Altes Thema modern inszeniert „Onkel Toms Hütte“ berührt Lingener Publikum

Von Peter Löning


Lingen. Das sollte man wohl als rundum gelungen bezeichnen, wie mit „Onkel Toms Hütte Reloaded“ eine bedrückende Geschichte um das historische Elend Amerikanischer Sklaverei lebendig in die Jetztzeit übertragen, generationenübergreifend ihr Publikum erreicht. Im Lingener Theater jedenfalls zeigte sich das Publikum sehr beeindruckt von der Aufführung, welche die „Theatergastspiele Kempf“ mit großartiger Besetzung auf die Bühne brachten.

„Onkel Toms Hütte“, ursprünglich als Fortsetzungsroman vom Harriet Beecher Stowe in der Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen und in der Folge eines der erfolgreichsten Bücher seiner Zeit in den USA neben der Bibel, wird hier gezeigt als Ergebnis eines Theaterprojektes mit Insassen eines mittelamerikanischen Großstadtgefängnisses.

Sozialarbeiter Tom, großartig verkörpert durch Ron Williams (der große Name im Ensemble), bringt vier Gefängnisinsassen mit diesem Stück seine Bühne. Diese wiederum erkennen in den gespielten Rollen auch ihre eigenen Biografien. Immer wieder wird die eigentliche Aufführung unterbrochen, und die vier Darsteller erzählen aus ihrem eigenen Leben. Sklaverei gibt es bis heute, häufig allerdings in unbekanntem Gewand.

Schauspiel mit Songs

Ein grandios agierender Simon Berhe, als Billy, bekennt hierbei, welche Freude es ihm zunehmend bereitet, die Rolle des ekelhaften Menschenhändlers zu verkörpern und mokiert sich über die geschwollen gezeichneten Figuren der alten Geschichte: „Krasser Scheiß!“

Wenn Barak Obama zitiert wird mit den Worten, einer von drei Afroamerikanern sitze einmal in seinem Leben im Gefängnis, wenn es weiter heißt, der Knast sei zwar hart, aber immer noch sicherer, als das Leben im Ghetto, bleibt dieses nicht ohne Wirkung.

Mitreißend und bewegend

Das bis in Musicalnähe mit Songs angefüllte Schauspiel ist mitreißend und bewegend und das nicht nur für die sichtbar in großer Zahl angereisten jugendlichen Schülergruppen. Hierfür zeichnet zum einen der begnadete Pianist, Michael Mufty Ruff (seines Zeichens Keyboarder der Kultband „Haindling“) verantwortlich – sein Tastenspiel bereichert die Szenerie ungemein. Zum anderen sind da die authentischen und hörbar geschulten Stimmen der Darsteller.

Neben den Vorgenannten sind hier Karsten Kenzel, unter anderem als unglaublich fieser Mr. Legree, wie auch die großartigen Stimmen von Stefanie Marin und AnnaTekenaka (ihr „Over The Rainbow“ wird noch lang in den Ohren klingen) zu nennen.

Geschichte auf ein Minimum gekürzt

Dass die eigentliche Onkel-Tom-Geschichte in dieser Produktion auf ein Minimum gekürzt, sogar verändert ist und in großen Teilen von den Darstellern nur grob skizzierend erzählt wird, stört nicht die Rezeption.

Auch die karge Choreografie mit viel Stuhl und Tisch ist verziehen, denn die Aussage rührt an. Die Geschichte berührt ungemein und am Ende finden sich Darsteller und Publikum einträchtig zusammen singend: „This little Light of mine – let it shine“.