Neues Angebot Wenn die Worte fehlen: Diakonie im Emsland bietet Paarberatung an

Von Thomas Pertz


Lingen. Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Emsland-Bentheim hat sein Beratungsangebot um eine Paar- und Lebensberatung erweitert.

Ansprechpartnerin ist Judith Bojer. Die Lingenerin mit einer Fachausbildung in systemischer Beratung und Therapie berät zunächst schwerpunktmäßig in der Dienststelle der Diakonie in der Schützenstraße in Meppen und in der Bögenstraße in Lingen. Langfristig solle es dieses Angebot aber auch an den anderen Standorten der Diakonie in Papenburg und gegebenenfalls auch Nordhorn geben, ergänzten Superintendent Bernd Brauer, Geschäftsführerin Dorothea Währisch-Purz und Fachbereichsleiterin Dagmar Wölk-Eilers in einem Pressegespräch.

Die Schmetterlinge im Bauch flattern in den ersten Jahren der Partnerschaft häufig. Sie können allerdings im Laufe der Zeit lahme Flügel bekommen. Mitunter ist es für Betroffene selbst nicht einfach, die Gründe dafür zu benennen. Ein Blick von außen kann helfen. Diesen bietet seit Herbst Judith Bojer. Die Lingenerin ist seit dreieinhalb Jahren beim Diakonischen Werk. Dort hat sie festgestellt, dass in der Sozialberatung immer häufiger auch Anfragen für eine Paarberatung kamen.

Veränderte Lebenslagen

Sie sind nach Angaben von Geschäftsführerin Währisch-Purz Ausdruck sich wandelnder Lebenslagen in einer Partnerschaft: Wenn sich Nachwuchs einstellt, können sich Rollen in der Partnerschaft verändern; auch dann, wenn die Kinder erwachsen sind und ausziehen. „Veränderte Phasen in der Familie können sich zu einer Krise in der Partnerschaft entwickeln“, sagte die Geschäftsführerin. Auch das dichte Beratungsnetz der Diakonie, in der es unter anderem auch eine Schuldner- und Suchtberatung gibt, trägt dazu bei, dass Klienten weitere Unterstützung durch die Paarberatung erfahren können. Denn eine Arbeitslosigkeit zum Beispiel, verbunden mit finanziellen Problemen, oder eine Alkoholabhängigkeit stresst jede Beziehung.

Keine Parteilichkeit

„In den meisten Fällen kommen beide“, berichtete Bojer aus der täglichen Beratungspraxis. Für sie sei eine „Allparteilichkeit“ wichtig, hob die Beraterin hervor. Sie ergreife weder für die eine, noch für die andere Partei. In einem geschützten Rahmen – es gibt in der Schützenstraße einen Raum für die Paar- und Lebensberatung – versucht Bojer, „festgefahrene Kommunikationsstrukturen“ aufzubrechen. Anders gesagt: Sprachlosigkeit zwischen Partnern, die sich lähmend auf die Beziehung auswirkt.

Dem Konzept liegt das Leitbild der Diakonie zugrunde, Klienten als „Experten in eigener Sache“ zu betrachten. Bojer will ihnen keine Lösung überstülpen. Es gilt der Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei sei dieses Gespräch aber zielorientiert aufgrund von Vereinbarungen, betonte Superintendent Brauer. Darin liege der Unterschied zu einer seelsorgerischen Tätigkeit, die situativ sei und im Prinzip unendlich. „Im Idealfall ergänzt sich beides“, sagte Brauer.

Zur Sicherstellung des Angebotes, das aus Kirchensteuermitteln finanziert wird, gehört eine freiwillige Kostenbeteiligung der Ratsuchenden auf der Basis dessen, was sie sich leisten können. Die Runde sprach von einem Prozent des Nettoeinkommens. Wie Judith Bojer betonte, werden Termine flexibel vergeben, damit keine längeren Wartezeiten für ein Beratungsgespräch entstehen.

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Das Diakonische Werk

Das Diakonische Werk ist Teil des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland-Bentheim mit zur Zeit 55 Mitarbeitern. Die Geschäftsführung hat ihren Dienstsitz in Meppen. Weitere Häuser und Einrichtungen befinden sich in Papenburg, Apeldorn, Nordhorn und Lingen. Das Diakonische Werk hält bisher folgende Beratungsangebote vor:

•Suchtberatung

•Ambulante Therapie für Suchtkranke

•Vorbereitung zur MPU

•Abstinenznachweise

•Schuldnerberatung

•Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung

•Allgemeine Sozialberatung

•Kurberatung

Darüber hinaus ist das Diakonische Werk Träger des Haus Landrien, einem Wohnheim für mehrfach Abhängige mit einem stationären und einem ambulanten Wohnangebot.

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