Mit ausgefeilter Spieltechnik Großartiges Orgelkonzert mit Daniel Gárdonyi in Lingen


Lingen. Gut einhundert Ohren öffneten sich in voller Konzentration für den dreifachen Gárdonyi in der Lingener Bonifatiuskirche. An der Fischer- und Krämer-Orgel erklomm Daniel Gárdonyi, der Spross einer berühmten ungarisch-deutschen Musikerfamilie, mit ausgefeilter Spieltechnik und großer Virtuosität die kompositorischen Gipfel seiner Väter und erntete Standing Ovations.

Liszt, Bartók, Kodály, Hindemith prägten die hoch gebildete Familie in Budapest und Berlin, und Zoltán Gárdonyi (1906-1986) und sein Sohn Zsolt (*1946) sind durch ihr musikwissenschaftliches, kompositorisches und interpretatorisches Schaffen weltweit hoch angesehen. Der vielfach ausgezeichnete Sohn Zsolt war der erste Orgellehrer von Lingens Kirchenmusikdirektor Joachim Diedrichs und hat bereits zwei umjubelte Konzerte mit dem Bonifatiuschor gestaltet.

Sinfonische Klänge erster Güte

Diesmal war Enkel Daniel (*1982) an der Reihe, sein Können unter Beweis zu stellen, diskret und bescheiden assistiert von seinem berühmten Vater. Perfekt vorbereitet präsentierte der freischaffende Musiker aus Würzburg einen stringenten Bogen größerer und kleinerer Werke. Dabei nutzte er die volle Registratur der größten Orgel im Bistum Osnabrück und entlockte dem Instrument sinfonische Klänge erster Güte, sodass das interessierte Auditorium nur staunen konnte.

Große Eröffnung

Mit Zoltán Gárdonyis Partita „Veni Creator Spiritus“ bekam der Abend eine sinfonische Eröffnung im großen Stil. Schwirrte die Sopranstimme in der ersten Variation noch wie eine flatternde Taube über dem ruhigen Cantus firmus, war der Atem Gottes im Andante als Solo mit Tremulant zu spüren. An der Toccata in Variation III hätte Buxtehude seine Freude gehabt, bevor die Lange Flöte sich auf einem diffusen Klangteppich mit Hochdruck ausbreiten konnte. Der Heilig-Geist-Hymnus versank im Finale plötzlich wie in einem Brunnen, aus dem Gárdonyi das ganze Thema noch einmal hervorholte und strahlend zum Abschluss brachte.

Protestantische Identität

Drei Choralvorspiele des Großvaters ließen Bachs Handschrift erkennen, voller Heilsgewissheit und Kraft und protestantischer Identität. Zsolt Gárdonyis Meditation „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ lieferte pulsierende, zeitlose Sequenzen über einem nur für Kenner hörbaren Liedmotiv. Schade, dass dieser Choral im neuen Gotteslob nicht vertreten ist!

Dass der Sohn eigene Wege geht, war spätestens bei den drei Hommages zu hören. Ein fremdartiger Bach, ein modern-spätromantischer Liszt in vollkommen neuer Formensprache mit allen Möglichkeiten sinfonischer Dichtung sowie ein apokalyptisch-dramatischer Reger mit Zitaten aus dessen Choralfantasie „Wachet auf“, passend zum Ende des Kirchenjahres.

Musik voller Kontraste

Zóltan Gárdonyis halbstündige Sonata Tertia bildete abschließend noch einmal eine Herausforderung für den Organisten und seine Zuhörer. Geheimnisvoll, was sich da entwickelt. Fast deutete sich mit schönen Registerwechseln noch einmal der Pfingsthymnus an. Ein großer Ernst durchzog die Musik voller Kontraste. Hier wurde geknetet und gewrungen, bis auch die letzte Modulation gefunden war und sich die Schwermut zum festlichen Dur durchringen konnte.

Das Publikum sprang auf, um dem nun sehr befreit wirkenden Interpreten zu applaudieren, der sich mit einer burlesken Hommage seines Vaters an Marcel Dupré als Zugabe bedankte.


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