Kraftwerksgespräch in Lingen Stilllegung des Kernkraftwerks: Erste Anträge

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Lingen. Das Kernkraftwerk Emsland (KKE) in Lingen bereitet sich intensiv auf die Stilllegung vor, wenn die Anlage Ende 2022 keinen Strom mehr produziert.

Das hat der Leiter des KKE , Jürgen Haag, vor mehr als 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unterstrichen, die der Einladung zum Kraftwerksgespräch gefolgt waren. Nach seinen Worten wurden inzwischen erste Antragsunterlagen eingereicht. Haag rechnet damit, dass bis zum Jahr 2030 noch zahlreiche Experten im KKE beschäftigt sein werden.

Bis 2030 sollen noch zahlreiche Experten im Kernkraftwerk beschäftigt sein

Obwohl die Tage des KKE nach dem Beschluss zum Atomausstieg gezählt sind, wird laut Haag im KKE weiter ausgebildet: Im August begannen vier junge Menschen ihre Lehre zum Mechatroniker und Elektroniker für Betriebstechnik. Der KKE-Leiter verwies darauf, dass unter den derzeit 350 Mitarbeitern zahlreiche Ältere seien, sodass der nach der Abschaltung der Anlage in den Folgejahren notwendige Personalabbau halbwegs sozial verträglich bewerkstelligt werden könne. „

Jüngere Mitarbeiter sollen sich im Ausland umsehen

Jüngere Mitarbeiter sollten sich überlegen, ob sie künftig in kerntechnischen Anlagen im Ausland arbeiten möchten“, sagte Haag. Das KKE habe im vorigen Jahr rund elf Millionen Megawattstunden Strom produziert. „Mit dieser Strommenge können wir Berlin komplett versorgen“, sagte Haag.

Erdgasblöcke häufiger im Einsatz

Über den Einsatz des Erdgaskraftwerks am Standort Lingen konnte dessen Leiter Hans-Peter Flicke Erfreuliches berichten: „Im Vergleich zu den Vorjahren waren unsere Kraftwerksblöcke deutlich besser nachgefragt.“ Neben gefallenen Beschaffungspreisen für Erdgas wirken sich laut Fricke die zahlreichen technischen Verbesserungen aus. Die Schnellstartfähigkeit der GuD-Anlage sowie die hohe Flexibilität aller Blöcke machen Fricke zufolge den Standort attraktiv für den Netzbetreiber.

„Lingen ist eine zuverlässige Stütze im Strommetz“

„Am 30. Juni wurde ein Schnellstart angefordert und erfolgreich umgesetzt. Wir haben gezeigt, dass Lingen eine zuverlässige Stütze im Stromnetz ist“, erläuterte Flicke. Er gehe davon aus, dass die Erdgasblöcke in Lingen in den nächsten Jahren wegen der Abschaltung von Kernkraftwerken verstärkt Strom produzieren. „Bis dahin müssen wir eine Durststrecke überstehen.“

„Zwischenlager sind keine dauerhafte Lösung“

In einem Impulsvortrag beleuchtete Hannes Wimmer, Geschäftsführer der GNS–Gesellschaft für Nuklear-Service, die besonderen Anforderungen, die der Rückbau eines Kernkraftwerks an die notwendigen Verpackungs- und Transportbehälter stellt. Er erinnerte an die Pflicht des Bundes, gemäß Atomgesetz Anlagen zur Sicherstellung und zur Endlagerung radioaktiver Abfälle einzurichten. Zwischenlager an den Kernkraftwerken für abgebrannte Brennelemente seien keine dauerhafte Lösung.

Oberbürgermeister Dieter Krone bleibt optimistisch

Im Rahmen einer erstmals veranstalteten Podiumsdiskussion unter Moderation von Jörg Lennardt, Geschäftsführender Gesellschafter von ExperConsult, wurde die Situation des Standorts Lingen vertiefend betrachtet. Mit Blick auf die Zukunft betonte der Lingener Oberbürgermeister Dieter Krone: „Mit einem der modernsten und effektivsten Gaskraftwerke, dem großen Know-How vor Ort und der bestehenden Infrastruktur wird Lingen als Energiestandort auch zukünftig eine bedeutende Rolle im Energiemarkt einnehmen.“

Angespannte wirtschaftliche Situation bei der konventionellen Stromerzeugung

RWE Generation-Vorstand Roger Miesen, der zusätzlich zu den Gas- und Steinkohlenkraftwerken seit August auch für die Kernkraftwerke von RWE verantwortlich ist, verwies auf die weiterhin angespannte wirtschaftliche Situation der konventionellen Stromerzeugung: „Dass unsere Gasblöcke in Lingen verstärkt eingesetzt werden, ist erfreulich. Hierfür gebührt der Mannschaft ebenso großes Lob wie dem Team des KKE für den zuverlässigen Betrieb des Kernkraftwerks.“

„Backup-Leistungen müssen auskömmlich honoriert werden“

Miesen betonte allerdings auch: „Die Großhandelsstrompreise sind nach wie vor nicht auskömmlich. Die jetzt beschlossene Weiterentwicklung des Energiemarktes wird nicht ausreichen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“ Wenn konventionelle Kraftwerke nur zeitweise am Netz seien, um die Schwankungen beim Strombedarf auszugleichen, wie dies zum Beispiel bei den Erdgasblöcken in Lingen der Fall sei, müssten die sogenannten Backup-Leistungen auskömmlich honoriert werden.


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