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Anlage verschwand in den 60ern Unfallträchtige „Heuerampel“ in Lingen

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Lingen. Seit jeher liegt Lingen an wichtigen Handelsstraßen. Vor allem die Währungsreform 1948, und das in den 1950er-Jahren einsetzende Wirtschaftswunder führte zu Wohlstand.

1955 wurde zum wachstumsstärksten Jahr der deutschen Geschichte. Zwischen 1950 und 1960 konnte die deutsche Fahrzeugindustrie ihre Produktion verfünffachen. Das Verkehrsaufkommen in den Städten stieg. In Lingen führten die Hauptverkehrswege von Nord nach Süd und von West nach Ost quer über den Marktplatz. Vor allem im Kreuzungsbereich Georgstraße/Kaiserstraße kam es durch den starken Durchgangsverkehr besonders häufig zum Stau.

Abhilfe sollte die Verkehrsreglung durch eine sogenannte Heuerampel schaffen. Diese Ampelart wurde nach ihrem Erfinder Josef Heuer und der Firma Heuer-Hammer aus Iserlohn benannt.

Es handelte sich dabei um würfelförmige Gebilde, die mit Drahtseilen in etwa fünf Meter Höhe über der Kreuzung hingen. Sie funktionierten nach dem 2-Phasen-Prinzip, eine Gelbphase existierte nicht. Die innen beleuchtete Heuerampel hatte für jede Fahrtrichtung eine durchscheinende Scheibe mit gegenüberliegenden roten und grünen Kreissegmenten. Die Ampelphase stellte ein sich langsam im Uhrzeigersinn drehender Zeiger dar. Anhand der Stellung des Zeigers konnte man erkennen, wie lange die jeweilige Phase noch dauerte.

Die Erfahrungen, die die Verkehrsteilnehmer in Lingen damit machten, waren größtenteils negativ. Hinweisschilder, obwohl im Lingener Volksbote öfter angemahnt, fehlten. Es kam vermehrt zu Unfällen, wobei viele Fahrzeugführer die in luftiger Höhe angebrachte Ampel einfach übersahen oder durch Gegenlicht oder tief stehende Sonne geblendet wurden. Mit dem Ausbau der Georgstraße 1963 und dem damit einhergehenden Aufbau moderner Signalanlagen verschwand die Heuerampel. Die letzte dieser Ampeln wurde in Deutschland 1972 stillgelegt.


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