Nach Schüssen auf Flüchtlinge Demo und Friedensgebet in Lingen geplant

Zu einer Demo rufen der Verein Grenzenlos und die AFA Lingen auf. Foto: Thomas PertzZu einer Demo rufen der Verein Grenzenlos und die AFA Lingen auf. Foto: Thomas Pertz

wrog/slx Lingen. Lingen reagiert nach den Schüssen auf Flüchtlinge: Die Antifaschistische Aktion (AFA) Lingen und der Verein Grenzenlos - Antirassistisches Engagement rufen zu einer Demonstration am Samstag , 18. Juni 2016, auf. Am Montag, 20. Juni 2016, soll ein Friedensgebet stattfinden.

Die Demonstration beginnt am Samstag um 14.30 Uhr. Start ist am Lingener Bahnhof mit einer kurzen Auftaktkundgebung. „Wir nehmen den Angriff vom 12. Juni zum Anlass, unsere Solidarität mit allen Geflüchteten zum Ausdruck zu bringen und uns entschlossen gegen jede Form von Rassismus zu stellen“, heißt es einem Aufruf der AFA, die gemeinsam mit dem Verein Grenzenlos die Veranstaltung bei der Stadt Lingen angemeldet hat.

Mikrofon steht allen offen

Nach einigen Diskussionen und Unstimmigkeiten zwischen den Veranstaltern und der Stadt Lingen über die genaue Route der Demonstration soll die Veranstaltung nach Angaben der bei der Stadt für Recht und Ordnung zuständigen Fachbereichsleiterin Katrin Möllenkamp vom Bahnhof durch die Marienstraße zum Marktplatz, Große Straße, Mühlentorstraße weiter in Richtung Finanzamt in die Weidenstraße und durch den Langschmidtsweg vorbei an der Flüchtlingsunterkunft führen. Dann geht es durch die Lindenstraße zurück zum Marktplatz, wo die Abschlusskundgebung eingeplant ist. Dabei sind vier Redebeiträge von Vertretern der AFA und gegebenenfalls einem Flüchtling vorgesehen. Im Anschluss steht das Mikrofon der AFA zufolge weiteren Rednern offen.

„Kompromiss-Route“

Das Vorbeigehen an der Flüchtlingsunterkunft sei ein Kompromiss mit den Veranstaltern, sagte Möllenkamp. Ursprünglich habe die AFA geplant, in die Unterkunft zu gehen und Kontakt mit den Bewohnern aufzunehmen. Das wiederum war laut Möllenkamp auf Widerwillen bei der Stadt gestoßen. In Gesprächen mit Bewohnern, der Polizei und dem SKM habe sich herauskristallisiert, dass die Flüchtlinge nach den Ereignissen der vergangenen Tage „einfach mal Ruhe haben wollen“, sagte die Fachbereichsleiterin. Daher habe die Stadt versucht, die Organisatoren auf eine Route zu schicken, die nicht an der Unterkunft vorbeiführt. Den vorgeschlagenen Weg hätten AFA und Grenzenlos jedoch nicht akzeptiert. Damit seien der Stadt die Hände gebunden. Das Versammlungsrecht sei ein hohes Gut, das unter diesen Bedingungen nicht eingeschränkt werden könne, erläuterte Möllenkamp. Den Kompromiss bestätigte Lorena Vath von der AFA. Auch ihnen gehe es darum, die Bewohner der Unterkunft zu schützen. Vielmehr solle durch die Route der in der Nachbarschaft lebende mutmaßliche Schütze darauf aufmerksam gemacht werden, dass viele Leute nicht auf seiner Seite seien.

Friedensgebet

Die christlichen Kirchen in Lingen, das Forum Juden Christen und der Ökumenische Friedensgebetskreis laden zu einem Friedensgebet am Montag, 20. Juni um 18 Uhr auf dem Universitätsplatz in Lingen ein. „Mit dem Friedensgebet soll ein Zeichen gesetzt werden, dass die Menschen, die in Lingen Schutz suchen, willkommen sind und Christen an ihrer Seite stehen“, heißt es in einer Mitteilung der Veranstalter. Nicht die Tat eines Einzelnen solle die Geflüchteten verunsichern, sondern das Mitgefühl, die Unterstützung und die Zuwendung der Lingener Bürger sollten diesen Menschen Sicherheit geben.

„Der Fremde soll euch wie ein Einheimischer gelten“. „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“ Dieser Satz aus dem Alten Testament stehe als Überschrift über dem Friedensgebet. Oberbürgermeister Dieter Krone wird zu Beginn des Friedensgebetes ein Grußwort sprechen.


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