Preisträger heißt Éder Oliveira Freitag wird der Lingener Kunstpreis vergeben

Von Caroline Theiling-Brauhardt


Lingen. Bereits zum 22. Mal wird in diesem Jahr der Lingener Kunstpreis vergeben. Die Jury hat sich für den Brasilianer Éder Oliveira entschieden. Die Verleihung findet am Freitag, 2. Dezember, um 19 Uhr in der Lingener Kunsthalle statt.

Vor einigen Tagen ist der 33-jährige Künstler in Lingen angekommen. Im Gepäck hatte er einige seiner Exponate, die auch ab Freitag in der Kunsthalle zu sehen sein werden. Doch die Besucher dürfen sich auch auf etwas ganz Neues freuen. Auf einer Wand entstehen riesige Porträts. In leuchtend roter Acrylfarbe blicken bereits die Augen eines gesuchten vermeintlichen Verbrechers in die Kunsthalle – ein Thema, das dem Künstler sehr am Herzen liegt. Er kritisiert, dass verdächtige Personen, von der Polizei in Gewahrsam genommen werden und meist ohne jegliche Gerichtsverhandlung in einer Zeitung abgedruckt der Öffentlichkeit preisgegeben werden.

Diesen Personen möchte er in seinen Bildern die „Würde zurückgeben“, wie er in einem Gespräch mit der Redaktion betont. Somit charakterisiert die Malerei Éder Oliveiras ein politischer und sozialkritischer Hintergrund. Bis zum 16. Dezember wird der Brasilianer in Lingen bleiben und in der Kunsthalle die Wand weiter gestalten. Seine Werke werden anschließend noch bis zum 26. Februar 2017 in der Kunsthalle präsentiert.

Medium ist die Malerei

Seit 1983 widmet sich der Lingener Kunstpreis ausschließlich Künstlern, die im Medium Malerei arbeiten. Doch wie kommt ein Brasilianer an den Lingener Kunstpreis? „Insgesamt zwölf Direktoren sowie Kuratoren von Museen und Institutionen wurden um jeweils zwei Vorschläge gebeten“, erklärt die Direktorin der Kunsthalle, Meike Behm. Darunter sei auch Charles Esche, Direktor des Van Abbe Museums in Eindhoven (Niederlande) gewesen, der Arbeiten von Éder Oliveira auf der Bienale 2015 in Sao Paulo gezeigt hatte. Der Künstler erfüllte zudem die erforderlichen Voraussetzungen, darunter mindestens seit drei Jahren das Studium abgeschlossen zu haben und nicht länger als zehn Jahre im künstlerischen Bereich tätig zu sein. Die Jury besteht aus den Mitgliedern des Freundeskreises des Lingener Kunstpreises, Sigrid Hohoff, Marita Kamp und Richard Lange, sowie Oriane Durand (Künstlerische Leiterin, Kunstverein Dortmund), Kathleen Rahn (Direktorin Kunstverein Hannover) und Meike Behm (Direktorin der Kunsthalle Lingen). Sie einigten sich darauf, den Preis an Éder Oliveira zu verleihen.

Kunst im öffentlichen Raum

Oliveira wurde 1983 in Timboteua, Brasilien, geboren und lebt heute in Belém. Sein Studium der freien Kunst schloss er im Jahr 2007 an der Universidade Federal do Pará ab. Bereits ein Jahr später stellte er erstmals aus. Er arbeitet in den Medien Malerei, Wandmalerei und Kunst im öffentlichen Raum. Sein Hauptmotiv bilden großformatige Portraits überwiegend von jungen Männern, meist einfarbig in Rot, Blau oder Gelb gestaltet, meist mit afrikanischem oder indigenem Hintergrund.

Mit 7500 dotiert

Der Lingener Kunstpreis, dotiert mit 7500 Euro, wird in diesem Jahr von der Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung getragen. Die Ausstellung von Éder Oliveira und der sie begleitende Katalog werden durch den Freundeskreis des Lingener Kunstpreises ermöglicht.