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Für Trump gestimmt Um 4 Uhr endet Wahlnacht im LWH: Lukas Brenner lag richtig

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Lingen. Es ist kurz nach 4 Uhr. Die Wahl in den USA ist noch nicht entschieden. Beendet ist aber die Wahlnacht im LWH, die das Bildungshaus erstmals in dieser Form angeboten hatte.

Das Feedback der jungen Leute in der Runde fällt rundweg positiv aus. „Interessante Details und Gäste, eine Liveschaltung nach Amerika, alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung“, meint ein Schüler. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass so zahlreiche koffeinhaltige Getränke angeboten wurden“, sagt eine Schülerin. „Ich muss euch ein Riesenlob aussprechen, dass ihr so super dabeigewesen seid“, betont Veronika Schniederalbers. „Dass es Schüler gibt, die Spaß an politischer Bildung haben, freut uns sehr“, sagt Michael Brendel.

Bereits um kurz nach vier Uhr schien Einiges auf einen Sieg von Donald Trump hinzudeuten. Auf ihn hatte in der Schülerrunde im LWH nur Lukas Brenner vom Franziskusgymnasium gesetzt.

3.30 Uhr: Im LWH scheint alle Müdigkeit verflogen. Sollte es Donald Trump doch schaffen? Die jungen Leute schauen gebannt auf die Berichterstattung auf CNN. Wie Ohio wählt, wählt die Nation, hatte die in Lingen wohnende Amerikanerin Jodi Trapp am späten Dienstagabend gesagt. Ebenso wie ihr Kollege Andreas Bethke zieht auch Lehrerin Ina Horstmann vom Georgianum ein überaus positives Fazit des Abends, was den Wahlabend als Form der politischen Bildungsvermittlung für Schüler anbelangt.

2.40 Uhr: Die Verbindung zu Liz Gutierrez in New Jersey steht. Sie hat Kontakte in Deutschland und spricht recht gut die deutsche Sprache. Die jungen Leute im LWH werfen über Skype einen Blick ins Wohnzimmer der amerikanischen Familie, wo natürlich auch die Wahlberichterstattung läuft. Gefragt, wen sie gewählt habe, sagt Gutierrez, dass sie für Trump gestimmt habe. Von den Schülern nach dem Grund gefragt, antwortet sie, dass Hillary Clinton in den 30 Jahren ihrer politischen Arbeit für viele Skandale verantwortlich gewesen sei. „Wo liegen die Unterschiede bei den Skandalen zwischen Trump und Clinton?“, wird sie von einem Schüler gefragt. Trump sei nie ein Politiker gewesen, während die Skandale unter Clinton passiert seien, als sie politische Ämtern ausgeübt habe, heißt es von Liz Gutierrez.

„Viele Menschen in Europa halten Trump für unberechenbar“, sagt Michael Brendel vom LWH. „Die Leute hier denken, dass die Clintons viel Unglück gebracht haben“, antwortet die Amerikanerin. Unter Trump werde es besser werden.

2.30 Uhr: Allmählich macht sich die fortgeschrittene Uhrzeit bei allen bemerkbar. Kaffee und Cola sind in diesen Minuten besonders beliebt. Noch sind aber fast alle Schüler da. Ricarda Singh, die ein paar Stunden zuvor die Rolle der Hillary Clinton übernommen hat, ist zuversichtlich, bis vier Uhr durchhalten zu können. „Gleich kommt über Skype die Liveschaltung in die USA, das ist bestimmt sehr interessant“, sagt sie. So könnten die jungen Leute im LWH in dieser Nacht den Wahltag in den USA auf besondere Art und Weise erleben. Wenn die Verbindung klappt. Noch ist es nicht so weit.

2 Uhr: Für Andreas Bethke steht schon vor dem Ergebnis der US-Wahlen fest: Diese Wahlnacht im LWH hat sich für die Schülerinnen und Schüler aus Lingen gelohnt. Der Deutsch- und Politiklehrer am Franziskusgymnasium spricht zwei Stunden nach Mitternacht von einer „sehr schönen, abwechslungsreichen Veranstaltung“. Die jungen Leute hätten sehr engagiert mitgemacht, freut sich Bethke.

1.30 Uhr: Wer zieht ins Weiße Haus ein – oder ist es das House of Cards? Veronika Schniederalbers stellt den Gymnasiasten im LWH die amerikanische Fernsehserie vor. Sie erzählt die Geschichte eines machthungrigen Abgeordneten, der zusammen mit seiner auch so gestrickten Ehefrau ein System von Intrige, Korruption und Mord kreiert, um die Macht in Washington an sich zu reißen.

Die jungen Leute aus den beiden Lingener Gymnasien kennen die Serie und beschreiben die einzelnen Charaktere. „Ich persönlich finde, dass Claire Underwood in ihrem Machtbewusstsein Frank Underwood in nichts nachsteht“, analysiert die LWH-Mitarbeiterin die Hauptakteure. Die Darsteller der Politiker und die echten scheinen sich sehr ähnlich zu sein, wie Befragungen ergeben haben. „Die Serie könnte zur Politikverdrossenheit beitragen“, meinte eine Schülerin. Es könne aber ebenso sein, dass dadurch politisches Interesse geweckt werde oder der Wunsch, etwas zu verändern.

1 Uhr:. Nun flimmern die ersten Umfrageergebnisse über den TV-Bildschirm. Michael Brendel hat zwei dicke Filzstifte in der Hand, einen blauen und einen roten. Die große Karte im LWH mit den einzelnen Bundesstaaten ist weiß. Rot steht für die Republikaner, blau für die Demokraten. Indiana und Kentucky werden von Brendel rot ausgemalt, Vermont blau.

0.40 Uhr: Die Schülerinnen und Schüler verteilen einen Meinungsfragebogen zur US-Wahl. „Wenn Sie die Möglichkeit hätten, an den Wahlen teilzunehmen, für wen würden Sie stimmen?“, lautet eine Frage.Die Antwort fällt eindeutig aus: 24 sind für Hillary Clinton, nur einer für Donald Trump. Auf dem Bildschirm, wo CNN die ersten Auszählungsergebnisse präsentiert, liegt allerdings Trump vorn. Pascal Mounchid, der am Abend für eine „Präsidentendebatte“ noch in die Rolle des Republikaners geschlüpft war, hofft darauf, dass es am Ende doch noch gut ausgeht. „Gut“ heißt bei den Gymnasiasten, dass Clinton als das „kleinere Übel“ gewinnt, wie es Ole Börner formuliert.

0.05 Uhr: Der Mittwoch ist gerade angebrochen. Im Windthorst-Haus in Lingen wird ein Film über die Obama-Jahre in den USA gezeigt..Aufmerksam hören die Schülerinnen und Schüler zu. Der Film verdeutlicht, wie gespalten das Land ist. Zuvor hatte Seminarleiter Michael Brendel einen Überblick gegeben, was in den sozialen Netzwerken aktuell zum Thema Clinton/Trump so gepostet wird. Vieles ist witzig, sorgt für einige Lacher und verdrängt das eine oder andere Gähnen.

Drei Schülerinnen des Georgianums, Eva Schulte, Rabea Goldschweer und Judith Wasmuth, präsentieren einen Film zur US-Wahl. In Form einer Animation stellen sie Clinton und Trump vor. Anschließend werden Interviews in der Lingener Innenstadt gezeigt. Bürger äußern sich zu den Kandidaten und zur Bedeutung der Wahl für Deutschland.

23 Uhr: Ein Stimmenergebnis bei der US-Wahl kennen die jungen Leute im LWH schon. Jodi Trapp hat Hillary Clinton gewählt. Aus erster Hand erfuhren die Schüler durch ihre Fragen im Interview Einiges über die beiden Kandidaten.

Frau Trapp, haben Sie gewählt?

Ja, ich habe gewählt und meine Stimme den Demokraten und Hillary Clinton gegeben. Es gibt aber viele Leute, die sagen, dass sie eine typische Politikerin des Establishments ist. Viele Leute vertrauen dem System nicht mehr. Sie wollen einen Outsider. Deshalb sind viele für Trump.

Der demokratische Mitwerber um das Präsidentenamt, Bernie Sanders, war eher ein Außenseiter. Waren Sie in den Vorwahlen auch schon für Clinton?

Sanders fand ich sehr interessant, aber ich glaube, dass er einfach zu alt ist für das Präsidentenamt. Sehr viele Demokraten wollten ihn haben, weil er kein typischer Politiker ist. Bernie Sanders, dieser alte Mann, war cool.

Werden die Skandale über Trump die Wahlen beeinflussen?

Ich glaube nicht, die Leute ignorieren das einfach. Die Menschen wollen eine Änderung. Sie misstrauen dem System und misstrauen Hillary. Sie bekommt sehr viel Geld. Sie haben das Gefühl, dass Hillary nur für die Eliten da ist. Trump sagt: Ich bin da für euch, ich gebe euch die Arbeit wieder.

Haben Sie das Gefühl, dass viele dem Strom folgen und fordern: Muslime raus?

Es gibt viele verschiedene Menschen in den USA, das Land ist sehr groß. Es gibt auch solche mit diesen Ansichten. Wir hoffen, dass die Schwarzen und Latinos Hillary wählten. Aber für sie ist Hillary nicht der richtige Kandidat. Sie mögen sie einfach nicht.

Unabhängig vom Wahlergebnis: Was hat sich verändert in der amerikanischen Gesellschaft?

Wir haben zwei Blöcke mit unterschiedlichen Meinungen. Dieser Streit wird nie aufhören. Die Amerikaner sind einfach müde von dieser Wahl, wo Skandal auf Skandal folgte. Die Spannungen werden leider bleiben. Es werden für Hillary ganz harte vier Jahre, wenn sie gewählt wird.

Was halten Sie persönlich von Trump?

Meine persönliche Meinung: Er ist dumm und hat keine Ahnung, wie er das Land regieren könnte.

Wie wird die Wahl ausgehen?

Es wird sehr, sehr knapp. Wie Ohio wählt, wählt die Nation. So war es in der Vergangenheit. Ihr müsst auf Ohio schauen.

Wie sehen Sie die Medien in den USA?

Ernst Trapp: Es ist die Zeit der Demagogen. Das hören wir ja in Deutschland auch von Leuten, die sich zurückgelassen fühlen, Stichwort „Lügenpresse“. Das Establishment, das mit den Medien zusammenstecke, solche Sätze sind auch bei uns zu hören.

22 Uhr: Pause beim Präsidentschaftswahlkampf im Windthorst-Haus. Das LWH serviert einen leckeren Abendimbiss. Im Hintergrund laufen die Nachrichten amerikanischer TV-Sender. In den USA wird noch gewählt, im LWH über die Debatte zwischen Pascal und Ricarda diskutiert. Auch die Gäste sind gekommen: Die Amerikanerin Jodi Trapp und ihr Mann Ernst, die in Lingen wohnen. Ernst Trapp ist seit Januar 2013 Geschäftsführer des Lingener Metal-Versandhandels EMP. Sie werden nach der Pause mit den Schülern ins Gespräch kommen.

21.30 Uhr: Die Debatte im LWH zwischen „Clinton“ und „Trump“ ist hitzig.„Sie sind ja viel zu klein fürs Pult“, keilt Pascal „Trump“ gegen Ricarda „Clinton“ mindestens so unhöflich, wie es der Republikaner in den letzten Wochen gegen die Demokratin gemacht hat. Aber auch Ricarda ist nicht auf den Mund gefallen. Sie versucht aber mehr mit Argumenten, Pascal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Moderatoren und Faktenchecker aus beiden Gymnasien zeigen sich bei Zwischenfragen ebenso detailsicher wie die beiden „Kandidaten“. Der Zuhörer merkt: Die Schüler des Georgianums und Franziskusgymnasiums haben im Unterricht von Ina Horstmann und Andreas Bethke gut aufgepasst.

21 Uhr: „Geben wir uns die Hand?“, fragt Ricarda Singh Pascal Mounchid. Die eine wird gleich im LWH die Rolle von Hillary Clinton übernehmen, der andere die von Donald Trump. „Nein“, antwortet der - so wie im zweiten TV-Duell in den USA.

In mehreren Gruppen bereiten sich die jungen Leute im LWH auf die gleich folgende Präsidentendebatte vor. Das Team von Ricarda recherchiert zu Clintons Position gegenüber Russland. „Ole, guck mal nach, wie Trumps Haltung zur Nato ist“, hört man aus dem anderen Lager. An mehreren Laptops recherchieren die Schülerinnen und Schüler, um Argumente für die Debatte zu sammeln.

20.30 Uhr: Michael Brendel erläutert die erste Aufgabe: Die Gymnasiasten sollen in Gruppen verschiedene Rollen und Aufgaben für eine spätere Debatte übernehmen. Sie sollen die Hauptargumente der beiden Kandidaten bei der US-Wahl herausarbeiten. Es werden außerdem Moderatoren und Faktenchecker gesucht und gefunden. Sie fragen später die Kandidaten und prüfen deren Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt. Auch die beiden Hauptakteure in dieser Wahlnacht: Ricarda Singh übernimmt in ihrer Gruppe die Rolle von Hillary Clinton, Pascal Mounchid die von Donald Trump.

19.30 Uhr: Die lange Wahlnacht im LWH beginnt. Studienleiter Michael Brendel und seine Kollegin Veronika Schniederalbers begrüßen 25 junge Leute, gemeinsam mit Lehrerin Ina Horstmann vom Georgianum und ihrem Kollegen Andreas Bethke vom Franziskusgymnasium.

Worum es geht in dieser Nacht, ist im Seminarraum unübersehbar. Eine Flagge der Vereinigten Staaten hängt an der Wand, eine große Karte der Bundesstaaten in den USA gibt einen geografischen Überblick, die Farben Blau (für die Demokraten) und Rot (für die Republikaner) dominieren auf Fensterbänken und Tischen.

Auch Michael Brendel ist voll auf US-Wahlkampf eingestellt. „Stars and Stripes“ dominieren auf seinem Hosenträger. Cola und Kaffee stehen bereit - die Nacht ist lang. Bis vier Uhr am Mittwochmorgen soll es gehen.

Die 15 Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs des Georgianums haben das Seminarfach „The President of the United States“ gewählt, die jungen Leute der 11. Klasse vom Franziskusgymnasium haben Politik als Prüfungskurs gewählt.

In einer ersten Runde stellen sich die Seminarteilnehmer vor. Vorher haben sie sich jeweils eine Bildkarte ausgesucht, die verstreut auf dem Boden ausgebreitet liegen. Abbildungen von Geld, der Freiheitsstatue, Waffen und Soldaten geben einen ersten Eindruck über die Wahlkampfthemen in den USA und an diesem Abend im LWH.

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