Wenn der Seniorchef geht Generationswechsel im Betrieb: Die „Chemie“ muss stimmen

Maik Schmeltzpfenning, Netzwerkmanager bei MEMA (Metall- und Maschinenbaunetzwerk) im Landkreis Emsland. Foto: Landkreis EmslandMaik Schmeltzpfenning, Netzwerkmanager bei MEMA (Metall- und Maschinenbaunetzwerk) im Landkreis Emsland. Foto: Landkreis Emsland

Lingen. Wenn ein Unternehmen länger als 40 Jahre bestehen möchte, kommt dem Generationswechsel auf dem Chefsessel eine enorme Bedeutung zu. Dies hat Maik Schmeltzpfenning, Netzwerkmanager bei MEMA (Metall- und Maschinenbaunetzwerk) im Landkreis Emsland, in einem Interview mit der Redaktion unterstrichen.

Herr Schmeltzpfenning, mehr als 10.000 große und kleine Unternehmen sollen allein im IHK-Bezirk Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim bis 2020 vor einer Nachfolgeregelung stehen. Welche Bedeutung messen Sie dem Generationswechsel im Unternehmen und dem Wechsel auf dem Chefsessel vom Senior auf Sohn oder Tochter bei?

Dieser Generationswechsel ist einer der umfassendsten Veränderungsprozesse, die in Unternehmen durchgeführt werden. Man könnte sagen, es ist das größte und wichtigste Projekt jedes Unternehmens, das länger als 40 Jahre bestehen möchte. Und wie bei jedem Projekt ist es beim ersten Mal am schwierigsten. Gerade im Metall- und Maschinenbau sind in unserer Region in den vergangenen 50 Jahren viele Betriebe von jungen, ambitionierten Unternehmern aufgebaut worden. Eigenes Engagement und die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Emsland ermöglichten es, oft in nur einer Generation Unternehmen mit mehreren 100 Mitarbeitern aufzubauen.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung beim Generationswechsel im Unternehmen?

Durch die enge Zusammenarbeit im von Landkreis Emsland initiierten Unternehmensnetzwerk für den Bereich Metall- und Maschinenbau wissen wir, dass nahezu alle dieser Betriebe familiengeführt sind und es auch in der Nachfolgegeneration bleiben wollen. Auf einer Informationsveranstaltung zum Thema Nachfolge ist deutlich geworden, dass die anwesenden Junioren und Senioren eine der größten Aufgaben für den erfolgreichen Generationswechsel im Zwischenmenschlichen sehen. Selbstverständlich muss der betriebswirtschaftliche und (Erbschafts-)steuerliche Rahmen ebenfalls stimmen. In diesen Bereichen ist es üblich, mit externen Beratern, die auch an anderen Projekten im Betriebsalltag beteiligt sind, zusammenzuarbeiten. Anders im Zwischenmenschlichen: Eine Gegenüberstellung der Vorstellungen, was alle Beteiligten unter einer perfekten Unternehmensübergabe wirklich verstehen und welche Ängste möglicherweise mitschwingen, wird nur sehr selten extern begleitet.

Wie stellt sich das MEMA-Netzwerk im Landkreis Emsland diesem Thema – gibt es Seminare oder Workshops in dieser Richtung?

Ja, die gibt es. So haben wir im vergangenen Jahr einen Workshop des MEMA-Netzwerkes unter dem Titel „Psychologie der Nachfolge“ angeboten, den wir als Konsequenz auf die Unternehmerwünsche aus der Informationsveranstaltung angeboten haben. Mehrere Netzwerkbetriebe nutzten dieses Angebot zu einem „Familientreffen“ der ganz anderen Art. Unter der Leitung des erfolgreichen Unternehmensentwicklers Christoph Hahn gelang es den Teilnehmern, auch die emotionalen Komponenten einer so einschneidenden Lebensentscheidung, „sein Unternehmen“ abzugeben, bzw. „sein Unternehmen“ anzunehmen, sichtbar zu machen. Ein erster Schritt, der es aber ermöglicht, die nächsten Schritte auch auf emotionaler Ebene gemeinsam zu gehen.

Wie können diese nächsten Schritte aussehen?

Aus meiner Sicht ist es ebenso notwendig wie möglich, die emotionale Komponente des Abgebens und Annehmens eines unternehmerischen Generationswechsels strategisch aufzubereiten. Die „Knackpunkte“ können, genau wie die aus dem betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Bereich, als von Junior und Senior gemeinsam definierte Zwischenziele eines Projektplanes definiert und zeitlich sortiert abgearbeitet werden. Selbstverständlich garantiert auch dieses Vorgehen keinen Erfolg, aber immerhin einen sehr gut möglichen Weg dorthin, den viele MEMA-Netzwerkpartner auch in der Region Lingen gerade gehen oder kürzlich erfolgreich abgeschlossen haben.


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