Prozessauftakt in Osnabrück Suizidversuch: Auto in Lingen in Gegenverkehr gelenkt

Von Horst Troiza

Zweimal hat ein Mann im Mai 2015 in Lingen sein Auto in den Gegenverkehr gelenkt, um sich selbst zu töten. Nun ist er vor dem Landgericht Osnabrück angeklagt. Symbolfoto: Michael GründelZweimal hat ein Mann im Mai 2015 in Lingen sein Auto in den Gegenverkehr gelenkt, um sich selbst zu töten. Nun ist er vor dem Landgericht Osnabrück angeklagt. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück verhandelt gegenwärtig gegen einen 21-jährigen Mann, der auf der Umgehungsstraße B 70/B 213 in Lingen sein Fahrzeug absichtlich in den Gegenverkehr gelenkt haben soll. Dabei waren im Mai 2015 zwei Personen verletzt worden. Der Angeklagte soll Zeugen zufolge am Unfallort Selbstmordabsichten geäußert haben.

An einem Maiabend 2015 gegen Uhr 19.45 Uhr war der Angeklagte stark alkoholisiert in Richtung Nordhorn gefahren, als er plötzlich auf die Gegenfahrbahn steuerte und fast mit dem Fahrzeug einer Frau kollidierte. In letzter Sekunde war es ihr gelungen, auszuweichen, wobei sie einen Leitpfosten überfahren und in die Leitplanke geraten war. Dabei hatte sie sich erhebliche Verletzungen an der Wirbelsäule zugezogen. Ihr Beifahrer war unverletzt geblieben.

Nächster Versuch 200 Meter weiter

Nach dieser Beinahekollision lenkte der Angeklagte seinen Golf wieder auf seine Straßenseite und fuhr weiter. Etwa 200 Meter entfernt von der Stelle des ersten Unfalls lenkte er erneut auf die gegenüberliegende Fahrbahn. Dort kam ihm ein anderes Auto entgegen. Trotz eines Ausweichmanövers kam es zum Unfall, der allerdings für die Beteiligten glimpflich ausging.

Angeklagter bestätigt Aussage

Gegenüber Helfern am Unfallort soll der jetzt 21-Jährige mehrfach davon gesprochen haben, sein Auto mit Absicht auf die Gegenfahrbahn gelenkt zu haben, weil er Selbstmord begehen wollte. Zum Prozessauftakt vor der 3. Großen Strafkammer bestätigte er diese Aussage, bestritt jedoch den Vorwurf des versuchten Mordes: „Ich wollte in die Leitplanke fahren, aber niemanden anderes verletzen“. An die Beinahekollision mit dem ersten Fahrzeug erinnere er sich infolge des Alkoholgenusses überhaupt nicht, an den Unfall mit dem zweiten nur wenig.

Peinliche Fotos beim Schützenfest

Als Grund für seinen Suizidversuch bezeichnete er einen Zwischenfall, der sich während eines Schützenfestes im südlichen Emsland am gleichen Tag ereignet hatte. Er habe mit Schützenbrüdern am Vormittag Bier und andere Alkoholgetränke zu sich genommen. Beim traditionellen Antreten gegen Mittag überkam ihn ein menschliches Bedürfnis, dem er Erleichterung verschaffte, indem er aus der Reihe trat und einige Meter entfernt urinierte. Von dieser für ihn peinlichen Situation hatten „Kameraden“ mit ihren Handys Fotos gemacht und diese ins Internet gestellt.

Spott und Frotzeleien

Den Rest des Nachmittags sei er deshalb Zielscheibe von Spott und Frotzeleien gewesen, „viele haben sich über mich lustig gemacht“, skizzierte er die Vorgeschichte. Als er dann am späten Nachmittag auf seine Eltern getroffen war, hatten auch sie ihm deswegen Vorhaltungen gemacht. Solchermaßen gedemütigt will er ins Auto gestiegen sein und dann beim Herumfahren den Entschluss gefasst haben, sich selbst zu töten.Aber er habe zu keinem Zeitpunkt jemand anderes gefährden wollen, beteuerte er noch einmal.

Das Verfahren wird fortgesetzt.


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