In Freren, Lengerich und Lingen Erinnerung an Reichspogromnacht vor 78 Jahren


Freren. Eindringlich ist am Mittwoch in Gedenkfeiern in Freren, Lengerich und Lingen an die Reichspogromnacht vor 78 Jahren erinnert worden.

Am Gedenkstein in der Grulandstraße in Freren versammelten sich Schüler der Franziskus-Demann-Schule und der Antoniusschule Thuine, eine Bläsergruppe aus Thuine, Vertreter der Stadt Freren, Mitglieder vom Kulturkreis Impulse sowie zahlreiche Bürger. In der Gedenkfeier zu Ehren der jüdischen Holocaust-Opfer Frerens erinnerte Lothar Kuhrts an die Pogromnacht von 1938.

Schlägertrupps 1938 auch in Freren unterwegs

Anschaulich sprach er über die „schrecklichen Dinge, die sich auch in Freren ereigneten“, als die Schlägertrupps der Nationalsozialisten in ihrem Rassenwahn Häuser und Wohnungen demolierten, Männer verhafteten und die Thora verbrannten. In unmittelbarer Nähe des jüdischen Bethauses, das der früheren Synagogengemeinde Freren, Lengerich und Fürstenau gehörte, richtete er seine mahnenden Worte an die Umstehenden.

27 gelbe Judensterne angebracht

Realschüler der Franziskus-Demann-Schule lasen die Namen der 27 jüdischen Frerener Mitbürger vor, die ermordet wurden oder aber durch Glück und Zufall den Holocaust überlebten. Im Gedenken an sie hefteten die Schüler 27 gelbe sogenannte Judensterne an ein Plakat vor dem Gedenkstein.

In Lengerich werden Stolpersteine gesetzt

In Lengerich verwies Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn darauf, dass der Rat kürzlich beschlossen habe, vor den früheren Häusern der ehemaligen jüdischen Mitbürger Stolpersteine setzen zu lassen, damit diese Menschen nicht vergessen würden.

1,5 Millionen jüdische Kinder ermordet

Heribert Lange, Vorsitzender des Forums Juden-Christen im Altkreis Lingen, erinnerte in gleichlautenden Reden in Lengerich und beim Gedenkort Jüdische Schule in Lingen daran, dass von den sechs Millionen ermordeten jüdischen Menschen wahrscheinlich 1,5 Millionen Kinder waren. „Eines von ihnen war der in Lingen geborene und hier mit seinen Eltern lebende Ihno ten Brink, der im Alter von zwölf Jahren in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde. Und aus Freren kennen wir den Namen des kleinen Samuel Manne.“

„Rattenfänger auch in den etablierten Parteien unterwegs“

Entschieden wandte sich Lange gegen jede Form von Ausgrenzung, die in gewissen Kreisen wieder propagiert werde. Die Rattenfänger von heute seien inzwischen auch in den etablierten Parteien unterwegs und verbreiteten dort Hass und Aggression gegen Fremde.

„Gehen alle fremdenfeindlichen Tendenzen zur Wehr setzen“

Oberbürgermeister Dieter Krone betonte, dass es im Angesicht von Kriegen, Terrorismus und der vielfachen Missachtung der Menschenrechte umso wichtiger sei, sich gegen alle rechtsradikalen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen zur Wehr zu setzen. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion, Hautfarbe und sexueller Orientierung sollten in Lingen friedlich zusammenleben können.

Ökumenischer Gottesdienst

Vor Beginn der Gedenkfeier gab es einen von Schülern der Marienschule mitgestalteten ökumenischen Gottesdienst in der Bonifatiuskirche. Erinnert wurde an das Schicksal der fünf Geistlichen Eduard Müller, Johannes Prassek, Hermann Lange, Karl Friedrich Stellbrink („Lübecker Märtyrer“) und an Pfarrer Heinrich Schniers, der im KZ Dachau ums Leben kam. Kirchenmusikdirektor Joachim Diedrichs spielte Stücke jüdischer Komponisten.

Mahnwache zur Erinnerung an die Familie Okunski

An den Stolpersteinen zur Erinnerung an das jüdische Ehepaar Neumann und Elisa Okunski, das ebenso wie Tochter Caroline im Vernichtungslager umgebracht wurde, gab es eine Mahnwache.


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