Landschafts- oder Naturschutzgebiet? Geteilte Meinungen zum Naturschutz in Lingen

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Lingen. Nach Vorgaben der EU müssen die vorhandenen Natura-2000-Gebiete durch die Naturschutzbehörden hoheitlich gesichert werden. Ob dies in Lingen durch die Ausweisung als Landschafts- oder höherrangigen Naturschutzgebieten geschehen soll, darüber sind die Fraktionen im Rat der Stadt Lingen verschiedener Meinung.

In Lingen geht es um die FFH-Gebiete „Ems“, dass sich auf 900 Hektar entlang des Stroms über das Stadtgebiet erstreckt, sowie das rund 17 Hektar große Gebiet „Lingener Mühlenbach und Nebenbach“. Die Verwaltung hat in der jüngsten Ratssitzung vorgeschlagen, diese Flächen als Landschaftsschutzgebiet (LSG) auszuweisen.

Stadtbaurat: Eigentümer gleich behandeln

Stadtbaurat Lothar Schreinemacher begründete den Vorschlag: „Das FFH-Gebiet ‚Ems‘ erstreckt sich über den Bereich des gesamten Landkreises Emsland.“ Dieser habe sich für eine Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet entschieden. „Zwar könnten wir auch ein Naturschutzgebiet (NSG) ausweisen, aber wir sollten uns dem Landkreis anschließen“, so Schreinemacher. Dies sei auch eine Gleichbehandlung aller betroffenen Eigentümer.

CDU: NSG wäre eine teilweise Enteignung

Für die CDU sprach sich Ratsherr Karl Storm ebenfalls für eine Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet aus. „Ursprünglich war das von der EU nicht vorgesehen, jetzt sieht sie das als notwendig an“, so Storm. Wenn man nicht betroffen sei, könne man sich entspannt zurücklehnen, aber für die Besitzer von land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen käme die Ausweisung als NSG einer teilweisen Enteignung gleich.

Grüne sehen in Landschaftsschutzgebiet ein Armutszeugnis

Michael Fuest (Grüne) erinnerte daran, dass der Landkreis vor zwei Jahren ein NSG beschlossen, aber nach Protesten von Lobbyverbänden der Bauern, Jäger und Angler eine „Rolle rückwärts“ gemacht habe. „Es ist ein Armutszeugnis, dass wir jetzt einknicken“, so Fuest, der ein Naturschutzgebiet forderte.

Plaggenborg: CDU an Diskussion nicht interessiert

Dieser Forderung schloss sich Sozialdemokrat Ralf Plaggenborg an. Der CDU warf er vor, ein Naturschutzgebiet vor der eigenen Haustür abzulehnen. Die Christdemokraten hätten immer nur zwei Argumente: Der Mensch stehe im Vordergrund und ein Naturschutzgebiet käme einer Enteignung der Betroffenen gleich. „Die gesamte Schöpfung steht im Vordergrund und die Frage einer Enteignung wird von Gerichten verneint“, hielt Plaggenborg dem entgegen. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn im Vorfeld der Diskussion – an der die CDU nicht interessiert sei – die Anzahl der Betroffenen, insbesondere der Land- und Forstwirte, genannt worden wäre. Der Sozialdemokrat betonte, dass Landwirte in der Vergangenheit einen großen Anteil am Naturschutz gehabt hätten. „Das geht auch in Zukunft nur im Konsens“, so Plaggenborg.

Koop: Naturschutzgebiet politisch nicht durchsetzbar

Robert Koop (Bürgernahe) bezeichnete ein Naturschutzgebiet ebenfalls als „bessere Methode“. Er befürchtete, dass die Argumente der Ratsmehrheit für ein Landschaftsschutzgebiet auf EU- und Landesebene nicht verfangen würden. „Da aber ein Naturschutzgebiet politisch nicht durchsetzbar ist, wollen wir klein anfangen und stimmen deshalb dem Antrag auf ein Landschaftsschutzgebiet zu.“

CDU und Bürgernahe stimmen für Landschaftsschutzgebiet

Mit den Stimmen von CDU und Bürgernahen und gegen das Votum der anderen Fraktionen beschloss der Rat, dass die Verwaltung ein Verfahren zur Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes „Natura-2000-Emsauen in Lingen“ ausarbeiten und durchführen solle.

Stadtbaurat Schreinemacher erläuterte das weitere Verfahren: Der Rat habe ein Landschaftsschutzgebiet auf den Weg gebracht. Danach müsse die Verwaltung eine Satzung entwerfen, die dann vom Rat zu beschließen sei.

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