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Landtagskandidaten in der VHS Polit-Talk von Tisch zu Tisch in Lingen

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Lingen. Werner Schlüter* hat sich besonders gut vorbereitet. Für das Speed-Dating mit den Direktkandidaten in seinem Wahlkreis hat er sich Fragen notiert, die ihm auf der Seele brennen. Einige Fragen wird er jedem Kandidaten stellen, andere hat er sich im Vorfeld speziell für einzelne Parteivertreter überlegt. Jürgen Blohm von der VHS, der das Speed-Dating moderiert, fordert jeweils sechs Interessenten auf, sich zu einem Politiker zu setzen. Es geht also los.

Werner beginnt bei Heinz Rolfes von der CDU. Die erste Frage ist diejenige, die Werner durchgängig jedem Gesprächspartner stellen wird: „Welche Motivation hatten Sie, Abgeordneter zu werden?“ Rolfes erzählt von seinem Werdegang, der ihn über die Kommunalpolitik in den Landtag führte. „Was halten Sie davon, die Anzahl der Länder zu reduzieren? 16 unterschiedliche Länder, 16fache unterschiedliche Bildungspolitik!“ Werner ist damit nicht einverstanden. Dann packt Werner noch aus: Hamburg habe gerade einen Staatsvertrag mit den jeweiligen Islamvertretern geschlossen, wie fände Herr Rolfes das für Niedersachsen? Und was meint dieser zum Thema Kita-Gebühren versus Studiengebühren?

Blohm läutet die Glocke

Erstaunlich, wie viele Fragen – und Antworten – in den paar Minuten möglich sind. Dann geht es weiter zum Tisch von Birgit Kemmer. Der Grünen-Frau wird neben der Motivationsfrage die Frage nach der Energiewende gestellt. Auch die Frage nach dem Staatsvertrag mit den Islamvertretern à la Hamburg fällt. Der 65-jährige Werner gibt sich als Integrationslotse zu erkennen. Daher liegt ihm dieses Thema sehr am Herzen, und auch diese Frage wird er fast allen sechs Kandidaten stellen.

Nicht einigen können sich Kemmer und Werner beim Thema Kita-Gebühren. Zeit, dies ausführlich zu diskutieren bleibt freilich nicht, Blohm läutet die Glocke. Es wartet „der Mann mit der Augenklappe“, wie Werner Jörg Großmann von den Piraten begrüßt. Den Namen und das Engagement der Piraten findet Werner generell gut, aber sein „Bild von den Piraten ist inzwischen etwas ins Negative geraten“.

Großmann erklärt zu seiner Motivation, dass er der „Generation Internet“ entstamme. Werner merkt an: „Das ist aber doch nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus dem Leben“, und schneidet andere Bereiche an. Großmann sagt seine Ansichten dazu. Fazit von Werner: „Ich habe einen ganz guten Eindruck vom Kandidaten gewonnen.“

Ein anderer Kandidat, den Werner vor dem Gespräch kritisch beäugt, ist Karsten Stöber von den Linken. „Wieso sollte ich links wählen? Es wird schwer werden, aber versuchen Sie mal, mich zu überzeugen!“, provoziert Werner den Kandidaten der Linken. Der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern erklärt dem mehr als 40 Jahre älteren Wähler, wie er sich soziale Gerechtigkeit vorstellt. Werner geht sehr positiv aus dieser Runde heraus. Hat Stöber vielleicht einen Wähler gewonnen? Wir werden es nie erfahren.

Doch noch haben zwei weitere Kandidaten eine Chance bei Werner. Dirk Meyer sieht sich einem bekennenden FDP-Anhänger gegenüber, allerdings einem ehemaligen. „Ich bin ein alter Sympathisant der FDP, aber ich kann kaum noch erkennen, wofür die FDP steht.“ Meyers Antwort: „Freiheit in Verantwortung“. Die beiden diskutieren über Themenverengung bei der Bundes-FDP, Fraktionszwang und Gewissensentscheidung. Das Thema könnten sie vermutlich endlos ausdehnen, aber schon läutet unerbittlich die Glocke.

Der Sozialdemokrat Andreas Kröger wird ebenso wie alle anderen nach seiner Motivation gefragt. Er erklärt, er habe nach und nach gemerkt, man könne Kleinigkeiten verändern, wenn man sich engagiere, und er stehe für „junge Leute an die politische Front“. Das findet auch Werner gut. Auf die Frage nach der Länderreduzierung gibt Kröger offenherzig zu: „Darüber habe ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht.“

Was Werner gut findet: Kröger geht viele Diskussionspunkte ergebnisoffen an, nicht mit vorgefertigten Parolen. Sein Gesamtfazit: „Ich fand den zeitlichen Rahmen ausreichend, um meine Fragen zu stellen. Und das Wichtigste: Mag ich den Typen oder nicht – diese Frage hat mir das Speed-Dating in jedem Falle beantwortet.“

* Name geändert


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