Wiederholt Straftaten begangen In Lingen geborener Roma nach Serbien abgeschoben

Von Wilfried Roggendorf

Von Düsseldorf aus wurde der 21-jährige gebürtige Lingener Arton Bejta nach Belgrad geflogen. Symbolfoto: Daniel Maurer/dpaVon Düsseldorf aus wurde der 21-jährige gebürtige Lingener Arton Bejta nach Belgrad geflogen. Symbolfoto: Daniel Maurer/dpa

Lingen. Im Juni 1995 ist Arton Bejta in Lingen zur Welt gekommen. Nun wurde der 21-Jährige nach Serbien abgeschoben.

Für den Sohn einer aus dem Kosovo stammenden Roma-Familie hätte der Dienstag, 30. August 2016, ein schöner Tag werden können. Er sollte eine neue Arbeitsstelle antreten. Doch es kam alles anders, wie sein Vater Jedon Bejta unserer Redaktion schildert: „Um 5 Uhr morgens standen auf einmal acht Polizisten vor dem Haus und haben meinen Sohn abgeholt“, berichtet er. Warum dies passiert ist, daraus macht Bejta, der selbst als Neunjähriger mit seiner Familie 1987 nach Deutschland gekommen ist , kein Hehl. „Mein Sohn ist auf die schiefe Bahn geraten“, gibt er unumwunden zu.

Mehrfach vorbestraft

Recherchen unserer Redaktion ergeben, was Jeton Bejta genau meint: Sein Sohn Arton ist drogenabhängig und wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Eigentumsdelikten und Beleidigung von Polizeibeamten mehrfach vorbestraft. Eine einjährige Jugendstrafe hat der 21-Jährige bereits abgesessen. Trotzdem empfindet der 39-jährige Jeton Bejta, der bei einem Windanlagenhersteller arbeitet und dessen Frau ebenfalls berufstätig ist, die Abschiebung seines Sohnes als ungerechtfertigt: „Er war wegen seiner Drogensucht in einer Therapie beim Diakonischen Werk und hat sich um Arbeit bemüht.“

Abschiebung in ein fremdes Land

Nun macht sich die Familie große Sorgen. „Arton spricht kein serbisch und höchstens zu 20 Prozent albanisch“, sagt sein Vater. Er weiß nicht, was seinem Sohn in Belgrad – dorthin wurde Arton Bejta von Düsseldorf aus geflogen – droht. „Er kennt dort niemanden und beherrscht die serbische Sprache nicht“, sagt Vater Jeton. Er fürchtet um das Leben seines Sohnes. „Wenn Polizisten in Serbien jemand nicht verstehen, knüppeln die zuerst und fragen dann noch einmal nach.“

Als Härtefall nicht angenommen

Enttäuscht ist Jeton Bejta von der Stadt Lingen. „Ich hatte mit der Stadt abgemacht, dass ich meinen Sohn selber freiwillig in das Kosovo bringe, wenn es keine Chance mehr gibt, dass er hierbleiben kann“, sagt der Mann, der seit 2009 einen unbefristeten Aufenthaltstitel in Deutschland hat. Doch dass es diese Chance nicht mehr gab, hätte Vater Bejta seit dem 19. August wissen müssen. An diesem Tag hatte die Härtefallkommission des Niedersächsischen Innenministeriums es abgelehnt, ein Gesuch zugunsten des Sohnes überhaupt zu behandeln. „Aufgrund der von Arton begangenen Straftaten und der [...] Jugendstrafe, die [...] noch keine drei Jahre zurückliegt, liegen Nichtannahmegründe [...] vor“, schreibt die Kommission Bejta und seiner Frau.

Altmeppen: Übliches Verfahren

Zuvor sei Arton Bejta, so erklärt Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen, zweimal zur freiwilligen Ausreise aufgefordert und eine Abschiebung angedroht worden. Dies sei das bei allen Ausreisepflichtigen übliche Verfahren. Den genauen Termin einer Abschiebung dürften die Behörden gemäß bundesrechtlicher Gesetzgebung den Betroffenen nicht vorher mitteilen.

Goldene Brücken gebaut

Dabei hätte Arton Bejta durchaus eine Chance gehabt, in Deutschland bleiben zu dürfen. Nach unseren Recherchen hatte ihm die Stadt Lingen bereits vor zwei Jahren „goldene Brücken“ gebaut und ihm ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Aussicht gestellt. Dies allerdings unter der Voraussetzung, ein Jahr lang keine Straftat zu begehen. Doch dieses Angebot hat Bejta nicht genutzt: Nur wenige Monate später ist der junge Mann wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Sohn steckt in Serbien fest

Jetzt stecke er in Serbien fest, sagt sein Vater. „Er hat Schwierigkeiten ohne Ende, denn mit seinem serbischen Pass kommt er nicht in das Kosovo hinein“, erklärt Jeton Bejta. „Die Behörden dort wollten eine Bescheinigung, dass mein Sohn abgeschoben wurde. Die hat er aber nicht bekommen“, klagt Bejta. Wo sein Sohn sich genau aufhalte, wo er schlafe und wovon er lebe, das wisse er nicht.

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