Grüne kritisieren Landkreis Nicht genug Plätze für Flüchtlinge an BBS in Lingen

Von Wilfried Roggendorf

Auch minderjährige Flüchtlinge unterliegen der Schulpflicht, doch es gibt nicht genügend Plätze in speziellen Sprach- und Integrationsklassen. Symbolfoto: Arno Burgi/dpaAuch minderjährige Flüchtlinge unterliegen der Schulpflicht, doch es gibt nicht genügend Plätze in speziellen Sprach- und Integrationsklassen. Symbolfoto: Arno Burgi/dpa

Lingen. Über die schulische Situation von 16- bis 18-jährigen Flüchtlingen hat jetzt der Schulausschuss der Stadt Lingen diskutiert. Denn: Es fehlen Plätze an den Berufsbildenden Schulen.

Wie Sandra Sollmann, Leiterin des Fachbereichs Schule und Sport der Stadt Lingen, mitteilte, leben derzeit 15 Flüchtlinge im Alter von 16 und 17 Jahren in Lingen. „Ihrer Schulpflicht kommen diese klassischerweise an den Berufsbildenden Schulen (BBS), die in Trägerschaft des Landkreises stehen, nach“, erläuterte Sollmann. „Noch nicht alle, aber wir sind auf einem guten Weg“, fügte die Fachbereichsleiterin hinzu.

Unterricht in Sprint-Klassen

Zehn dieser jungen Leute würden in sogenannten Sprint-Klassen (Sprint steht für Sprach- und Integrationsprojekt) oder in einem Berufsvorbereitungsjahr unterrichtet. Thomas Kühle (Grüne) fragte, seit wann diese Flüchtlinge in Lingen wären und warum es so lange dauere, bis alle unterrichtet würden. „Die Aufenthaltsdauer ist unterschiedlich“, sagte Sollmann. Es gebe nicht für alle betroffenen Jugendlichen genügend Plätze in den entsprechenden Klassen. „Landkreis und die BBS arbeiten daran, weitere Plätze zu schaffen“, versicherte Sollmann.

Niederschwellige Angebote ersetzen keine Vollzeitbeschulung

„Was machen denn die fünf unbeschulten Jugendlichen mit der Zeit, die sie eigentlich in der Schule sein sollten?“, hakte Kühle nach. Teilweise würden sie über den SKM in niederschwellige Angebote vermittelt, erklärte Sollmann. „Aber ich gebe Ihnen recht: Das ersetzt keine Vollzeitbeschulung“, äußerte sich die Fachbereichsleiterin. Es gebe jedoch keine Anzeichen dafür, dass diese Jugendlichen nicht zur Schule gehen wollten.

Vorwurf an den Landkreis berechtigt

Kühle betonte, dass Schulen, Lehrer, Kitas und Erzieherinnen sehr viel bei der Integration minderjähriger Flüchtlinge leisten würden: „Den Vorwurf wegen fehlender Plätze an den BBS kann man dem Landkreis machen.“ Dem entgegnete Uwe Hilling, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion: „Mit einem Vorwurf gegen den Landkreis kommt ein falscher Zungenschlag in die Diskussion.“ Es sei nicht zielführend, Vorwürfe zu machen, ohne den genauen Sachverhalt zu kennen.

Altmeppen: Sprachlernklassen sind das Wichtigste

Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen erklärte, es sei das Wichtigste, die bislang unbeschulten jugendlichen Flüchtlinge in Sprachlernklassen zu bringen. „Sie können nicht den vollen Unterricht der BBS vom ersten Tag an mitmachen.“ Dieser Ansicht war auch CDU-Ratsdame Irene Vehring: „Man kann die nicht einfach in eine Klasse setzen.“


Das Sprint-Projekt

Das Niedersächsische Kultusministerium hat das Sprint-Modellprojekt (Sprint steht für Sprach- und Integrationsprojekt.) für die öffentlichen Berufsbildenden Schulen entwickelt, das jugendlichen Flüchtlingen in modularisierter Form helfen soll, Sprachbarrieren abzubauen und mit der Berufs- und Arbeitswelt vertraut zu werden. Es gliedert sich in die drei Module Spracherwerb, Einführung in die regionale Kultur- und Lebenswelt sowie Einführung in das Berufs- und Arbeitsleben.

Die Vermittlung der deutschen Sprache steht im Zentrum, somit bildet Modul I den Schwerpunkt des Projekts. Die Module II und III sind sprachoffensiv gestaltet, so dass die erworbene Sprachkompetenz anwendungsbezogen trainiert und gefestigt werden kann. Der Wechsel in ein Regelangebot, beispielsweise ein Berufsvorbereitungsjahr oder die Berufsfachschule, ist während des maximal ein Jahr dauernden Durchlaufs für die Teilnehmer am Sprint-Projekt jederzeit möglich.

(Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium)