Drei Chöre, viele Instrumente Lingener Kammerorchester holt Kinder auf die Bühne


  Lingen Erstmalig hat das Lingener Kammerorchester unter der Leitung von Olaf Nießing sein Jahreskonzert im Theater an der Wilhelmshöhe mit drei Kinderchören aus der Region gestaltet. Sie machten den Auftritt zu einem besonders emotionalen Erlebnis.

„Wer die Musik nicht liebt und ehret, wer diese Kunst nicht gerne höret. der ist und bleibt ein Asinus, i-a, i-a, ein Asinus“, ein Esel also. Die Georg Philipp Telemann zugeschriebene Schulmeisterkantate, mit der das Programm begann, spart nicht mit Spott und Klamauk.

Da ist der selbstverliebte Lehrer (Solist: Peter Alexander Herwig), der seine Schüler von der Schönheit des Gesangs überzeugen will und die Kunst mit Arien wie oben selbst nicht beherrscht. Da sind die „Bengel“ und „Flegel“, die über ihren Pauker lachen und ihn auf der Tafel ihrerseits als Esel karikieren.

Große Disziplin

Dieses etwas verkopfte Werk lebt eigentlich von der szenischen Darstellung, die auf der voll besetzten Bühne des gut gefüllten Theaters nur angedeutet wurde. Die von ihren Chorleitern Joachim Diedrichs (Lingen), Balthasar Baumgartner (Meppen) und Frauke Sparfeldt (Sögel) vorbereiteten Kinder hatten hier eher wenig zu singen und das auch noch auf Latein. Umso mehr Lob verdient ihre große Disziplin, die sich von der ersten bis zur letzten Note durchhielt.

Das Orchester nutzte die beiden folgenden Stücke, um richtig warm zu werden. Claude Debussys gern als Filmmusik genutzte „Petite Suite“ ließ zumindest in ihrem Schlusssatz schon etwas Jazz erahnen, bevor der lustvolle Danzon Nr. 2 von Arturo Marquez Bewegung in den Saal brachte.

Höchst anspruchsvolles Werk

Der venezolanische Stardirigent Gustavo Dudamel hat diese sinfonische Tanzmusik 2007 mit seinem Jugendorchester in Europa bekannt gemacht. Olaf Nießing gebührt Dank für den Mut, auch das jetzt frisch gestimmte Lingener Ensemble mit dem höchst anspruchsvollen Werk des mexikanischen Komponisten vertraut zu machen.

Registerwechsel

Schöne Registerwechsel zwischen Schlagwerk, Streichern, Klavier, Holzbläsern und knarzendem Blech ließen keine Müdigkeit aufkommen. Zum Rhythmus der Claves und der Sambagurke gesellten sich zarte Melodiebögen bis hin zu den kecken Einwürfen der teils gestopften Bläser.

Vor der Pause durften die Chöre noch einmal überzeugen mit zwei Schöpfungsliedern aus der Feder von John Rutter. „Alle Dinge dieser Welt“ und „Look at the world“ boten hinreißende Klangteppiche zum Schwelgen.

Souveräne solistische Parts

Auszüge aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ bildeten den zweiten Teil des Konzertes, bei dem Rebecca Katins und Justine Rompa vom Kammerchor Emsland einige solistische Parts souverän übernahmen. Die Oper ist so populär, dass gewisse Wiedererkennungseffekte im Publikum dankbar registriert wurden. Und die Kinder scheuten das Rampenlicht weder vor dem Orchester noch dahinter und beherrschten die romantischen Melodien von „Suse, liebe Suse“ bis zum berühmten Abendsegen auswendig und fast fehlerfrei.

Mit Rutters „The Lord bless you and keep you“ als Zugabe endete ein fröhlicher, generationenübergreifender Musiknachmittag.


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