Junge Pianisten begeistern Klaviermatinee im LWH Lingen wird immer beliebter

Von Peter Löning


Lingen. Den Status des Geheimtipps hat die kleine Reihe hochkarätiger Klavier-Matinees im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus wohl hinter sich gelassen. LWH-Leiter Michael Reitemeyer hat hier zusammen mit dem Münsteraner Klavierprofessor Peter von Wienhardt ein exklusives Podium geschaffen, dass ein stetig wachsendes Publikum überaus zu begeistern versteht.

Am vergangen Sonntag mussten noch einige Stühle herbeigeschafft werden, um allen Gästen einen Platz zu verschaffen.

Prof. von Wienhardt bringt zu diesen Konzerten in der Regel Studenten seiner Hochschulklasse mit, die mit ihren Darbietungen seinen Vortrag illustrieren. Zu diesem Konzert musste er seine Studenten allein kommen lassen, da er selbst leider und sehr kurzfristig verhindert war.

Michael Reitemeyer fügte dem Bedauern in seiner Begrüßungsansprache den Gedanken hinzu, dass dies aber auch eine Chance sein kann für die jungen Pianisten, da hier die Musik ganz für sich selbst sprechen müsse. Damit sollte er sehr Recht behalten.

Ganz große Kunst

Ohne große Vorwarnung also stürzte der erste Satz aus Sergei Rachmaninovs b-Moll Klaviersonate die Hörer in unbändiges Geschehen mit seelenrührenden Akkordbrechungen. Aufwühlende Melodiefiguren führen stracks in einen Moment der Zeitlosigkeit. Ein beinahe psychographisches Werk, das in hervorragender Weise interpretiert wurde von dem südkoreanischen Klavierstudenten Pillwoo Chun.

Mit gleicher Herkunft versuchte sich Juhee Lee in der Folge an Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate in D-Dur (KV 576). Klangen noch aus der Begrüßung die Worte im Ohr, Mozart sein nur scheinbar leicht zu spielen, war dieses Spiel ein mehr als anschaulicher Beleg. Es war ganz große Kunst, was die Pianistin hier aus den Tasten zaubern konnte, und für die Interpretation des Adagios fällt es schwer das Wort der Offenbarung zu vermeiden. Sie ließ die Hörer hineinsinken in die unfassbaren Tiefen großartiger Musik.

„Tosender Wintersturm“

Nicht einfach, hier den Anschluss zu finden, so hatte der rumänische Student Vasil Topalov einiges zu tun, um in die vergleichsweise spröde Tonsprache von Ludwig van Beethovens zweisätziger Sonate Nr.24 op. 78 überzuleiten. Nach einer leisen kleinen und verlorenen Melodie bricht ein unbändig tosender „Wintersturm“ schonungslos auf die Hörer ein, alles mit sich reißend. Fantastisch virtuos!

Klavier zu vier Händen

Relativ artig auf dem Rücken des vorher Gehörten erklang am Ende Mozarts Sonate KV 381 für Klavier zu vier Händen. Ein Werk von Frische und Spiellust, das die beiden koreanischen Interpreten in vorzüglicher Verschmelzung zeigte. Und eine überaus gewinnbringende Matinee abschließen sollte.

Zu einer Zugabe überredet kamen die beiden erneut an den LWH-Flügel und man konnte erfrischend erleben, wie sie sich erst dort zu einem Werk wie auch zu dessen Tempo verabredeten. Die „Petersburger Schlittenfahrt“ wurde damit zu einem lebendigen Spaß, der auch den Spielern einiges Lächeln ins Gesicht zauberte.