Özdemir im Freiwilligenzentrum Lingener Flüchtling: Dank an „Alemania“

Von Thomas Pertz

Im Freiwilligenzentrum in Lingen stellte Vanessa Jansen die Flüchtlingsarbeit des SKM vor. Der Lingener Grünen-Ratsherr Ibrahim Hassan übersetzte für die ausländischen Gäste. Foto: Thomas PertzIm Freiwilligenzentrum in Lingen stellte Vanessa Jansen die Flüchtlingsarbeit des SKM vor. Der Lingener Grünen-Ratsherr Ibrahim Hassan übersetzte für die ausländischen Gäste. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Deutsch, arabisch, kurdisch – ein buntes Sprachengemisch hat den Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, am Donnerstagnachmittag bei seinem Besuch des Freiwilligenzentrums in Lingen empfangen.

Neben haupt- und ehrenamtlichen Helfern in der Flüchtlingsarbeit waren viele Migranten gekommen, um sich mit dem Bundestagsabgeordneten mit türkischen Wurzeln auszutauschen.

Es war Özdemirs erster Besuch in Lingen und im Emsland. „Darüber freue ich mich natürlich sehr“, hatte ihn die Lingener Kommunalpolitikerin Birgit Kemmer begrüßt. Der 50-Jährige, dessen Eltern in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen waren, verwies in seinem Statement darauf, dass die Aufnahme von rund einer Million Flüchtlinge durch Deutschland innerhalb kurzer Zeit eine enorme Leistung gewesen sei. „Das haben wir gut hinbekommen im EU-Vergleich“, sagte Özdemir auch unter Hinweis auf die deutlich abwehrende Haltung anderer Nachbarstaaten.

Die wichtigste Frage sei für ihn aber nicht, wieviele Flüchtlinge noch aufzunehmen seien. Entscheidender sei, wie die Situation der Menschen vor Ort verbessert werden könnte, damit sie gar nicht erst ihre Heimatländer verlassen müssten. Gründe dafür sind den Worten des Grünen-Bundesvorsitzenden zufolge nicht nur in militärischen Konflikten zu suchen. So mache die stark exportorientierte Landwirtschaft hierzulande Märkte in ärmeren Ländern kaputt, während sie hierzulande zu enorme Belastungen führe. Als Stichworte nannte er Massentierhaltung und Bodenverunreinigungen.

Auf die Frage, warum sich Deutschland mit einem Einwanderungsgesetz so schwertue, erwiderte Özdemir, dass dies auch eine Frage politischer Mehrheiten sei. In dieser Legislaturperiode werde es damit wohl nichts mehr werden. Ein Einwanderungsgesetz löse nicht alle Probleme, biete aber die Chance, über Quoten und Kriterien Zuwanderung zu steuern. „Alle klassischen Einwanderungsländer machen das“, so der Grünen-Politiker.

Ein kurdischer Flüchtling, dessen Worte von Grünen-Ratsherr Ibrahim Hassan übersetzt wurden, sprach „Alemania“ seinen Dank für die „humanitäre Aufnahme“ aus. Ein Problem sei die gesundheitliche Versorgung. Ohne Gesundheitskarte müssen Flüchtlinge im Krankheitsfall zuerst zum Sozialamt gehen und einen Behandlungsschein holen, der ihnen den Arztbesuch erlaubt. Als erste Kommune in Niedersachsen führt jetzt Delmenhorst die elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge ein. Bürokratieabbau und diskriminierungsfreier Zugang zur Gesundheitsversorgung werden als Hauptargumente der Befürworter genannt. Kritiker befürchten unter anderem hohe Verwaltungskosten.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.


0 Kommentare