Ensemble sorgt für humorvolle Unterhaltung Toller Liebhaber im Lingener Theater

Brillierten in „Der letzte feurige Liebhaber“ mit spritzigen Dialogen: Marie-Anna Suttner und Martin Lindow. Foto: Meike BlunkBrillierten in „Der letzte feurige Liebhaber“ mit spritzigen Dialogen: Marie-Anna Suttner und Martin Lindow. Foto: Meike Blunk

Lingen. Ein spielfreudiges Dreier-Ensemble vom Theater im Rathaus Essen sorgte mit der zeitlosen Komödie „Der letzte der feurigen Liebhaber“ von Neil Simon für eine spritzige und humorvolle Unterhaltung im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe.

Mit den drei zugkräftigen Schauspielern Martin Lindow (Grimme- Preisträger), Sabine Kaak und Marie- Anna Suttner hatte Regisseur Ulrich Stark die Komödie bestens besetzt. Für Lindow schien die Rolle des 47-jährigen Fischrestaurantbesitzers Barney Cashman, der seit 23 Jahren glücklich verheiratet ist, nun aber die Meinung vertritt, sich einmal als feuriger Liebhaber in einem Seitensprung ausprobieren zu müssen, eine Paraderolle zu sein. Lindow verlieh Barney, der nun gern einmal über die Strenge schlagen möchte, dabei aber gehörig ins Straucheln kommt, so eine Vielschichtigkeit mit punktgenauen Pointen und einer facettenreichen Mimik, dass er damit das Publikum begeisterte.

Feuriger Liebhaber

Sabine Kaak durfte ihre mimischen Fähigkeiten in einer Doppelrolle exzellent zum Ausdruck bringen. So gab sie der draufgängerischen und spitzzüngigen Elaine markante Züge, mit der Elaine eine innere Leere und ein Alkoholproblem zu überspielen versuchte. Darüber hinaus schenkte sie der Rolle der Jeanette Fischer eine gelungene und überaus glaubwürdige depressive Melancholie.

Mimische Fähigkeiten

Für ein temperamentvolles Feuerwerk sorgte Marie- Anna Suttner in der Rolle der chaotischen wie süß-naiven Schauspielerin Bobbi, die unter Verfolgungswahn leidet und bei Barney ein wenig Schutz und Geborgenheit zu suchen scheint. Sie sprüht vor Fantasie und es wird schnell deutlich, dass sie unbrauchbar für Barneys Experiment ist, gibt dem Geschehen aber eine vielschichtige Würze.

Temperamentvolles Feuerwerk

Regisseur Stark konzentrierte sich nicht nur auf die spritzigen und auch intelligenten Dialoge, die teilweise duellartig daher kamen, sondern auf das hinter den Worten stehende Innenleben seiner Protagonisten. Die versteckten Gefühlswelten wie auch die Frage nach dem Sinn des Lebens oder tiefe Einsamkeitsempfindungen, die im Alltag der Protagonisten bislang keine Beachtung bekommen sollten, ließ Stark immer wieder aufflackern. Und das machte auch den Reiz des Stückes und dieser Inszenierung aus. Stark ging den Fragen nach „was treibt uns Menschen in bestimmten Lebensphasen an und welche vermeintlichen Schwächen oder Ticks kommen dabei zutage?

Intelligente Dialoge

Barney glaubt plötzlich, nun endlich den Verführer spielen zu müssen, weiß aber nicht wie das geht und verheddert sich in seinen eigenen Zweifeln und seiner Tollpatschigkeit. Dabei verliert er sich des Öfteren in sogenannten Übersprunghandlungen. So ruft er stets, bei jedem neuen Versuch, ein sexuelles Abenteuer erleben zu wollen, nach dieser oder er ruckt viel zu oft seine Brille zurecht oder bestäubt seine Finger mit Parfüm. All das gibt dem Stück eine wohldosierte Würze. Das Bühnenbild ist sehr farbintensiv und unterstreicht in der verspielten wie klar strukturierten Ausstattung die Wider- sprüchlichkeit Banreys, dessen Odyssee im Happy-End endet.


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