Montag Geburtstag 102-Jährige aus Lingen: We häbt goude Gene

Von Johannes Franke

Euphemia Bonnekessel feiert heute ihren 102. Geburtstag im „Vier-Generationenhaushalt“ in Bramsche. Foto: Johannes FrankeEuphemia Bonnekessel feiert heute ihren 102. Geburtstag im „Vier-Generationenhaushalt“ in Bramsche. Foto: Johannes Franke

Lingen. 102 Jahre alt wird die Lingenerin Euphemia Bonnekessel, geborene Brüning, an diesem Montag, 28. November. Im Gespräch berichtet sie aus ihrem abwechslungsreichen Leben.

Lingen. Mit Sohn Dagobert, Schwiegertochter Maria, der Enkeltochter und deren Familie wohnt sie im „Vier-Generationenhaus.“ Bei Kaffee und Kuchen erzählte die heute 102-Jährige über ihr Leben und erinnerte sich an so viele Begebenheiten.

Geboren am 28. November 1914, wächst sie mit sieben Geschwistern in Bramsche auf. Zwei Brüder im Alter von 89 und 91 Jahren leben noch. „We häbt goude Gene“, schmunzelt sie und berichtet über die Schulzeit.

Acht Jahre besuchte sie bis 1929 die Volksschule. Sie lernten Lesen, Schreiben, Rechnen „und Religion nicht zu vergessen“, betont sie. Gedichte auswendig lernen und Handarbeiten zählten dazu. Vor der Schule gingen sie zur Kirche. Vorher zogen sie die Holzschuhe aus, die im Turm abgestellt wurden. Wer nicht parierte, wurde bestraft.

Die Schüler wanderten und unternahmen mit dem Lehrer Waldspaziergänge. Sie fuhren auf geschmückten Ackerwagen nach Bentheim und sangen dabei. „Dat wassen use Utflüge“, erinnert sie sich.

Mit 16 Jahren arbeitete Euphemia Bonnekessel als Magd in der näheren Landwirtschaft. Die Hyperinflation schadete ihr persönlich nicht. „Ik ha ja gor kin Geld. So künn uk nix kaputtgoahn“, lacht sie. Sie erinnert sich an sehr kalte Winter mit viel Schnee und wie sie sich schützten und wärmten. Elektrisches Licht gab es im Elternhaus noch nicht. Aufstehen durften die Kinder erst, wenn der Vater den Küchenherd befeuert hatte und die Eisblumen geschmolzen waren.

Dicke Scheiben Schwarzbrot gab es zum Frühstück. Auf dem Weihnachtsteller lag meistens etwas Selbstgestricktes. „Mehr gaf et nich. Un wi wärn ale goud toufrä“, betont sie.

Wann und wo sie ihren Mann Bernhard kennengelernt hat, weiß sie nicht mehr. Am 26 März 1940 heirateten sie. Bereits 1941 wurde ihr Ehemann als Soldat eingezogen und kam am 8. Oktober 1945 aus russischer Gefangenschaft zurück. Bis 1950 wohnten sie in Gleesen. Später bauten sie ihr Haus in Bramsche. Bereits am 31. Dezember 1971 verstarb ihr Mann.

Mit dem Rad nach Lingen zu fahren war für Euphemia Bonnekessel zwar beschwerlich, aber dennoch kein Problem. Ihren Heimatort hat sie fast nie verlassen. Bad Rothenfelde wurde für sie und ihre Freundinnen das jährliche Urlaubsziel.

Alle kümmern sich

Mit Ordensschwestern habe sie acht Jahre lang Messgewänder und Paramente verziert, erzählt die 102-Jährige weiter. Ihre damalige Freizeitgestaltung sei mit den heutigen Möglichkeiten gar nicht zu vergleichen. Gerne sieht sie einige Nachmittagssendungen und sonntags gerne die „Bingo“-Übertragung. Die Lingener Tagespost „studeire ik von vörne bis achtern“, lacht Euphemia Bonnekessel und gibt gleich eine Kostprobe.

Im Vier-Generationenhaushalt in Bramsche herrsche ein „wunderbares Verhältnis, und alle kümmern sich um Oma“, sagt Schwiegertochter Maria. Gerne bekomme sie Besuch, und der wird am heutigen Tag ganz bestimmt kommen, um zum 102. Geburtstag ganz herzlich zu gratulieren.

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