Alarmierung per Smartphone Mobile Retter sollen im Emsland Menschenleben retten

Die Rettungsdienste sind im Notfall zwar schnell unterwegs, aber ein mobiler Retter könnte noch schneller am Ort des Geschehens sein. Symbolfoto: Nicolas Armer/dpaDie Rettungsdienste sind im Notfall zwar schnell unterwegs, aber ein mobiler Retter könnte noch schneller am Ort des Geschehens sein. Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa

Lingen. Der Landkreis Emsland plant, die Rettungskette bei Herz-Kreislauf-Stillstand durch sogenannte mobile Retter zu verstärken. Rund 40 Betroffene mehr könnten im Emsland durch deren Einsatz überleben, schätzt der Leitende Notarzt des Landkreises, Dr. Wolfgang Hagemann.

Wie Hagemann auf der jüngsten Sitzung des Feuerschutzausschusses des Landkreises erläuterte, sollten die mobilen Retter die zeitliche Lücke zwischen dem Eintreten des Notfalls und dem Eintreffen des Rettungsdienstes schließen. „Es dauert im Durchschnitt neun Minuten, bis der Rettungsdienst beim Patienten eintrifft“, sagte Hagemann und gab zugleich zu bedenken: „Jede Rettungsmaßnahme, die später als vier bis fünf Minuten nach Eintritt eines Herzstillstandes beginnt, hat kaum noch Chancen auf eine erfolgreiche Wiederbelebung.“

Rund zwei bis drei Prozent der Bevölkerung

Genau da setze das seit 2014 in Gütersloh erprobte Konzept der mobilen Retter an. „Oft sind ausgebildete Kräfte in der Nähe eines Notfalls, wissen aber nichts davon“, so Hagemann. Dies könnten Angehörige von Rettungsdiensten oder Hilfsorganisationen ebenso sein, wie Ärzte und weiteres medizinisches Fachpersonal, aber auch ausgebildete Ersthelfer. „Das sind rund zwei bis drei Prozent der Bevölkerung“, erklärte Hagemann.

Mobile Retter nach drei Minuten zur Stelle

Und diese mobilen Retter seien, wie der Modellversuch in Gütersloh gezeigt habe, im Schnitt drei bis fünf Minuten nach dem Eintritt des Notfalls zur Stelle. „Mit einem dichter werdenden System nimmt auch der Abstand zum Einsatzort und damit die Zeit bis zum Eintreffen ab“, sagte Hagemann und hoffte, dass sich möglichst viele Fachkräfte und ausgebildete Ersthelfer beteiligen.

Leitstelle ortet mögliche Retter

Dazu müssten sich diese Personen als mobile Retter registrieren lassen und eine entsprechend App auf ihrem Smartphone installieren. „In einem entsprechenden Notfall kann die Leitstelle dann orten, welche mobilen Retter in der Nähe sind und diese über die App alarmieren“, erklärte Hagemann die Funktionsweise des Systems. Hagemann versicherte, dass kein dauerhaftes Tracking, also die Ortung der Smartphones, der mobilen Retter erfolge. „Dies geschieht nur im Einsatzfall.“ Und es sei unproblematisch, wenn ein mobiler Retter einmal einen Einsatz ablehne: „Dies wird nicht aufgezeichnet.“

Herzdruckmassage wichtigste Erstmaßnahme

Nehme der Retter den Einsatz an, führe die App ihn mit einer Wegbeschreibung direkt zum Ort des Notfalls. Dort könne der mobile Retter bei Bedarf sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. „Das ist die wichtigste Erstmaßnahme bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes“, sagte Hagemann. Dies gehe zwar auch ohne Ausrüstung, aber jeder mobile Retter erhalte einen rund fünf mal fünf Zentimeter großen Schlüsselanhänger, in dem sich Handschuhe und eine Barriere zur Vermeidung direkten Kontaktes mit dem Patienten bei der Beatmung befänden.

Einführung dauert zwei Monate

Der Feuerschutzausschuss des Landkreises Emsland begrüßte die Einführung des Systems der mobilen Retter einstimmig. Wie Dezernent Marc-André Burgdorf erläuterte, würde es gut zwei Monate dauern, das System technisch in die Rettungsleitstelle des Landkreises zu implementieren. Die Kosten dafür seien explizit nicht zu beziffern, da die Leitstelle sowieso technisch aufgerüstet werden solle.

Retter sind versichert

Burgdorf wies ausdrücklich darauf hin, dass die mobilen Retter im Einsatzfall juristisch gesehen Verwaltungshelfer des Landkreises und somit auch versichert seien. Und Leitender Notarzt Hagemann fügte hinzu, dass die Retter nach einem Einsatz nicht alleine gelassen würden. „Es gibt eine psycho-soziale Nachsorge.“

Jetzt schon vormerken lassen

Interessenten, die sich als mobile Retter betätigen möchten, können sich schon jetzt beim Landkreis Emsland per E-Mail an mobile-retter@emsland.de vormerken lassen.


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