Chef der Grünen zu Besuch Özdemir in Lingen: Erst Flüchtlinge, dann Inländer

Von Thomas Pertz


Lingen. Die Schönheit der Landschaft im Wachendorfer Wacholderhain und die Not und Probleme der Menschen, die in Lingen Zuflucht gesucht haben: Zwischen diesen beiden Polen hat sich am Donnerstag der Besuch von Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, bewegt.

Turnschuhe und eine bequeme Hose zum Wandern trug der türkischstämmige Politiker, der bei der Begrüßung durch die Lingener Grünen-Ratsfrau Birgit Kemmer nicht alleine gekommen war. Personenschützer des Bundeskriminalamtes begleiteten den 50-Jährigen, der im Zuge der Armenien-Resolution des Bundestages unter enormen Druck von türkischen Nationalisten geraten war. Özdemir hatte den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg zur Zeit des Osmanischen Reiches und auch die deutsche Mitschuld an dem Massaker klar benannt. „Meine Lebensbedingungen haben sich verändert, meine Einstellung nicht“, unterstrich der Abgeordnete beim Pressegespräch im Naturschutzgebiet.

„Ist doch wunderschön hier“, ließ der Grünen-Politiker seinen Blick über die Heidelandschaft in Wachendorf streifen. Das rund 20 Hektar große Naturschutzgebiet ist besonders geschützt. Mehr noch als im Falle einer Einordnung als Landschaftsschutzgebiet, das auch Nutzungen durch den Mensch, zum Beispiel in der Landwirtschaft, zulässt. Kemmer kritisierte, dass ein ausgeweiteter Naturschutz in der Region an der Mehrheit der CDU in Lingen und im Kreistag scheitere. „Wir brauchen beides: Ein Naturschutzgebiet, wo die Natur eine Chance hat, sich zurückzuziehen, aber auch Flächen für die Landwirtschaft, die naturverträglich sind“, meinte Özdemir. Der Bundestagsabgeordnete sprach sich außerdem gegen ein „Bauern-Bashing“ aus, gegen eine öffentliche Beschimpfung des Berufsstandes.

Zweite Station seines Besuches in Lingen – Özdemir war das erste Mal im Emsland - war das Freiwilligenzentrum. Dort warteten bereits zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund auf den Gast aus Berlin. Vanessa Jansen vom SKM stellte zunächst die Flüchtlingsarbeit des SKM vor und die enge Verzahnung dieser Arbeit mit der Stadtverwaltung und ehrenamtlich Aktiven.

„Gute Inländer“

Özdemir verwies darauf, dass die Nachfahren der Armenier, die vor 100 Jahren vor der Verfolgung im Osmanischen Reich geflohen seien und sich zum Beispiel in Syrien angesiedelt hätten, heute wieder auf der Flucht seien. „Wenn wir aus der Geschichte nicht lernen, besteht die Gefahr, dass sie sich wiederholt“. Der Grünen-Politiker dankte allen, die sich in der Migrationsarbeit vor Ort engagieren würden, haupt- wie ehrenamtlich: „Damit aus Flüchtlingen gute Inländer werden“.

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