RWE bereitet Antrag vor 2023 soll der Abbau des Kernkraftwerkes Emsland beginnen

Von Thomas Pertz

Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen (im Vordergrund) wird Ende 2022 vom Netz gehen. Im Hintergrund ist das Erdgaskraftwerk der RWE zu sehen. Foto: RWEDas Kernkraftwerk Emsland in Lingen (im Vordergrund) wird Ende 2022 vom Netz gehen. Im Hintergrund ist das Erdgaskraftwerk der RWE zu sehen. Foto: RWE

Lingen. RWE Power wird in den nächsten Wochen einen Antrag beim niedersächsischen Umweltministerium auf Stilllegung und Abbau des Kernkraftwerkes Emsland nach dem Laufzeitende am 31. Dezember 2022 stellen. Dies kündigte Kraftwerksleiter Jürgen Haag am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung an.

Im Rahmen der Kampagne „Kernkraftwerk Emsland transparent“ hatten Haag und der Fachbereichsleiter für Regulierung und Genehmigungen der Sparte Kernkraftwerke der RWE, Cord-Henrich Lefhalm, interessierte Bürger ins Infozentrum eingeladen. Dort erläuterten sie das geplante Vorgehen.

RWE habe sich dafür entschieden, sofort nach Laufzeitende mit dem Rückbau zu beginnen, da die dazu notwendigen Technologien und auch das Know How der Mitarbeiter vorhanden seien, sagte Haag. Durch einen „sicheren Einschluss“ als andere Variante gehe viel Zeit verloren. Aber auch so ist der Abbau des Reaktors und die damit verbundene Entsorgung der Radioaktivität ein Langzeitprojekt. Haag geht von einem Zeitraum von 20 Jahren zwischen dem Antrag auf Stilllegung und der Entlassung der Anlage aus dem Atomgesetz aus. Das wäre um das Jahr 2037 herum.

Verschiedene Projektteams

Aufgrund der Langwierigkeit des Antragsverfahrens will RWE die noch verbleibende Phase von sechs Jahren bis zum Ende der Laufzeit des Reaktors nutzen. „Wir sind daran interessiert, pünktlich zum 31. Dezember 2022 über die Genehmigung zu verfügen“, so Haag. Deshalb seien bereits Projektteams und Teilprojekte gebildet worden, die sich mit Fragen des Genehmigungsverfahrens, der Abbauplanung, Entsorgung und des zukünftigen Personalpotenziales beschäftigen würden. RWE verfüge aufgrund laufender Projekte wie in Kahl, Biblis, Mülheim-Kärlich und Grundremmingen über reichlich Erfahrung beim Abbau solcher Anlagen.

„Entscheidender Faktor dabei ist die Radioaktivität“, betonte Haag. 99 Prozent davon machten die Brennelemente in der Anlage aus. Diese würden ins Zwischenlager auf dem Gelände gebracht, das über 125 Stellplätze für Castorbehälter verfüge. 85 würden benötigt. Bei dem übrigen Material werde unterschieden in zwei Kategorien: Solche Materialien, die nach einer entsprechenden Dekontamination freigemessen werden können, werden deponiert oder gelangen zum Beispiel wieder in den Wirtschaftskreislauf (Straßenbau). Andere, mit radioaktiven Teilen in der Materialstruktur, müssen ins Endlager. Vorgesehen für diese schwach- und mittelradioaktiven Abfälle ist der Schacht Konrad bei Salzgitter, während die Endlagersuche für die hoch radioaktiven Brennelemente noch im Gange ist. Ursprünglich sollte der Schacht Konrad 2014 in Betrieb gehen, inzwischen ist eher von 2022 die Rede. Bis es so weit sei, würden die in Lingen beim Abbau anfallenden radioaktiven Abfälle verpackt und sicher aufbewahrt, sagte Haag.

Unterlagen im Internet einsehbar

Sein Kollege Cord-Henrich Lefhalm verwies darauf, dass die Unterlagen für das Verfahren auch im Internet einsehbar sein werden. So, wie derzeit laufend entsprechende Betriebsberichte veröffentlicht würden, werde es später auch regelmäßige Veröffentlichungen seitens des Unternehmens zum Stand der Abbauarbeiten geben. Diese würden laufend durch das Umweltministerium als Aufsichtsbehörde überwacht. So schreibe es das Atomgesetz vor.

Fragen aus den Reihen der Zuhörer bezogen sich unter anderem auf das ungelöste Problem der Endlagerung hoch radioaktiver Stoffe. „Sie fragen da den Falschen“, sagte Haag. Die Energieversorger würden die notwendigen Gelder bereitstellen, während die Politik über den Standort entscheiden müsse. Eine weitere Frage bezog sich auf die Zukunft des Speicherbeckens Geeste nach dem Laufzeitende. Das Kernkraftwerk bezieht bei Bedarf über die Verbindung mit dem Dortmund-Ems-Kanal Kühlwasser aus dem Speichersee, der ein beliebter Standort für Freizeitaktivitäten geworden ist. Es fänden derzeit Gespräche mit kommunalen Vertretern statt, sagte Haag. Eine Lösung, wer künftig für die Unterhaltskosten aufkomme, habe er noch nicht.

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