Vertrag unterzeichnet Mosaik-Schule und Stadt Lingen gehen gemeinsam weiter

Von Thomas Pertz


Lingen. Gemeinsame Wege bei der Beschulung von Kindern mit und ohne Handicaps gehen das Christophorus-Werk als Träger der Mosaik-Schule und die Stadt Lingen als Träger der Grundschulen schon seit 2001/2002. In der Matthias-Claudius-Grundschule wurde diese Vereinbarung in feierlichem Rahmen nun auch schriftlich fixiert.

Unterzeichnet wurde der Vertrag vom Geschäftsführer des Christophorus-Werkes, Georg Kruse, und Oberbürgermeister Dieter Krone. Eingeladen dazu hatten der Rektor der Matthias-Claudius-Schule, Udo Kösters, und Hermann Kiepe, Leiter der Mosaik-Schule. Letztere nutzt zurzeit Räumlichkeiten in den Grundschulen Holthausen, Castellschule, Paul-Gerhard-Schule, Schepsdorf und Matthias-Claudius-Schule. Dort erfolgt der Sport-, Musik, Religions- und Kunstunterricht gemeinsam. Die Kinder mit einem Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung nehmen außerdem an Ganztagsangeboten und Projekten teil.

Wie gut dieses Zusammenspiel bereits funktioniert, machten Kösters und Kiepe in ihren Ausführungen deutlich. Kösters beschrieb einen Jungen aus der Mosaik-Schule, der alle Verkehrszeichen kennt und in einem Vortrag den Kindern der Grundschule erläuterte. Zwei Schüler der Mosaik-Schule nähmen am Förderunterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik teil. Der gemeinsame Unterricht in Kunst, Musik, Sport und Religion sei für alle gewinnbringend. Die gegenseitige Hilfe zu beobachten sei eine große Freude.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Lingen bezeichnete Hermann Kiepe als sehr gut. Er kenne keine Schule, die im Primarbereich eine so enge Kooperation mit einer Förderschule für geistige Entwicklung pflege, so der Leiter der Mosaik-Schule.

Emotionale Kompetenz und Selbstbewusstsein

„Jeder Mensch ist für sich eine Persönlichkeit“, sagte Oberbürgermeister Dieter Krone. Die Kooperationsvereinbarung mache deutlich, dass das Zusammenleben von Kindern mit und ohne Handicaps zur Normalität werde. Emotionale Kompetenz, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl jedes Einzelnen werde gefördert. Während seiner Zeit als Lehrer am Franziskus-Gymnasium habe er häufig erlebt, wie viel die Schüler bei Kooperationen mit dem Christophorus-Werk, zum Beispiel beim Theaterspiel, voneinander profitierten. Die Kooperationsvereinbarung stellt seinen Worten zufolge eine Verpflichtung dar, die UN-Behindertenkonvention zur Teilhabe von Menschen mit Handicaps in allen Lebensbereichen, und damit auch in der Schule, zu verwirklichen. „Wir dürfen keine Barrieren aufkommen lassen, nicht nur baulicher Art“, sagte Krone. Vor allem die Barrieren in den Köpfen müssten weg.

Dank an Schulleiter und Kollegien

Georg Kruse, Geschäftsführer des Christophorus-Werkes, hob die Bedeutung der schriftlich fixierten Kooperation hervor. Die Stadt Lingen als Träger der anderen Grundschulen „denkt damit auch die Entwicklung der Mosaik-Schule weiter mit“. Der Stellenwert der Kooperation wird seinen Worten zufolge durch die Unterschriften erhöht. Kruse dankte den Schuleitern und Kollegien, die in den letzten 15 Jahren bereit gewesen seien, diesen Weg zu gehen. In diesem Sinne äußerte sich auch Regierungsschuldirektorin Jutta Reinhardt. „Der Umgang mit der jeweiligen Besonderheit lässt die Schulgemeinschaft wachsen“, sagte Reinhardt.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.


Ziele der Vereinbarung

Neben den grundsätzlichen Zielen, Kindern mit und ohne Behinderung gemeinsame Lebens- und Lernerfahrungen zu ermöglichen, sollen durch die Kooperation folgende Ziele angestrebt werden:

Ziele für Schüler der Grundschule:

Das Zusammenleben mit behinderten Kindern wird zur Normalität

Verbesserung der sozialen Kompetenz

Erkennen, dass der Wert eines Menschen nicht von seine intellektuellen und physischen Leistungsfähigkeit abhängt

Erweiterung der sozialen Kompetenz durch den Umgang mit „schwachen Schülern“

Erweiterung der schulischen Erfahrung durch die Nutzung des sonderpädagogischen Angebotes

Ziele für Schüler mit einem Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung:

Stärkung der emotionalen Kompetenzen (Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl)

Stärkung der sozialen Kompetenzen

Erhöhung der Leistungsbereitschaft durch das Vorbild der Grundschulkinder

Bewegen außerhalb von Schonräumen

Verbesserung der sprachlichen Kompetenz

Erweiterung der schulischen Erfahrung durch Nutzung des Grundschulangebotes