keinen Terror, wir sind hier sicher“. Die Polizei mache ihre Arbeit, die Verwaltung informiere sehr gut und jeder habe die Möglichkeit, sich über die Themen in der Stadt zu informieren. Alles sei sehr transparent.

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