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Bewährungsstrafe für Emsländer Zwei Frauen vor Augen eines Kindes vergewaltigt

Von Anne Bremenkamp

Das Amtsgericht in Lingen verurteilte einen 45-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Symbolfoto: Manuel GlasfortDas Amtsgericht in Lingen verurteilte einen 45-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Symbolfoto: Manuel Glasfort 

Lingen. Weil er zwei junge Frauen im Beisein eines Kleinkindes sexuell missbraucht hat, ist ein 45-jähriger Mann aus dem südlichen Emsland vom Schöffengericht des Amtsgerichts Lingen wegen zweifacher Vergewaltigung, davon einmal in Tateinheit mit Körperverletzung, sowie wegen Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Der nicht vorbestrafte Angeklagte wurde für ein Jahr befristet der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt, ihm wurde auferlegt, an seine beiden Opfer Schmerzensgeld in Höhe von 4000 beziehungsweise 2000 Euro zu zahlen. Bereits erfolgte Zahlungen werden angerechnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In dieser Strafsache fand bereits im April 2016 eine Hauptverhandlung statt. Da damals ein Schöffe nach einer Verhandlungsunterbrechung schwer erkrankte, musste das Verfahren jetzt neu eröffnet werden.

Herausgabe von 8000 Euro verlangt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der 45-Jährige an einem Septemberabend 2015 gegen 21.30 Uhr in erheblich alkoholisiertem Zustand Einlass in die Wohnung einer 28-jährigen Frau und ihres zweijährigen Kindes verschafft hat, in der sich auch eine 18-jährige Bekannte aufgehalten hat. Zunächst hat der Angeklagte unter Anwendung von Gewalt die Herausgabe von 8000 Euro verlangt, die sich die junge Mutter zuvor bei einem Bekannten des 45-Jährigen geliehen hatte. Als die Frau ihm mitgeteilt hatte, dass sie über kein Bargeld verfüge, hat der Mann sie mit einer Vielzahl von Faustschlägen ins Gesicht traktiert. Die 28-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch, einen doppelten Jochbeinbruch sowie massive Hämatome. Auch der 18-jährigen und dem Kleinkind hat der 45-Jährige Schläge in Aussicht gestellt, zudem drohte er der 28-jährigen, sie an der Deckenlampe aufzuhängen. Er erzählte seinen Opfern, dass er in ähnlichen Situationen bereits drei Menschen umgebracht habe.

Panische Angst

Schließlich ist der Angeklagte umgeschwenkt und hat die Frauen dazu aufgefordert, sich zu entkleiden. Aus panischer Angst heraus sind die Geschädigten der Aufforderung gefolgt. Der 45-Jährige hat daraufhin beide Frauen am ganzen Körper berührt und ist mit den Fingern in sie eingedrungen. Bevor der Angeklagte schließlich die Wohnung verließ, hat er den Frauen gedroht, sie umzubringen, sollten sie die Polizei informieren.

Alkoholbedingter Filmriss

Der Angeklagte dementierte die ihm zur Last gelegten Tatvorwürfe nicht, allerdings gab er an, aufgrund eines vorangegangenen ausgedehnten Trinkgelages keinerlei Erinnerung mehr an den angeklagten Vorfall zu haben. Er habe die Frauen vorher nicht gekannt und könne sich die ihm zur Last gelegten Tatvorwürfe kaum vorstellen. Er trinke mittlerweile keinen Alkohol mehr und sei wegen seiner Depressionen medikamentös deutlich besser eingestellt. „Das bin ich nicht, das ist mir fremd“, beteuerte der 45-jährige und entschuldigte sich im Gerichtssaal noch einmal bei seinen Opfern. Im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs hat er der 28-Jährigen, die vor Gericht als Nebenklägerin auftrat, bereits fast 3000 Euro und der 18-Jährigen 500 Euro Schmerzensgeld gezahlt.

Verminderte Schuldfähigkeit

Mehr als 15 Stunden nach der Tat wurde bei dem 45-Jährigen eine Blutalkoholkontrolle durchgeführt, der ermittelte Wert lag bei 0,78 Promille. „Zwischen 2,5 und 2,8 Promille wird der Angeklagte zum Tatzeitpunkt locker gehabt haben“, rechnete ein psychiatrischer Sachverständiger zurück, der in seinem Gutachten zu einer verminderten Schuldfähigkeit des alkoholkranken Mannes kam, einen Vollrausch jedoch ausschloss.