Veranstaltungsmanager Stefan Epping Der Mann, der Bob Dylan ins Emsland holte

Von Mike Röser

Die Macher der Emslandarena: Stefan Epping (links) lotst reihenweise Stars nach Lingen, Florian Krebs sorgt für passende Finanzen. Foto: Thomas PertzDie Macher der Emslandarena: Stefan Epping (links) lotst reihenweise Stars nach Lingen, Florian Krebs sorgt für passende Finanzen. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Nie strahlte der „Leuchtturm“ Emslandarena in Lingen heller als nach der Zusage von Bob Dylan für ein Konzert am 12. April 2017. Wer schafft es, diesen Weltstar in eine Region zu lotsen, die jenseits der Landkreisgrenzen gerne als Provinz bezeichnet wird? Die knappe Antwort: Veranstaltungsmanager Stefan Epping.

Am späten Mittwochabend ist Stefan Epping dort, wo ein Mann in seinem Zustand hingehört: im Bett. Die Krankheitswelle hat auch den Veranstaltungsmanager der Emslandarena in Lingen erreicht, 39 Grad Celsius zeigt das Fieberthermometer. Die Tagesschau ist schon gelaufen, als Epping noch einmal seine dienstlichen E-Mails kontrolliert. Nichts Ungewöhnliches soweit. Doch als er eine Mail der Konzertagentur Livenation liest, zweifelt er an seiner Wahrnehmung und denkt: Jetzt ist es schon so weit mit dem Fieber. Denn die Agentur bestätigt ihm den Auftritt einer Legende: Bob Dylan kommt. Am 12. April 2017. In die Emslandarena in Lingen. Ins Emsland.

Adrenalin in der Blutbahn

Sprachlos ist er in diesem Moment im heimischen Bett, und „ergriffen, dass es uns gelungen ist, den wohl bedeutendsten und einflussreichsten Musiker unserer Zeit für die Emslandarena zu gewinnen“, sagt er später im Gespräch mit unserer Redaktion. Zu diesem Zeitpunkt fließt längst eine gewaltige Dosis Adrenalin durch seine Blutbahn, lässt ihn die Gliederschmerzen vergessen. So viel muss geregelt werden ob der „Sensation“, dass Dylan, der vor wenigen Wochen als erster Musiker mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, in die Emslandarena kommt. Die Medien informieren, Werbung schalten, Interviews geben –und, und, und. Epping weiß: Dieser Künstler, diese lebende Musiklegende, ist ein Ritterschlag für die Arena, in die er das Leben bringt.

Seit drei Jahren große Namen

Reihenweise Stars hat der Veranstaltungsmanager seit der Eröffnung in die Arena gelotst. Mit Katie Melua, unterstützt von Bosse, machte am 30. November 2013 direkt ein Kracher den Auftakt. James Blunt, Peter Maffay, Billy Talent, The Boss Hoss, Die Fantastischen Vier, Kraftklub, Sarah Connor, Roger Hodgson, Jan Delay, James Last, Mario Barth – eine kleine Auswahl großer Namen, die in den vergangenen drei Jahren den Weg an die Lindenstraße in Lingen fanden.

„Das ist eigentlich utopisch“

Doch Bob Dylan, der schon in den 1960er zur Ikone wurde? Über den sich ein John Lennon ehrfürchtig äußerte? „Ich stelle immer mal wieder auch Anfragen bei Künstlern, bei denen ich weiß: Da gibt es keine Chance und das ist eigentlich utopisch“, erzählt Epping. Es war nicht die erste Anfrage an Dylan, die nun zur Zusage führte. Hartnäckigkeit zeichnet den 46-Jährigen aus. Als er von Ankündigungen von Dylan-Konzerten in Europa erfährt, versucht er es einfach noch einmal. Mit Erfolg.

Nominierung „Live Entainment Award“

Erfolg, der in der Branche schon vor mehr als einem Jahr gewürdigt wurde: Die „kleine“ Emslandarena, in der Veranstaltungen für maximal 4995 Besucher stattfinden können, gehörte 2015 zu den Nominierten beim „Live Entertainment Award“ in der Kategorie „Arena des Jahres“ – dem „Oscar“ der Branche. Mit dem ganzen Team fuhr Epping nach Frankfurt, denn eine One-Man-Show ist die Arena trotz allem nicht. Nicht zuletzt ist da Geschäftsführer Florian Krebs, der für ordentliche Finanzen und das Sponsoring sorgt. Epping betont das immer wieder. Selbst im Rampenlicht stehen ist nicht seine Sache.

20-Millionen-Euro-Projekt

Doch eine Konzerthalle lebt von den Künstlern, die in ihr auftreten. Zumal, wenn diese Arena als „Leuchtturmprojekt“ für den gesamten Landkreis Emsland dient. „Weicher“ Standortfaktor nennt sich das im Wirtschaftsjargon – auch potenzielle Fachkräfte sollen so angelockt werden. Deshalb war es nicht nur die Stadt Lingen, die sich an dem 20-Millionen-Euro-Projekt beteiligte: Fünf Millionen gab der Landkreis Emsland dazu, weitere fünf das Land Niedersachsen.

Früh klar, wer es machen soll

Einigkeit herrschte in der Stadt dann auch in der Frage, wer diesen „Leuchtturm“ zum Strahlen bringen kann: Stefan Epping. Innerhalb Lingens war schon damals bekannt, über welch‘ vorzügliche Kontakte in die Musikbranche der Mitbegründer des „Festivalguides“, Europas größtem Magazin für Open-Air-Festivals, verfügt. Denn ein kleines Kultur- und Jugendzentrum mit Platz für gerade einmal 500 Menschen hatte er über Jahre zu einem Club aufgebaut, der in der deutschen Musikbranche einen wohlklingenden Namen erlangte und in dem auch mal dicke Fische wie Fettes Brot auftraten.

Hingabe, Hartnäckigkeit, Perfektionswillen

Epping zögerte damals kurz, als ihm das Veranstaltungsmanagement für die Arena angedient wurde. Sein „Baby“, den Schlachthof, zurücklassen? Doch er entschied sich für die riesige Chance, die ihm die Emslandarena bot. Mit Hingabe, Hartnäckigkeit und Perfektionswillen stürzte er sich in die Aufgabe – und so ist der Coup mit der Legende auch Auszeichnung für ihn: den Mann, der Bob Dylan ins Emsland holte.