Rockoper von Ian Anderson Magier an der Querflöte fesselte in Lingen


Lingen. Der Magier an der Querflöte hat Fans und langjährige Wegbegleiter der Prog-/Folkrockformation mit seiner Rock-Opera „Jethro Tull — performed by Ian Anderson in der nicht ganz ausverkauften Emslandarena gefesselt.

Der Gründer und Kopf von Jethro Tull ist immer noch einer der ganz Großen aus den frühen Jahren des Rock. Sein legendäres Flötenspiel, stehend auf einem Bein, zelebrierte er auch am Samstagabend, jedoch nur sporadisch. Verständlich mit 69 Jahren. Doch während der zweistündigen Multimedia-Produktion, die ähnlich einem Theaterstück angelegt ist, präsentierte er sich quirlig, beweglich und immer in Aktion, ohne dabei übertrieben zu wirken.

Was wäre, wenn

Der Bandname geht zurück auf den Pionier der Agrarwissenschaften, de Hightech-Biochemiker Henry Jethro Tull, der durch das Klonen von Pflanzen das Ernährungsproblem auf der Erde lösen wollte. „Wir haben uns seinerzeit nach ihm benannt. Der Mann war ein absoluter Vorreiter. Und in meiner neuen Produktion geht es darum zu zeigen, wie das wäre, wenn er heute leben würde“, sagte Ian Anderson in einem Interview. Die heutigen und zukünftigen Probleme und Herausforderungen versinnbildlichen die Hintergrundfilme. Klimawandel, Überbevölkerung, Klonen von Pflanzen, um nur einige zu nennen. Kontrastiert wird die englische Cornwall-Landschaft, eine liebliche, blühende mit intakter Natur und glücklichen Menschen, mit Bildern der Landwirtschaftsindustrie, den Monokulturen, Zersiedlungen und Emissionen.

Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger

„I Was a Rich Man Before Yesterday“, klagt ein Farmer und verzweifelt. „Wir brauchen Menschen, wie Jethro Tull damals einer war, um dieses Problem in den Griff zu bekommen“, so Ian Anderson. Die Show thematisiert diese Problematik, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Seine Musik unterstützt die Aussagen, und die Besucher genießen sie. Hier ist die Bestuhlung im Rang wohl sinnvoll, ginge sonst eventuell bei einem eher partymäßigen Abend die Botschaft verloren. Denn die ist gesellschaftspolitisch, und jeder kann sie für sich herausfinden.

Fünf neue Kompositionen

Gut unterhalten werden die Besucher auf jeden Fall mit einem bestens aufgelegten Ian Anderson und seinen virtuosen Musikern John O’Hara an den Keyboards, Scott Hammond am Schlagzeug, David Goodier am Bass, Vocalist Ryan O’Donnell und dem deutschen Gitarristen Florian Opahle. Der herzliche Beifall beweist es. Vor allem dann, wenn die Fangemeinde schon während der ersten Takte Songs wiedererkennt. Klassiker aus „Living in the Past“, „Witch’s Promise“, „Aqualung“, Songs From the Wood“ oder „Heavy Horses“ sind - textlich leicht modifiziert - dabei. Zudem gibt es fünf neue Kompositionen. Und wenn Ian Anderson in seiner einbeinigen Kranichpose auf seiner Querflöte spielt, dann ist das Publikum hellauf begeistert.

Das Publikum feierte

Nicht nur „alte“ Tull-Fans, sondern auch Musikliebhaber der jüngeren Generation kommen nicht nur wegen der Pose voll auf ihre Kosten. Kurz vor Schluss rollt er heran, worauf alle gewartet haben. „Locomotive Breath“ reißt sie dann doch aus den Sitzen. Sie feiern den Magier auf der Querflöte, die seit Bandgründung 1967 sein Markenzeichen ist. Für Lingen schon etwas Besonderes, einen der ganz Großen hier gehabt zu haben.


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