Partei bricht Kundgebung ab AfD geht in Lingen im Pfeifkonzert unter

Von Sven Lampe


Lingen. In einem gellenden Konzert aus Trillerpfeifen und Nazis-raus-Rufen ist Mittwochabend auf dem Lingener Marktplatz eine Kundgebung der AfD akustisch untergegangen. Rund 500 Demonstranten waren einem Aufruf des DGB gefolgt, gegen den AfD-Auftritt zu protestieren.

Die Titulierung als Nazi wollte der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland in seiner kaum zu verstehenden Rede nicht auf sich sitzen lassen und bezeichnete seinerseits die Demonstranten als „die neuen Nazis.“

Liveticker zum Nachlesen: AfD-Kundgebung in Lingen

Nach kaum einer Stunde schien die AfD, deren eigene Anhänger in der Menschenmasse kaum auszumachen waren, vor den geschätzt rund 500 Gegendemonstranten zu kapitulieren. Heiner Rehnen (Heede), stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender und Kreistagskandidat seiner Partei, erklärte jedenfalls die Veranstaltung für „offiziell abgebrochen“.

Eier und Farbbeutel fliegen Richtung Gauland

Grund dafür mögen Sicherheitsbedenken gewesen sein. Denn immer wieder waren im Verlauf der Kundgebung aus den Reihen der Gegendemonstranten Eier und Farbbeutel auf Gauland, Rehnen, den niedersächsischen Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel und den Kreisvorsitzenden Danny Meiners geworfen worden – jedoch ohne ihre Ziele zu treffen. Außerdem hatte es kleinere Auseinandersetzungen zwischen AfD-Anhängern und Demonstranten gegeben, die von der Polizei aber im Keim erstickt werden konnten. Brenzlig wurde es kurz nach dem Ende der Kundgebung. Als die AfD-Politiker in ihr hinter der Bühne geparktes Auto steigen wollten, versuchten zahlreiche jüngere Demonstranten, mit ihnen auf Tuchfühlung zu gehen. Die Polizei, die während der gesamten Kundgebung mit rund 50 Beamten aus dem gesamten Emsland ebenso dezent wie unübersehbar Präsenz zeigte, ließ allerdings keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie Herr der Lage war. „Ich möchte im Polizeibericht nicht lesen, dass die Veranstaltung ordnungsgemäß zu Ende gebracht wurde“, rief Rehnen in die Menge.

Lautstarkes Beschimpfungsgefecht

Bis dahin hatten sich AfD und die Gegendemonstranten - wohl überwiegend Teilnehmer einer vom DGB angemeldeten Anti-AfD-Kundgebung, ein lautstarkes Beschimpfungsgefecht geliefert. Mitglieder von CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, und den Bürgernahen, Kolping, Antifa und andere hatten auf Aufforderung des DGB versucht, friedlich, aber mit Lärm die AfD-Redner zu übertönen.

Gauland und Hampel bezeichneten derweil die Demonstranten als „Putztruppen der etablierten Parteien“, die sich umgucken würden, wenn die AfD erst einmal regieren werde. „Deutschland ist zu schade für Menschen wie Sie“, rief Gauland den Demonstranten zu, die für ihn Vertreter eine „rotgrün versifften“ Politik seien.

Hampel: „Krimineller Mob“

Die Demonstranten, die sich auf Plakaten unter anderem für ein buntes Lingen und gegen braune Tendenzen aussprachen, bezeichnete Hampel als „kriminellen Mob“. „Wenn das die politische Zukunft unseres Landes ist, dann Gnade uns Gott.“

Kommunale Botschaften angesichts der Kommunalwahl am kommenden Sonntag hatten die AfD-Politiker nicht im Gepäck. Sowohl Gauland als auch Hampel betonten vielmehr die Erfolge ihrer Partei in den vergangene drei Jahren, unter anderem den jüngsten Einzug in den Landtag in Schwerin.

Diesen Erfolgskurs wird die AfD ihren Bundesvorstandsmitgliedern zufolge fortsetzen. 2017 werde die Partei in den Bundestag einziehen und in die Opposition gehen, ab 2021 werde sie regieren, prognostizierte Gauland. Darüber hinaus beschränkten sich Gauland und Hampel inhaltlich auf das Kernthema der AfD: die Ablehnung von Einwanderung und die Gefahr von Einwanderung für Deutschland.

Gauland verzichtet auf weitere inhaltliche Aussagen

Auf weitere inhaltliche Aussagen verzichtete der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende mit dem Hinweis auf die lautstarken Demonstranten. Eine demokratische Auseinandersetzung sei unter diesen Voraussetzungen nicht möglich, so Gauland. „Das muss ich mir nicht antun und das tue ich mir nicht an.“

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