zuletzt aktualisiert vor

230 Zuhörer in Halle IV Mit Humor gegen Dampfablasser: Hate Slam in Lingen kommt gut an


Lingen. Ihren „Senf dazu“ geben Journalisten der NOZ Medien täglich zu allen möglichen Themen. Dabei stoßen sie auf Zustimmung und Kritik – bisweilen auch auf heftige. Ist die Grenze des Vertretbaren überschritten, landen solche Zuschriften in der Schublade. Anders am Dienstagabend in Lingen.

Beim „1. Emsland Hate Slam“ in der Halle IV stellten sich sieben Redakteurinnen und Redakteure der NOZ Medien auf unterhaltsame Weise solchen Tiraden. Platz genommen auf dem Podium hatten Redakteurin Katharina Ritzer, Newsdesk-Leiterin der NOZ in Osnabrück, Hermann-Josef Mammes, Redaktionsleiter der Meppener Tagespost und Regionalchef im Emsland, Mike Röser, stellvertretender Redaktionsleiter der Lingener Tagespost, Julia Mausch, Online-Redakteurin der LT, Gerd Schade, Redaktionsleiter der Emszeitung, seine Kollegin Maike Plaggenborg und Volontär Benjamin Havermann.

Hier geht es zum Video vom Hate Slam.

„Linksversiffte NOZ“

Hate steht für Hass, Slam für einen Wettbewerb, bei dem selbst verfasste Texte auf der Bühne vorgestellt werden. Slam kann aber auch „Verriss“ und heftige Kritik bedeuten. Davon gab es in der Halle IV reichlich: Leserbriefe und Beschwerden allgemeiner Art, zum Beispiel über Rechtschreibfehler, verbunden mit der Empfehlung an die Redaktion, sich doch mal einen Duden zu kaufen, Stilblüten „für alle lebenden und verstorbenen Vereinsmitglieder“ und Facebook-Kommentare an die „linksversiffte NOZ“.

Insbesondere der Programmteil, der die Themen Flüchtlinge und AfD in den Vordergrund stellte, hatte es in sich. Dass „Neger nicht die Hellsten“ sind, war ebenso zu hören wie von „Islamistendreck“ und „Migrationsmist“ bei der Kritik von Bürgern an der Berichterstattung in den Ausgaben der NOZ Medien.

Der Wutbürger dröhnt

Gerade diese Passagen machten nachdenklich, beschrieben sie doch auch in aller Deutlichkeit, wie es bisweilen um die Diskussionskultur im Land, insbesondere in den sozialen Netzwerken, bestellt ist. Hier dröhnte der „Wutbürger“ den Zuhörern in den Ohren, die der „Scheiß NOZ“ gleich auch mal ein paar Schläge androhten. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, wusste schon Schriftsteller Otto Julius Bierbaum, auch wenn in der Halle IV bisweilen das Lachen im Halse stecken zu bleiben drohte.

Perfekte letzte Worte

Poetry-Slammer Florian Wintels aus Bad Bentheim und die Band Dry Dudes – Erwin Holm aus Esterwegen und Patrick Schütte aus Surwold – würzten den Abend auf ihre Weise mit sprachlichen und akustischen Höhenflügen. „Scheiß drauf“, trug Wintels zunächst vor – ein Tipp an die Journalisten, Kritik zwar ernst zu nehmen, überzogene aber abzuschütteln? Den Text hatte der Poetry-Slammer 2012 verfasst. Ganz neu waren „Die perfekten letzten Worte“, die der Bad Bentheimer außerdem vortrug. Sie handelten vom Tod und wie man vom Hass wegkommt, bevor der endgültige Abschied naht. Erst vor wenigen Tagen hatte „Wintels bei den Poetry-Slam-Landesmeisterschaften für Niedersachsen und Bremen in Oldenburg den Titel gewonnen.

Einfühlsame Musik

Und Dry Dudes? Bei so viel Sprache in der Halle IV war es ganz gut, von dem Akustik-Pop-Duo zwischendurch auch etwas anderes auf die Ohren zu bekommen. Dry Dudes mit der einfühlsamen Stimme von Erwin Holm, begleitet von Schüttes filigranem Gitarrenspiel, beeindruckte mit unaufgeregten, eingängigen Stücken. Ihr erstes Album kommt im Januar heraus. In Lingen gaben die beiden Dienstagabend eine prima Kaufempfehlung ab.

Dass der „1. Emsland Hate Slam“ neben Stirnrunzeln auch viel Vergnügliches bot, lag an der unterhaltsamen Vortragsform der Journalisten. Diese nahm den Inhalten ein wenig die Schärfe.

Auch war nicht alles, was unter dem englischen Wort Hate – Hass – einsortiert wurde, wirklich hasserfüllt. Mit viel Ironie gewürzten Humor gab es in den Zuschriften ebenfalls. Die offenbar wenig schwierigen Bilderrätsel in der Zeitung verband zum Beispiel ein Leser mit der Bitte an die Redaktion, zu ergänzen: „Ohne Flei…, kein Prei…“.

Ein anderer hatte sich mit der Bitte an die Journalisten gerichtet, ein deutsches Wort für den Begriff „Hate Slam“ zu finden. Auf dem Weg in die digitale Zukunft wollen ältere Lesergruppen nämlich nicht links liegengelassen werden.

„Davon ausgehend, dass auch Sie nicht mehr der Jüngste sind, erhoffe ich von Ihnen etwas Verständnis“, trug der Redaktionsleiter im Emsland, Hermann-Josef Mammes, die Bitte des Lesers vor. Mammes, 54 Jahre alt und der Älteste auf dem Podium, wird es mit Humor nehmen – nicht das schlechteste Rezept beim Umgang mit Dampfablassern.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.


0 Kommentare