Ein Bild von Wilfried Roggendorf
19.06.2016, 12:59 Uhr WAHRNEHMUNG GESTÖRT

Seltsame Doppelmoral bei Demo gegen Rechts in Lingen

Ein Kommentar von Wilfried Roggendorf


Mit diesem Transparent rückten Demonstranten den Rechtsstaat auf eine Ebene mit Nazis. Foto: Wilfried RoggendorfMit diesem Transparent rückten Demonstranten den Rechtsstaat auf eine Ebene mit Nazis. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Unserem Kommentator ist bei der Demo gegen Rechts in Lingen nicht nur eine Doppelmoral einiger Redner, die zudem anonym aufgetreten sind, aufgefallen.

Zwei Dinge sind bei der Demonstration gegen Rechts in Lingen am Samstag besonders aufgefallen:

Da ist zum einen die mehr als seltsame Doppelmoral der meisten Redner. Sie nehmen für sich in Anspruch, anonym zu bleiben, möchten sich nach Möglichkeit nicht fotografieren lassen, während sie in aller Öffentlichkeit demonstrieren und sprechen.

Einer der Demoveranstalter veröffentlicht hingegen den vollen Namen und nicht gepixelte Fotos des 21-Jährigen, der dringend tatverdächtig ist, in Lingen auf Flüchtlinge geschossen zu haben, im Internet.

Selber unerkannt bleiben wollen und gleichzeitig den politischen Gegner öffentlich persönlich an den Pranger zu stellen, passt nicht zueinander und ist auch nicht durch den dringenden Tatverdacht gegen den 21-Jährigen gerechtfertigt.

Unterbringung trägt zur Integration bei

Zum anderen ist da die Kritik eines Redners, der wohl aus der kommunistischen Osnabrücker Szene stammte, an der in seinen Augen nicht vorhandenen Willkommenskultur in Lingen. Er nannte als Grund unter anderem die „Containerunterbringung“ von Flüchtlingen in der Stadt.

Gerade diese modularen Wohneinheiten, in denen nicht mehr als 30 Flüchtlinge leben, und die auf viele Orts- und Stadtteile verteilt sind, tragen, im Gegensatz zu gettoähnlichen Massenunterkünften in anderen Städten, zur Integration bei.

Zugereister Redner mit falscher Wahrnehmung

Der Redner sprach in Bezug auf Willkommenskultur von einer „falschen Selbstwahrnehmung“ des Lingener Oberbürgermeisters Dieter Krone. Doch die einzig falsche Wahrnehmung von der in Lingen herrschenden Willkommenskultur hat dieser zugereiste Redner selbst. Sie ist, von Haupt- und Ehrenamtlichen tagtäglich gelebt, sehr ausgeprägt.

Auf linksideologische Demonstranten, die das in Abrede stellen, kann Lingen ebenso gerne verzichten, wie auf Rechtsextreme, die eine Willkommenskultur kategorisch ablehnen oder gar auf Menschen schießen.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN