Hilfe beim Aufbau der dualen Ausbildung BTZ Lingen engagiert sich in Südafrika



Lingen. Das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) des Handwerks GmbH mit Sitz in Lingen setzt große Hoffnungen in ein internationales Pilotprojekt in Südafrika.

Darauf haben BTZ-Geschäftsführer Matthias Ricken und Hugo Kirchhelle, der beim BTZ für betriebliche Fort- und Weiterbildung zuständig ist, in einem Gespräch mit unserer Zeitung verwiesen. „Es ist uns gelungen, bei diesem interessanten internationalen Projekt den Fuß in die Tür zu bekommen“, freute sich Ricken.

Sieben Tage in der Hafenstadt Port Elizabeth

Kirchhelle gehörte einer siebenköpfigen Delegation an, die im Auftrag des niedersächsischen Kultusministeriums und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) für sieben Tage in die Hafenstadt Port Elizabeth nach Südafrika reiste. Das Land Niedersachsen unterhält seit 1995 eine Partnerschaft zur Provinz Eastern Cape, wo sich Port Elizabeth befindet.

Auch Referatsleiterin aus dem Kultusministerium mit dabei

Zur Delegation zählten neben Kirchhelle und der Referatsleiterin im Kultusministerium, Ingeborg Weisig, auch Vertreter der GIZ, von Berufsbildenden Schulen und der Handwerkskammer Braunschweig/Lüneburg/Stade. In Port Elizabeth wurden in zwei Colleges Möglichkeiten erörtert, wie sich in den Bereichen Sanitär-Heizung-Klima sowie Elektro die duale Ausbildung in Südafrika einführen lässt.

Jugendarbeitslosigkeit in Südafrika beträgt 40 Prozent

Im Jahr 2015 hatte die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit der südafrikanischen Branchenorganisation merSETA einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, um unter dem Stichwort „green economy“ ein Pilotprojekt unter dem Namen DSPP (Dual System Pilot Project) zu starten, das im Rahmen der Förderung regenerativer Energien wesentliche Aspekte der deutschen dualen Ausbildung nach Südafrika bringen soll. Die Jugendarbeitslosigkeit in dem Land beträgt gegenwärtig 40 Prozent.

Zwei Ausbildungsberufe ausgewählt

Mit dem Elektroniker/der Elektronikerin für Gebäude- und Energietechnik sowie dem Anlagenmechaniker/der Anlagenmechanikerin (SHK) wurden zwei Ausbildungsberufe ausgewählt, die für die green economy als besonders wichtig eingeschätzt werden. In den beiden Colleges in Port Elizabeth sowie in zwei weiteren Colleges in der Provinz Gauteng haben Kirchhelle zufolge inzwischen die entsprechenden Ausbildungen begonnen.

Nach drei Jahren Wechsel in die Betriebe

Kirchhelle: „In Südafrika werden die jungen Leute normalerweise drei Jahre lang auf einen Beruf vorbereitet, ohne allerdings in dieser Zeit einen Betrieb von innen zu sehen.“ Nach den drei Jahren wechseln die jungen Leute dann in Betriebe und haben dort für 18 Monate lediglich einen Praktikantenstatus.

Arbeitgeber trennen sich oftmals von den jungen Leuten

„Es ist leider gang und gäbe, dass sich Arbeitgeber schnell wieder von den jungen Menschen trennen, sodass die gesamte Ausbildung verlorene Zeit ist“, bedauert Kirchhelle. Ricken bezeichnete es zudem als Manko, dass Ausbildungsbetriebe in Südafrika kaum kontrolliert würden. „In Deutschland muss ein Betrieb, der sich von einem Auszubildenden trennt, vor einem Vertreter der zuständigen Handwerkskammer diesen Schritt begründen,“ sagte er.

„Vertrauensverhältnis aufbauen

Im neuen Projekt DSPP soll nach seinen Worten ganz deutlich das deutsche System mit abwechselndem Besuch von Berufsbildender Schule und Betrieb umgesetzt werden, um zwischen Betrieb und Auszubildenden von Beginn an ein auf lange Zusammenarbeit angelegtes Vertrauensverhältnis aufzubauen. „So können sich südafrikanische Betriebe die Fachkräfte der Zukunft selbst heranziehen – wie das in Deutschland ja seit langem gut funktioniert.“ erläuterte Ricken.

Im Februar werden Gäste aus Südafrika erwartet

Wie geht es mit dem Projekt weiter? Vier Gäste aus Südafrika werden im Februar die Partner in Deutschland besuchen. Danach werden deutsche Managementexperten, Pädagogen und Ausbilder für einen längeren Zeitraum die Südafrikaner in der Provinz Eastern Cape bei der Umsetzung des Projektes unterstützen.

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Das BTZ des Handwerks GmbH mit Sitz in Lingen ist neben dem Vorhaben in Südafrika zudem an zwei weiteren internationalen Projekten beteiligt. Mit der berufsbildenden Einrichtung in Hardenberg (Niederlande) wurde eine Kooperation eingegangen, um die Anerkennung der Berufsabschlüsse beiderseits der Grenze zu erleichtern. Das auf vier Jahre ausgelegte Projekt wird mit europäischen Interreg-Mitteln gefördert. Zudem macht das BTZ in einer Bildungspartnerschaft im Erasmus+Projekt „Vielfalt in der Ausbildung“ mit. Partner sind das Bildungszentrum Gaming (Fachhochschule für Betriebsmanagement) in Österreich und das Alfa-college Groningen in den Niederlanden. Auch dieses Projekt wird mit europäischen Mitteln gefördert.

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